Berufungsgericht bestätigt Verurteilung des Conception-Kapitäns wegen Totschlags

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06.03.2026 07:49
Kategorie: News

Urteil bleibt bestehen: Kapitän Jerry Boylan muss Haftstrafe für Brand mit 34 Todesopfern antreten

Ein US-Bundesberufungsgericht hat die Verurteilung von Jerry Boylan, dem Kapitän des Taucherboots Conception, bestätigt. Das 71-jährige frühere Schiffsoffizier war bereits im November 2023 für schuldig befunden worden, „Fehlverhalten, Fahrlässigkeit oder Unachtsamkeit eines Schiffsoffiziers“ begangen zu haben – eine Rechtsgrundlage die als „Totschlag durch Seemann“ bezeichnet wird. Im Mai 2024 war Boylan zu vier Jahren Haft in einem Bundesgefängnis verurteilt worden. Mit der Entscheidung des Berufungsgerichts ist sein Urteil nun rechtskräftig, und er muss die Strafe antreten.

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Hintergrund des Verfahrens war der verheerende Brand an Bord der Conception in den frühen Morgenstunden des 2. September 2019, als das 23 Meter lange Boot vor der Insel Santa Cruz vor der kalifornischen Küste vor Anker lag. Bei dem Feuer kamen 34 Menschen ums Leben: 33 Passagiere und ein Besatzungsmitglied. Zahlreiche Hinweise im Prozess deuteten darauf hin, dass die Opfer bei dem Versuch, aus dem unter Deck eingesperrten Bereich zu entkommen, an Rauchvergiftung und Erstickung starben. Ein kurzes Video eines eingeschlossenen Passagiers dokumentierte den verzweifelten Kampf ums Überleben nur wenige Minuten nach dem Ausbruch des Feuers.

Die Anklage gegen Boylan stützte sich auf mehrere Verstöße gegen bundesstaatliche Sicherheitsvorschriften. So hatte die Besatzung der Conception dem Gericht zufolge keine ordnungsgemäße Brandschutzschulung erhalten, und es war keine Nachtwache eingerichtet worden. Weiteren Beweisen zufolge alarmierte Boylan zwar die US-Küstenwache, benutzte aber nicht die Lautsprecheranlage des Schiffes, um die unter Deck schlummernden Passagiere zu wecken, bevor er das Boot verließ. Gerichtliche Feststellungen legen nahe, dass die Notausgänge blockiert waren, wodurch viele Passagiere bei dem Versuch zu fliehen eingeschlossen wurden.

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Nach der Verurteilung beantragten Boylans Anwälte ein neues Verfahren und riefen den Fall in die Berufung. Sie machten geltend, dass dem Geschworenengericht fehlerhafte Anweisungen gegeben worden seien. Konkret beanstandeten sie, die Jury sei darüber informiert worden, Boylan könne verurteilt werden, wenn er sich „fehlverhalten und/oder grob fahrlässig verhalten“ habe. Nach Ansicht der Verteidigung senke diese Formulierung den Maßstab für eine Verurteilung gegenüber dem gesetzlich vorgesehenen Standard.

Fehlverhalten, Fahrlässigkeit oder Nachlässigkeit

Vor dem dreiköpfigen Berufungsgericht entschied Richter John B. Owens gegen diese Auffassung. In seiner schriftlichen Stellungnahme erklärte er, das einschlägige Gesetz fordere keinen Nachweis grober Fahrlässigkeit. Es stelle vielmehr Todesfälle unter Strafe, die durch „Fehlverhalten, Fahrlässigkeit oder Nachlässigkeit bei der Erfüllung seiner Pflichten“ eines Schiffskapitäns verursacht worden seien. Damit sei die juristische Grundlage, auf die sich die Verurteilung stützte, nicht fehlerhaft angewendet worden.

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Der stellvertretende US-Staatsanwalt Alexander Robbins wies in der Verhandlung darauf hin, dass Meinungsverschiedenheiten über die genaue Wortwahl der Geschworenenanweisungen den Verlauf des Prozesses praktisch nicht beeinflusst hätten. „Es hatte keinen Einfluss auf die Argumente, es hatte keinen Einfluss darauf, wie die Parteien ihre Argumente formulierten, es hatte überhaupt keinen Einfluss“, sagte Robbins. „Es war für die Entscheidung der Geschworenen buchstäblich irrelevant.“

„Urteil ist richtig“

Die Bestätigung des Urteils bedeutet für die Hinterbliebenen der Opfer eine Art „Juristisches Ende“. Angehörige begrüßten die Entscheidung des Berufungsgerichts. Maggie Strom, deren Ehemann Ted bei der Katastrophe ums Leben kam, sagte, sie sei nicht überrascht von der Bestätigung der ursprünglichen Verurteilung. Sie beurteilte das Urteil wegen fahrlässiger Tötung von 34 Menschen als „richtig“. Clark und Kathleen McIlvain, deren Sohn Charles zu den Toten zählt, äußerten Erleichterung und betonten, Boylan habe bislang keinen Tag im Gefängnis verbracht; durch das nun bestätigte Urteil werde er endlich zur Rechenschaft gezogen.

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Die Tragödie der Conception rief in den USA nicht nur juristische, sondern auch regulatorische Änderungen hervor. Nach dem Brand wurden in der Kleinpassagierschiffindustrie erhebliche Sicherheitsänderungen vorgeschrieben. Zu den Neuerungen zählen die Verpflichtung zu nächtlichen Brandwachen sowie verbesserte Flucht- und Branddetektionssysteme, um das Risiko eines Wiederauftretens ähnlicher Katastrophen zu verringern.

Mit der Entscheidung des Berufungsgerichts endet ein wichtiger Rechtsweg in diesem Fall: Die Verurteilung wegen der Pflichtverletzung als Schiffskapitän steht, und Boylan muss die verhängte Haftstrafe verbüßen. Für die Angehörigen der Opfer ist dies ein Schritt auf dem Weg zu einer endgültigen Antwort auf die Frage nach Verantwortung für eines der tödlichsten Unglücke in der jüngeren US-Schifffahrtshistorie.

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Weitere Informationen:

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Meldung via Facebook (Sep 2019) und Kommentare zur Katastrophe