Mallorca: Mittelmeerperle mit Top-Tauchrevieren

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25.07.2017 14:33
Kategorie: Reise

Mehr als nur Ballermann

Die Truppe ist gut gelaunt. Und laut! Das Fußballteam vom FC Lalala hat schon im Abflugbereich des Hamburger Flughafens den Alkpegel mit einer zollfreien Eineinhalbliterflasche Ballantine's hoch gepusht, im Air Berlin-Flieger des von Nikki „operierten“ Fluges sah die Servicecrew von TUI Fly dezent weg, als dann ein ebenso großes Gebinde lauwarmen Helbing-Kümmels durch die Kicker-Reihen wanderte und für weitere Stimmungshochs sorgte...

Das ist eines der Gesichter einer wundervollen Insel, die immer noch in der Gunst zahlreicher deutscher Urlauber ganz oben steht. Mallorca ist eine Insel die polarisiert, auf der touristische Licht- und Schattenseiten oft nahtlos ineinander übergehen. Wem das Pegelsaufen keinen Spaß macht, der sollte die einschlägig bekannten Partyhochburgen Mallorcas einfach großflächig umgehen. Er wird belohnt mit atemberaubender Natur, wunderschönen, historischen Orten, grandioser mallorquinischer Küche, einsamen Buchten und supertollen Tauchplätzen!

Bericht von Harald Apelt

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Das Mittelmeer ist als Tauchrevier nicht so beliebt wie das Rote Meer, die Malediven, die Hotspots der Karibik oder die von vielen Tauchern sehnsuchtsvoll betrachteten Pazifikperlen. Zu Unrecht, denn das Mare Nostrum bietet auch zahlreiche Top-Tauchgebiete wie etwa die Costa Brava, die Cote d'Azur, das toskanische Archipel, die kroatische Adriaküste, Malta und trotz stark reduzierter Fischbestände auch in Griechenland und der Türkei.

Dass Mallorca mit seiner zentralen Lage im westlichen Mittelmeer zu den Mittelmeer-Topspots für Sporttaucher zählt, wird oft nicht wahrgenommen. Dabei ist die größte Insel der Balearen nicht nur eine aus Deutschland in rund zwei Stunden Flugzeit zu erreichende Urlaubsdestination, sondern zugleich auch eine so facettenreiche Melange aus allen denkbaren Urlaubsangeboten, wie es sie in dieser Dichte wohl kaum ein zweites Mal im Mittelmeerraum gibt.

Mallorca ist eine Ganzjahresdestination, die egal ob zur Zeit der Mandelblüte im Februar oder in den Herbsttagen des Oktobers immer einen besonderen Charme versprüht. Getaucht werden kann hier das ganze Jahr, wenngleich die meisten Tauchbasen von Ende Oktober bis in den März hinein reduziert agieren oder die Rolläden sogar ganz herunter lassen.
Und die meisten alt eingesessenen Tauchbasen haben in den letzten drei Jahrzehnten einen Wandel von der „klassischen“ Tauchbude zum kleinen, modernen Touristikunternehmen vollzogen, das die Ansprüche und Bedürfnisse seiner Klienten, die in erster Linie tauchende Urlauber sind, umfassend bedient. Da gibt’s eben nicht mehr nur die zwei obligatorischen Tauchausfahrten täglich, sondern meistens zusätzlich eine breite Palette an unterhaltsamen Aktivitäten, die zum Tauchurlaub ebenso dazu gehören, wie spannende Tauchgänge.

Und da hat Mallorca einiges zu bieten. Ein Mietwagen ist auf Mallorca zumindest für einige Tage fast Pflicht. Bei den großen Anbietern gibt es außerhalb der Hauptsaison den Kleinwagen mit Vollkasko ohne Kilometerbegrenzung oder Selbstbeteiligung schon für 150 € die Woche. Und wer niemals vom Südwesten der Insel über Port d'Andratx die atemberaubende Küstenstraße Ma-10 über Estellencs und dem Weltnaturerbe Banyalbufar hinauf nach Soller bis zur nördlichen Inselspitze, dem Cap Formentor gefahren ist, hat definitiv eine der schönsten Küstentouren, die Europa zu bieten hat, verpasst. Allein zwischen den genannten Orten liegen am Wegesrand noch zahlreiche Highlights vom beschaulichen Künstlerort Deià über die tiefe Schlucht 'Sa Calobra' bis hin zu dem von Kartäusern gegründetem Kloster in Valdemossa. Der kleine Ort erlangte Berühmtheit durch den Komponisten Frederic Chopin, der hier im Winter 1838 mit der Schrifstellerin George Sand drei Monate lebte und den Weltbestseller 'Ein Winter in Mallorca' verfasste.

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Nur der unaufgeregte Urlauber sollte sich auf diesen einmaligen Tripp begeben, denn auf der kurvenreichen Küstenstraße ist die 'Entdeckung der Langsamkeit' angesagt. Der rund 150 Kilometer lange Trip nimmt dann auch mehr als einen halben Tag in Anspruch, will man nur das Wichtigste erkunden.

So zerklüftet, bergig und zum Teil unzugänglich die Westküste Mallorcas ist, so erschlossen und facettenreich ist die Ostküste der Insel. Hier wechseln die zwei Gesichter Mallorcas manchmal so schnell, dass man es kaum glauben mag. Da liegen  Hochburgen des Massen- und Pauschaltourismus wie Pollença, Alcúdia, Can Picafort und Cala Millor ebenso, wie kleine ursprüngliche Perlen wie Porto Petro, Cala Figuera, Cala Santanyi oder Porto Colom. Bis hierhin sind die Bettenburgen in Dreierreihen noch nicht vorgedrungen und die touristische Drehzahl liegt hier deutlich niedriger.

In diesen Orten findet man kleine, familiäre Hostals, gemütliche Stadtfincas oder Appartements, die oftmals von deutschen Besitzern (außerhalb der Hauptsaison im Juli/August) zu vertretbaren Preisen angeboten werden. Wer seinen Urlaub individuell planen und gestalten möchte ist mit diesen Angeboten bestens beraten. Massen-Freiluftdiscos à la Cala Ratjada, Arenal, Magaluf oder Peguera in denen die Sangria üppig aus 10-Liter-Eimern geschlürft wird, findet man hier nicht.

Ein alter Hase der Tauchszene hat sich nach seinem Rückzug aus dem aktiven Basengeschäft auf einen Service speziell für Taucherinnen und Taucher spezialisiert. Leo Klein, vielen Mittelmeerfans noch als Basengründer und Betreiber der in Port D'Andratx direkt am Hafen gelegenen Tauchbasis 'Diving Dragonera' bekannt, leitet heute das Marketing der mallorquinischen Tauchbasenorganisation PDIA und eine Agentur, mit der er tolle Locations in allen Preiskategorien an Touristen und Taucher vermittelt (www.mallorca-4you.de). Leo kann übrigens auch „all inclusive“, dann sind Flug und Mietwagen auch gleich mit dabei.

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Dass das Tauchen auf Mallorca ein sehr breites Spektrum umfasst wollen wir in den folgenden Beiträgen beleuchten. Taucher.Net hat fünf der auf der Insel verteilten PDIA-Tauchbasen besucht und einmal etwas näher betrachtet. Was es hier für Taucher gibt?

Zunächst einmal moderate Wassertemperaturen, denn schon ab Anfang Mai steigt das Thermometer kontinuierlich an und schon Anfang Juni betrug die Wassertemperatur an der Oberfläche in diesem Jahr bereits 23 Grad. Im Bereich von 25 Metern waren es immer noch rund 20 Grad, ausreichend für einen leichten 5 mm Neoprenanzug. Der Siebener ist für frostig veranlagte Tauchgesellen okay, der Trocki aus Temperaturgründen eher unnötig.

Zu entdecken  gibt es zerklüftete Unterwasserlandschaften, durchzogen von Höhlen und Grotten, Wracks und Steilwände und geschützte Naturreservate, die sich nach Jahren des Verbotes von Fischfang und Unterwasserjagd wieder in einem Artenreichtum und mit erholten Beständen fast wie vor 40 Jahren präsentieren. Gewinner dieser konsequenten Schutzpolitik sind die Natur und zugleich die Taucher, denen sich zum Beispiel im „Parc Natural de Llevante“ vor Cala Ratjada, der geschützten Inselgruppe „Parque Nacional del Archipiélago de Cabrera“ rund 18 Kilometer vor der Südküste Mallorcas oder im Naturpark „Sa' Dragonera“ vor Port d'Andratx und Sant Elm die Unterwasserwelt von ihrer besten Seite zeigt.

Vor Ort zu besichtigen: Viel Schwarmfisch von Gelbstriemen und Brassen bis hin zu teilweise opulenten Sardinenschwärmen und großen Barrakudaschulen. Fast immer dabei sind Muränen, Congeraale, in kleinen Höhlen und Grotten der seltene Gabeldorsch und als Highlight bisweilen recht stattliche Rochen und als Bootsbegleitung Delfine. Der besonders von Tauchern geliebte Zackenbarsch ist häufiger distanzierter Begleiter der Tauchgänge, mit einer Ausnahme: Weit vor der Küste an der Inselgruppe „Cabrera“ sind die teilweise schweinsgroßen Zackenbarsche schon fast zutraulich, neugierig und mit Ruhe und Geduld des Tauchers sogar zu Interaktionen bereit, die man nicht alle Tage sieht. Das Ganze ohne die übliche Anfütterei von „Profitauchern“, denn die Gewässer um Cabrera sind eine intensiv überwachte Schutzzone, das Befahren und Ankern oder gar das Betauchen sind hier nur nach Anmeldung bei der auf dem Eiland beheimateten Rangerstation möglich. Das Taucherlebnis ist hier herausragend und rechtfertig allemal die jeweils rund eineinhalbstündge Seefahrt von und zurück zur Colònia de Sant Jordi, dem Ausgangspunkt dieser Offshore-Tauchexkursionen. Seefest sollten „Taucher“ bei diesem Trip allerdings schon sein, denn bei Windstärken ab 5 rauschen auf der Transferfahrt von der Seeseite her recht stattliche Wellen ran... „Eine Seefahrt, die ist lustig...

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Taucher.Net hat im Juni fünf der auf der Insel verteilten PDIA-Tauchbasen besucht und etwas näher betrachtet. In fünf Folgen werden wir die Basen „Mero Diving“ in Cala Ratjada, „East Coast Divers“ in Porto Colom, „Dive'n Mallorca“ in Cala d'Or, die „Petro Divers“ in Porto Petro und „Diving Dragonera“ in Port d'Andratx und deren zahlreichen interessanten Aktivitäten ausführlich vorstellen.

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