Malediven: Einfach mal weg…

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14.04.2021 17:43
Kategorie: Reise

Tolle Atolle

Es ist offiziell! Sicher nicht zuletzt durch den massiven weltweiten Protest von Naturschutzorganisationen, uns Tauchern und der change.org Petition hat sich die maledivische Regierung eines Besseren besonnen. Gestern wurde verkündet, dass man von Überlegungen, den Haifang in maledivischen Hoheitsgewässern wieder zu gestatten, absieht.

Aber kann man zur Zeit auf die Malediven reisen? Man kann! Der negative PCR Test machts möglich. Natürlich sollte man sich auch im tropischen Inselstaat an die üblichen Hygieneregeln halten, genauso wie im Rest der Welt. Wir haben einige Atolle besucht…

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Bericht von Sibylle Gerlinger

Tuckerten früher die Dhonis vom Airport Male aus in alle Richtungen, so starten heute die Wasserflugzeuge wie emsige Hummeln und setzen ihre maximal fünfzehn Gäste sicher und schnell direkt vor den Inseln ab. Auch im Airtaxi ist das Tragen einer Maske Pflicht, aber spätestens beim Check-in auf der Insel kann man diese dann endlich abnehmen. Der Balanceakt zwischen Sicherheit und Komfort ihrer Gäste obliegt den Resort Managements vor Ort. Ob der Schutz am Büffet getragen werden muss oder nicht, ist also eine Entscheidung des Hotels. Hygienespender und Thermometerstationen vor den Restaurants gehören aber fast überall zum Standard. Manche Inseln bieten am Ende des Urlaubs sogar einen kostenfreien PCR-Test für Heimreisende an.

Allein die tropische Atmosphäre, die warme Luft und die türkisfarbenen Lagunen am weißen Strand sind besonders in dieser Zeit Balsam für Körper, Geist und Seele. Und spätestens beim Tauchgang haben wir die Welt da oben für eine Weile mal hinter uns gelassen.

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Das Ari Atoll gehört nicht nur zu den größten, sondern auch immer noch zu den beliebtesten Atollen der Malediven. Getaucht wird meist an sogenannten „Thilas“, häufig kreisrunden Riffen im Inneren des Atolls, deren Dächer etwa fünf bis zehn Meter unter der Oberfläche liegen, so wie Maalhos Thila, wo die zarten Korallenpolypen mit aller Farbenpracht in Durchbrüchen und Überhängen gedeihen. An der äußeren Kante des Kuda Rah Thila hingegen patrouillieren meist Graue Riffhaie im Blauwasser. Zwischen den Riffblöcken herrscht weniger Strömung, trotzdem stehen dort prächtige rote Fächerkorallen. Das gesamte Riff ist in riesige Schwärme von Blaustreifenschnappern gehüllt.

Vor der Insel Machafushi liegt das 1998 für Taucher versenkte Wrack der Kudhimaa. Das fünfzig Meter lange Stahlschiff ist extrem gut bewachsen und Lebensmittelpunkt unzähliger Fische und Invertebraten. Vor allem eignet es sich als spannendes Ziel für Nachttauchgänge. Bereits 2009 wurde der Südrand des Atolls zum South Ari Marine Park erklärt, seit 2019 sind nun auch Ranger für die Schutzzone zuständig. Das Besondere hier ist die große Zahl an Walhaien, die ganzjährig anzutreffen sind. Die meisten Tauchcenter bieten Schnorchelausflüge in das Gebiet an.

Hotelempfehlung:
Lily Beach Resort & Spa, Prodivers Tauchbasis.

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Lily Beach auf der mit altem Baumbestand dicht bewachsenen Insel Huvahendhoo überzeugt nicht nur durch die wohlgestaltete Anlage, sondern auch mit hervorragender Küche. Die Speisen im Hauptrestaurant werden als All-Inclusive Büffet angeboten, dazu gibt es drei Spezialitätenrestaurants und Bars. Bei Mindestaufenthalt von fünf Nächten ist ein kostenloser PCR Test im Preis enthalten. Das Team der Prodivers leitet die Basis professionell und geht gerne auf Kundenwünsche ein.


Weiter nördlich liegt das kleine und längliche Lhaviyani Atoll, dessen Resorts sich auf Inseln am Rand des Atolls befinden. Getaucht wird also häufig an Außenriffen und in Kanälen, wobei es auch im Inneren wunderbare Plätze gibt. Einer davon heißt Anemone Thila. Das runde Riff ist vollständig mit Anemonen besetzt, die von Clarks- und maledivischen Clownfischen bewohnt werden. Wer schon immer mal geschlossene Anemonen in Purpur, Orange oder Grün fotografieren wollte, ist hier genau richtig! Die besten Kanäle und aufregendsten Plätze befinden sich im Norden des Lhaviyani Atolls. Dicht bewachsene Steilwände, wie Kuredu Caves, Kuredu Express oder Peak versprechen häufig Strömung und Großfisch. Adlerrochen, große Sandrochen und verschiedene Riffhaiarten gehören dazu. Das Highlight des Atolls ist Fushivaru Kandu. In diesem Kanal auf der Westseite der Inselkette befindet sich ein Thila, das als Putzerstation für Mantas dient. Selbst außerhalb der Saison von Oktober bis März kann man hier mit etwas Glück den sanften Riesen begegnen.

Hotelempfehlungen:
Innahura Maldives am Südrand des Atolls ist ein neues Resort mit jungem Ambiente und besitzt eine sehr große und wunderschöne Badelagune aber kein Hausriff. Alle Unterkünfte sind Strandbungalows. Die Prodivers Tauchbasis wird ihrem gewohnt hohen Standard gerecht und fährt alle Tauchplätze des Atolls an.

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Kuredu Island Resort& Spa gehört zu den größten Urlaubsinseln der Malediven und hat sogar einen Golfplatz. Die Prodivers betreiben hier nicht nur ihr Hauptquartier, sondern auch die derzeit einzige Dekompressionskammer des Landes. Zum ihrem Angebot gehören Rebreather- und Scootertauchgänge.

Hurawalhi Island Resort & Spa ist ein Luxusresort, das auch gehobenen Ansprüchen gerecht wird. Star der Anlage ist das „5.8“, das weltweit größte, vollverglaste Unterwasserrestaurant der Welt. Edouard Deplus zeichnet als französischer Küchenchef verantwortlich für alle Restaurants des Resorts, ebenso für die dazugehörige Nachbarinsel „Kudadoo Maldives Private Island“. Die Prodivers Tauchbasis bietet u.a. „Fluo night dives“ an, Nachttauchgänge mit besonderem Licht und Maskenfilter, die die fluoreszierenden Farben der UW-Fauna zum Vorschein bringen. Auch für Nichtfotografen!

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Zu den erst spät erschlossenen Atollen gehört das Raa Atoll. Es befindet sich im Westen des Landes und zeichnet sich durch absolut jungfräuliche Tauchplätze mit geradezu üppigem und ungeheuer buntem Bewuchs aus. Spots wie Beriyan Kuda Thila, Sola oder Anemone Thila bezaubern durch ihre Unberührtheit und ihren Artenreichtum. Neben großen Schwärmen trifft man regelmäßig Haie, verschiedene Rochenarten, Napoleonlippfische und Schildkröten. Auch Liebhaber der Makrofauna kommen voll auf ihre Kosten. Mehrere Manta Putzerstationen decken sowohl die Zeit des Nord-Ost Monsuns (November bis April), als auch des Süd-West Monsuns (Mai bis Oktober) ab, so dass die zauberhaften Riesenrochen ganzjährig anzutreffen sind.

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Hotelempfehlung:
Brennia Kottefaru Maldives Resort wurde erst Anfang 2020 eröffnet und ist noch nicht vollständig fertig gestellt. Man hat besonders viel Liebe in die Gartengestaltung der ehemals unbewohnten Insel gesteckt, Wege und Bungalows sind von bunt blühenden Bougainvilleas umrahmt. Der Spa ist das Herzstück der Anlage, Anwendungen finden jeweils in einzelnen Cottages statt, die im separaten Spa-Garten errichtet wurden. Die deutschsprachige Tauchbasis steht unter der bewährten Leitung von Petra Hellmann, Ocean Dimensions. Es ist zwar kein Hausriff vorhanden, die Ausfahrt zu den nächstgelegenen erstklassigen Tauchplätzen dauert aber gerade einmal zwei Minuten.


Südlich des Raa Atolls erstreckt sich das Baa Atoll. Aufgrund seiner enormen Biodiversität wurde es 2011 von der UNESCO als bisher einziges Atoll der Malediven zum Biosphärenreservat erklärt. Im Baa Atoll liegt auch die berühmte Hanifaru Bay. Durch Meeresströmungen und Wind sammelt sich in dieser geschützten Lagune während des Süd-West Monsuns Plankton in so großer Menge an, dass Mantas und Walhaie dort regelmäßig zum „großen Fressen“ erscheinen. Die Lagune ist während der Saison durch Ranger geschützt und nur das Schnorcheln ist erlaubt. An manchen Tagen zwischen Mai und Oktober können in der Bucht bis zu hundert Mantas beobachtet werden. Darüber hinaus warten die Tauchplätze des Atolls mit bunten, dicht bewachsenen Steilwänden, Überhängen und Durchbrüchen auf. Fischreichtum und Artenvielfalt sind immens.

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Hotelempfehlung:
Kihaa Maldives ist eine Anlage im gehobenen Segment. Die Ocean Dimensions Tauchbasis steht unter der Leitung des Maledivenkenners Marc Zaalberg der seine Leidenschaft in mehr als 20 Jahren nicht verloren habt. Kihaa besticht vor allem durch seine Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hanifaru Bay.

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Weitere Informationen:
www.lilybeachmaldives.com
www.innahura.com
www.hurawalhi.com
www.kudadoo.com
www.kuredu.com
www.brennia.com
www.kihaamaldives.com
www.prodivers.com
www.oceandimensions.com

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Ein ehrliches Wort

An einigen Riffen, vor allem im Süd-Ari Atoll, sind uns kaputte Riffe mit gebleichten Korallen und Anemonen aufgefallen. Vor allem an Hausriffen im Inneren der Atolle kann man desaströse Momente erleben, die nur zum Teil durch die El Niños der letzten Jahre zu erklären sind. Man muss aber auch sagen, dass sich die Atolle in Bezug auf ihre Fauna und ihren Korallenbesatz schon immer unterschieden haben.

Atolle, in denen vornehmlich an Außenriffen und Kanälen getaucht wird, wie im Lhaviyani Atoll, sieht es deutlich besser aus. Die beiden westlichen Atolle (Baa und Raa) hatten fantastischen Korallenbesatz, sowohl Hart- als auch Weichkorallen.

Allgemein ist unser Eindruck aber, dass vermutlich die Hotelinseln mit ihrem enorm hohen Wasserverbrauch und Schadstoffeintrag durch die vielen Menschen über Jahre hinweg den Riffen viel mehr dauerhaften Schaden zufügen. Ein Ökosystem wie diese fragilen Atoll Landschaften sind für einen derartig expansiven Tourismus einfach nicht gemacht.

 

(c) Alle Bilder von Sibylle Gerlinger und  Gerald Nowak