Meedhupparu

Teile:
21.09.2022 13:30
Kategorie: Reise

Mantas und mehr

Rund 150 der insgesamt über 1.200 Malediveninseln sind sogenannte „Resortinseln“, und Meedhupparu ist eine davon. Aber Insel ist nicht gleich Insel, und die dazugehörigen Tauchplätze können sich zum Teil ganz erheblich unterscheiden. Warum ausgerechnet diese Insel für DiveInside nach einer Woche Aufenthalt eine nahezu perfekte Wahl darstellt, erklärt dieser Bericht.

Bericht von Linus Geschke

Etwas über eine Malediveninsel zu schreiben, ist eine schrecklich undankbare Aufgabe. Ein palmenbesetzter Sandhügel, oben drauf ein Hotel und Drumherum das Meer, das war´s. Sie alle haben keine nennenswerte Historie, keine abgelegenen Ecken und schon gar keine Geheimnisse, die man aufdecken könnte. Man bekommt, was man gebucht hat. Urlaubsträume, geliefert wie bestellt.

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Zum Glück jedoch ist DiveInside ein Tauchmagazin, bei dem das Drumherum eine deutlich größere Rolle als die Insel selbst spielt, obwohl diese auch die ein oder andere Bemerkung wert ist. Erst die Summe der Einzelteile ergeben das große Ganze, und selbst die begeistertsten Taucherinnen und Taucher schaffen es nicht, pro Tag mehr als drei oder vier Tauchgänge zu absolvieren. Der Rest der Zeit spielt sich an Land ab. In den Bars, den Restaurants, am Strand. 

Die Lage, die Ausstattung

Meedhupparu ist eine recht große 4-Sterne-Insel im Raa-Atoll, die Transferzeit mit dem Wasserflugzeug beträgt von Male aus rund vierzig Minuten. 215 Bungalows verteilen sich auf 700 Meter Länge und 290 Meter Breite, dazu fünf Restaurants und ebenso viele Bars. Was viel klingt, relativiert sich vor Ort – nie hat man das Gefühl, mit zu vielen Menschen auf zu wenig Fläche gefangen zu sein. Alles verläuft sich und die unterschiedlichen Restaurants (Hauptrestaurant, indisches Restaurant, der a-la-carte Italiener und das „Café Mass“) sind durch die Bank im obligatorischen All-inclusive erhalten - lediglich die „Water Villa Bar“ steht kostenlos ausschließlich den Bewohnern der Wasserbungalows zur Verfügung.

Über den natürlich vorhandenen Pool müssen wir nicht groß reden, über die Bungalows schon: Es gibt unterschiedliche Kategorien, familientaugliche Unterkünfte und solche, die eher für Paare geeignet sind. Wenn Sie bei der Buchung unsicher sind, welche Variante für Sie in Betracht kommt, können Sie ruhig zu der günstigsten Möglichkeit greifen – auch dort ist man schon ausreichend komfortabel untergebracht. Jeder Bungalow verfügt über zwei Duschen (eine im Freien, eine im Inneren), die kostenlose Minibar wird jeden Tag aufgefüllt, die Betten sind bequem und der Blick aufs Meer ist überall gegeben.

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Die Verpflegung

Mit einem Wort: fantastisch, sowohl was Qualität wie Auswahl angeht! Die Speisen im Hauptrestaurant werden in Büffetform angeboten, aufgelockert durch täglich wechselnde Delikatessen wie frisch gegrillten Fisch oder eine perfekt geschmorte Lammhaxe. Alles schmeckt hervorragend, ständig wird nachgelegt und wer es schaffen sollte, nach zwei Wochen nicht mit dem ein oder anderen Kilogramm extra auf den Rippen zurück zu kommen, muss schon ein wahrer Asket sein. Mir ist das nicht gelungen, und an dieser Stelle lege ich mich gerne fest: Wer hier Gründe zum Meckern findet, dem ist nicht mehr zu helfen - besser und abwechslungsreicher habe ich auf den Malediven noch nie gegessen!  
 
Der DiveInside-Tipp für Neuankömmlinge: Frühstück im Hauptrestaurant, das Mittagessen direkt im Café Mass und am Abend dann in das indische Restaurant oder zum A-la-carte-Italiener, sofern einem der Sinn nach Abwechslung steht.

Die Tauchbasis

„Dive Point Maldives“ steht an der Tafel, „Tauchen mit Freunden“ direkt darunter. Den ersten Teil kann man noch als Information betrachten, den zweiten als reinen Werbespruch abtun, wie ihn jede Tauchbasis zu bieten hat. Eine Berechtigung bekommt er erst dann, wenn es dem Staff und dem Inhaberpaar auch tatsächlich gelingt, ihn mit Leben zu füllen.

Der, der dafür in erster Linie verantwortlich ist, heißt Marcus Hauck und ist wohl das, was man einen erfahrenen „Malediven-Veteran“ nennen könnte. Die ersten Aufenthalte des gebürtigen Franken im Inselparadies reichen bis in die achtziger Jahre zurück. Sieben Basen besitzt er mittlerweile, und die erste davon wurde genau hier eröffnet, auf Meedhuparru.
„Warum ausgerechnet Meedhuparru?“, frage ich.
„Warst du hier schon tauchen?“, will Marcus wissen.
Ich schüttele den Kopf.
„Dann lass uns später darüber reden. Ich will ja, dass du dir ein eigenes Bild machst.“
 
Damit gebe ich mich fürs Erste zufrieden und schaue mir stattdessen die Basis genauer an. Sie verfügt über einen gut sortierten Shop, bietet jede Menge neuwertiger Leihausrüstung von Aqualung und das übliche Angebot an Kursen. Andy, den Basenleiter, kenne ich bereits von einer vorherigen Reise zu einer anderen Insel. Er ist ein Guter. Freundlich, kompetent und vor allem kein Angeber, dessen Kernkompetenz sich auf das Absondern von Sprüchen beschränkt.

„Der größte Vorteil von Meedhupparu ist sicher, dass wir hier alles haben“, sagt er, als wir am ersten Abend bei einem Bier zusammen sitzen. „Viel Fisch, viele Haie und Mantas.“
„Das sagen sie alle.“
„Stimmt“, meint er und trinkt einen Schluck. „In diesem Fall stimmt es aber! Warte mal ab, bis wir morgen tauchen gehen. Das wird dir gefallen.“
„Was gibt´s denn zu sehen?“
„Mantas“, sagt er und zwinkert. „Viele Mantas!“

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Zeit für den Praxistest also, der am nächsten Tag ansteht: Ab ins Neopren (ist das tatsächlich enger geworden?), rauf aufs Boot, eine kurze Fahrt und dann ab ins Wasser. Den Namen des Tauchplatzes weiß ich nicht mehr, aber Namen sind sowieso Schall und Rauch. Es sind die Erlebnisse, die zählen, deren Qualität und Quantität.  

Die Tauchplätze

Jeder Tauchurlaub ist immer auch eine Gradwanderung zwischen Wunsch und Realität, zwischen Versprechen und Wahrheit, zwischen Erwartung, Erfüllung und Enttäuschung. Der Grad wird schmaler, je teurer die Reise ist und je höher unsere Ansprüche sind. Auch vorangegangene Erlebnisse spielen eine Rolle, das lässt sich nicht leugnen – je mehr man im seinem Taucherleben bereits gesehen hat, desto dünner wird die Luft für Neues.

Ganz besonders gilt das für die Malediven. Wer hierhin fliegt, tut das selten für farbenprächtige Korallen oder eine besonders interessante Topografie. Wer auf die Malediven kommt, will Großfisch sehen. Haie müssen dabei sein, Mantas am besten auch, und gegen einen Walhai hat noch niemand etwas einzuwenden gehabt. Das zumindest sind die Erwartungen, und wenn sie nicht erfüllt werden, hat der Anbieter meistens mehr Ausreden im Angebot als das Wasser Blautöne. Dann ist die Jahreszeit schuld, die ausbleibende Strömung oder das sprichwörtliche Pech. Oft hört man auch, dass das Meer eben kein Streichelzoo sei und niemand genau sagen könne, wann die begehrten Sehnsuchtstiere wo seien.

All das stimmt sogar in vielen Fällen, erklärt die Diskrepanz aber nicht ansatzweise. Fakt ist, dass bei einigen Inseln einfach eine Kluft zwischen dem besteht, was versprochen wird, um dem, was das Tauchgebiet tatsächlich zu leisten im Stande ist. Ich kann ein Lied davon singen, glauben Sie mir. In meinen Jahren als Tauchjournalist war ich schon auf Malediveninseln, auf denen bereits ein einsames Pärchen Riffhaie ekstatisch gefeiert wurde, obwohl diese dort angeblich doch im Dutzend vorkommen.  Auf Inseln, wo innerhalb von zwei Wochen kein einziger Manta vorbeigeschaut hat, obwohl es laut dem Werbeprospekt gerade die beste Zeit dafür war.  

Und Meedhupparu? Wie sieht es hier aus? Diese Insel hat mich tatsächlich begeistert. Komplett. Sämtliche Versprechen werden hier nicht nur eingehalten, sondern übertroffen. Die Namen der Tauchplätze spielen dabei keine Rolle, die Highlights wechseln sowieso, aber die Basis weiß stets, wo gerade was zu finden ist. Wenn es „zu den Mantas geht“, dann geht es an Blöcke, an denen sich die größten aller Rochen fast gegenseitig im Weg stehen. Sie schwimmen übereinander her, untereinander, hintereinander. Vor den Tauchern und in deren Rücken. Eine totale Überforderung der Sinne, bestes Unterwasserkino, bis die Luft ausgeht. Das Gleiche gilt auch für Haie. Rund um Meedhupparu gibt es Spots, in denen sie sich nicht nur einzeln oder paarweise tummeln, sondern im Dutzend, wieder und wieder. Die Chance, hier wieder ohne Erlebnisse wegzufliegen, die sich für ewig in das Gedächtnis brennen, besteht nicht. Meedhupparu – das sind die Malediven, wie die Malediven überall sein sollten, aber viel zu selten sind.

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„In dem Atoll gibt es ein paar Blöcke, an denen sich die Mantas gerne aufhalten“, wird Marcus später erklären. „Je nach Strömungsverhalten oder Jahreszeit. Unser Vorteil ist, dass wir dank unserer langjährigen Erfahrung in der Region immer genau wissen, in welchem Bereich sie gerade sind.“
„Immer?“
„Na ja …“, lacht er. „Fast immer. An jedem Tag kommen stets nur zwei oder drei Blöcke in Betracht. Sind sie nicht am ersten, dann am zweiten oder dritten.“
„Und die Haie?“
„Da haben wir lange gesucht, bis wir die besten Stellen gefunden haben – interessanter Weise genau da, wo wir sie anfangs gar nicht vermutet haben. Nicht weit von der Insel entfernt.“

Fazit

Wenn Meedhupparu überhaupt einen Nachteil hat, dann jenen, dass die Insel aufgrund ihrer Größe kein ausgeprägtes „Robinson-Feeling“ vermittelt. Ansonsten aber werden hier Malediventräume wahr. Die Bungalows passen, das Essen ist hervorragend und die Tauchgebiete halten, was sie versprechen (und noch ein wenig mehr). Außerdem ist die Insel vergleichsweise günstig und die Tauchbasis gehört sicherlich zu den besten, die man in diesem Business finden kann. Aufpassen muss man nur, dass man nicht übersättigt wird – durch die Kraft der Erlebnisse, der Bilder im Kopf.

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