Anfahrt / Anreise:
Ziel 1: Garður (Atlantik vor Island) Von Reykjavik aus zunächst westlich ca. 35 km bis Flughafen Kevlavik und dann nördlich ca. 10 km bis zur Küste Ziel 2: Silfra (Süsswassersee im Thingvellier-Nationalpark) Von Reykjavik aus östlich ca. 65 km.
Örtlichkeit / Einstieg:
Ziel 1: im Dorf Garður an der Fischfabrik Ziel 2: Luftlinie rd. 1km südöstlich von der einzigen Brücke im Tal. Einstieg liegt mitten im Gelände. Einstieg hat eine eigene Metalleinstiegsleiter. Einstieg ist nicht gekennzeichnet durch Landmarken.
Wasser:
Süßwasser
Erreichbarkeit:
Beides möglich
Max. Tiefe:
Silfra 30m
Schwierigkeit:
Für Fortgeschrittene
Tauchgangstyp:
Wrack-TGStrömungs-TGHöhlen-TGBergseetauchgang
Nächste Füllmöglichkeit:
Tauchregulierung:
Nächster Notruf / Kammer:
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OsedaxDivemaster

Heißwasserschlote bei Akureyri (Strytan)

Ende Mai wollte ich die Gelegenheit nutzen, auch in Island zu tauchen (wenn man schon mal da ist).
Silfra kam allerdings nicht in Fragen, da inzwischen fast schon überlaufen und mir der Preis für eine Massenabfertigung eindeutig zu hoch ist!
Die Heißwasserschlote bei Akureyri haben mich allerdings schon lange gereizt und fasziniert!
Ein kurzer Anruf im Strytan Dive Center und einem Gespräch mit dem Chef persönlich versprachen ein unkompliziertes Erlebnis.
Die Basis ist allerdings nicht mehr in Akureyri direkt sondern einige Kilometer nördlich am Westufer des Fjordes in Hjalteyri! Eine alte Fischfabrik ist jetzt Herberge der Basis.
Vom Chef begrüßt bestätigte sich der unkomplizierte Eindruck! Erlendur (Chef) zeigte mir zuerst mal sein kleines Museum im 1. Stock. Etliche Artefakte und Gegenstände die er bei seiner Arbeit als Berufstaucher geborgen hat, Bilder und Schautafeln zum Schlot und einige Exponate zum Leben auf Island. Auch Fotos und Berichte zum Vulkanausbruch auf seiner Heimatinsel Heimaey gibt es.
Da ich nur Maske und Computer dabei hatte, mußte ich alles ausleihen. Kein Problem, da genügend Leihausrüstung vorhanden ist. Neoprentrockis, Unterzieher, Wollsocken, Naßhandschuhe, ADV-Jacket, Atemregler und Lampen. Flaschen gibt es in den verschiedensten Größen (10 - 15 ltr.).
Anrödeln in der Basis, mit dem Auto 500m zum Bootsanleger und mit dem RHIB in weniger als 10 min zum ersten Tauchplatz. Erlendur paßt gut auf seinen Schatz, den großen Schlot auf und will nur erfahrene Leute dorthin mitnehmen. Daher erst der "Check"-TG am "Arnarestrytur". Hier tritt Heißwasser auf größerer Fläche aus und hat aus den Ausfällungen quasi ein Riff geschaffen! Zwischen buntem Bewuchs tummeln sich Seehasen, Seewölfe, Dorsche, Butterfische, Nachtschnecken, Seesterne, Seescheiden, usw.! In adäquater Tiefe um die 20m eine gute Gelegenheit, um sich mit der Leihausrüstung und den Bedingungen vertraut zu machen. Die Fische waren etwas grob und ein Seewolf hat mich einfach gerammt und zur Seite geschubst - rauhes Meer, rauhe Sitten.
Hier wird auch nebenbei das Verhalten der Seewölfe erforscht (v.a. Vermehrung), da darüber bisher kaum etwas bekannt ist. Erlendur kooperiert dazu mit Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Als wir ins Boot zurückkletterten war unser (deutscher!) Bootsmann ganz aus dem Häuschen - ein Buckelwal hat ihm nur 20 m entfernt die Zeit vertrieben!!! Unter Wasser haben wir davon leider nichts bemerkt. Sicht war bei ca. 5m. Viel Plankton, was halt auch die Wale in den Fjord zieht.
Kurze Pause in der Basis und nach einer Stunde ging es zum Strytan - dem Schlot, der von -65m bis auf -15m aufragt. Laut Erlendur war auch Bob Ballard begeistert von diesem Spot!
An der Leine ging es abwärts auf über 30m und dann rüber zum Schlot.
Hier jetzt bitte die Bilder auf www.strytan.is angucken!
Die Sicht war aktuell schlechter, aber die Massen an Fisch und diese einzigartige geologische Struktur sind einfach nur gigantisch! Dank Erlendur ist das Gebiet als erstes Meeresschutzgebiet Islands ausgewiesen worden und das merkt man auch. Die Schlieren die das heiße Wasser zaubert, die z.T. unglaublichen Größen der Tiere, der Wechsel von heiß und kalt - faszinierend!
Langsam schweben wir den Schlot umrundend höher und zu schnell ist der TG auch schon wieder vorbei.
Auf der Rückfahrt machen wir noch kleine Abstecher um den Buckelwal zu beobachten, der weiterhin auf Nahrungssuche umherkreuzt.
Fazit:
- ein eimaliges Erlebnis, welches das viele Geld wert war (immerhin hier 2 TG und individuelle Betreuung im Vgl. zu Silfra)!
- ein Basenleiter, der mit Herzblut bei der Sache ist und Ahnung hat.
- eine unglaubliche Tierwelt, fast zum anfassen (oder die Viecher fassen dich an)
- eine geologische Besonderheit, die bisher einzigartig auf der Welt ist
Was mich anfangs etwas gewundert hat, war die Tatsache, nur mit einer 1. Stufe zu tauchen. Aber mit genug eigener Kaltwassererfahrung merkte ich schnell, daß Erlendur gut aufpaßt und die Kontrolle behält.
Die Bedingungen sind sicher für Warmwasserurlaubstaucher gewöhnungsbedürftig. Trockierfahrung sollte man haben und Sichtweiten unter 10m sollte man kennen. 100 TG Erfahrung sind hilfreich, um die TG richtig genießen zu können. Wer deutsche Seen kennt (und mag) der wird hier kaum Probleme haben.
Es sind auch TG vom Strand der Basis aus möglich, z.B. für die Trockiausbildung.
Durch die Lage weit im Fjord war der Seegang völlig ok und ein bisschen Schaukelei im Schlauchboot gehört dazu.
Das Wetter war islandtypisch, wem´s nicht paßt, der muß 10 min warten, dann ändert sich das Wetter auch schon. Vor der Basis steht ein Whirlpool zum aufwärmen!
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blackdiverPADI Resc./ +2500 Tg

Die Insel Island liegt knapp unter der arktischen ...

Die Insel Island liegt knapp unter der arktischen Wendekreis im Nordatlantik. Dank des Golfstroms herrscht dort ein ausgewogenes, aber insgesamt feucht-kaltes Klima. Der Ruf von Island litt in der jüngsten Vergangenheit gleich mehrfach: die Banken- und Finanzkrise nahm dort 2008 ihren Anfang (Icesave Bank Landsbanki sind als nur ein Beispiel von vielen) und die Flugasche vergraute manchem Flugpassagier im April 2010 die Urlaubsfreude. Auch wettermässig hören wir wenig Gutes über Island, brechen doch alle Tiefdruckgebiete von dort über den europäischen Kontinent ein. Doch weit gefehlt: Island hat uns gepackt und süchtig gemacht.
Tauchen in Island wird all jene entzücken, die gerne Trockentauchen, das „Besondere Etwas“ suchen, beschränkte Urlaubszeit haben, Jetlag hassen, nicht endlos lange unterwegs sein wollen und zudem eine einmalige Landschaft erkunden möchten. All das vereinigt Island unter einem Hut. Eine 10-tägige Tour mit 12 Teilnehmern (neun aus D [wovon eine Nicht-Taucherin], zwei aus CH und einer aus F), begleitet von Leader Dani (Island), Helfer Luis (Botswana) und Chauffeur Steini (Island) führte uns vom 05. - 14.08.2010 an die schönsten Tauchplätze und Naturschauplätze der Insel. Rund 800 km legten wir auf dieser Rundreise zurück. Genächtigt wurde in einfachen, aber sauberen und zweckmässigen Gästehäusern; vom ausgedienten Altersheim bis zur ausgemusterten, aber fein säuberlich umgebauten ehemaligen Fischmehl-Fabrik war so ziemlich alles dabei. Die Unterkünfte verfügten meist über Etage-WC/Dusche, was jedoch ausreichend war. Tobias Klose von dive.is stellte als Touroperator die Tour zusammen; seine Gattin suchte die Übernachtungslokalitäten aus.
Positiv kann folgendes hervorgehoben werden: Die Tauchplätze halten, was sie versprechen (bis auf einen Patzer, den ich hier aber grosszügig übergehe …). Wir begannen die Tour mit zwei typischen Nordatlantik-Tauchgängen in Garður bei der Halbinsel von Reykjanes mit viel Fisch, Kelp und Makro-Sujets.
Anschliessend folgte ein heisser Spot im wahrsten Sinne des Wortes: geothermische Schwefelquellen im Kleifarvatn-See, wo die Erderschütterungen der Gräben am eigenen Leibe fühlbar und die ununterbrochenen Zischgeräusche hörbar waren.
Ein weiterer und vielleicht der Höhepunkt waren die Tauchgänge im Thingvellir National Park; der Tauchplatz dort ist bekannt unter dem Namen „Silfra“. Ein glasklares Süsswassererlebnis der besonderen Art, denn der See verläuft mitten durch die eurasische und amerikanische Kontinentalspalte. Die Spalte weist unglaubliche Sichtweiten von rund 40 m auf und ist durchsetzt mit zahlreichen Höhlen und Überhängen. Der Zeitpunkt des ersten Tauchgangs dort (am Ende der Tour folgte ein zweiter) war allerdings schlecht gewählt: wir tummelten uns in Heerscharen von asiatischen Schnorchlern, bei denen „Silfra“ für EUR 250.- (!) auf dem Tagesplan stand.
Ein weiters Highlight, das alles bisher Gesehenes in den Schatten stellte, war der grosse geothermische Kamin Strýtan bei Eyjaförður im Norden Islands. Bei besten Bedingungen und strahlendem Wetter präsentierte sich der Kamin, der aus rund 65 m Tiefe bis auf 10 m unter die Wasseroberfläche ragt, aus dem Schwefelgase und heisses Wasser ausquellen und der einem den Blick auf Finimeter und Tauchcomputer vergessen lässt. Die den Kamin umkreisenden Seelachse sorgen für eine einzigartige Stimmung. Unweit von Strýtan entfernt befindet sich ein kleinerer Kamin, dem wir spät nachmittags einen Besuch abstatteten: über dem ausquellenden Warmwasser waren Seehasen zu sehen, die sich darin sichtlich wohlfühlten. Daneben waren in fast jeder Spalte Seewölfe anzutreffen. Der nächste Tag war ebenfalls dem grossen Kamin Strýtan gewidmet, von dem wir nicht genug bekommen konnten. Den Abend genossen wir bei einer Salzfisch-Pizza vom Feinsten in unserer Unterkunft, einem ehemaligen Altersheim.
Der folgende Tag (10.08.) war mit langen Fahrzeiten befrachtet, denn die Tour führte nach Seyðisfjörður im Osten Islands, einem wunderschön gelegenen Ort an einem Fjord. Unterwegs tauchten wir in einer 4 m tiefen glasklaren Süsswasserspalte bei Ásbyrgi (ähnlich dem Tauchspot Silfra) und schnorchelten in einem geothermischen Fluss (18°C Wassertemperatur), aus dessen Grund warmes Wasser emporquillt und dessen Spalten zahlreiche Regenbogenforellen beherbergen.
Unterwegs bestaunten wir landschaftliche Sehenswürdigkeiten, so etwa den Wasserfall Dettifoss (den grössten Europas), den Wasserfall Seljalandsfoss (hinter dem man durchwandern kann) und den Mývatn See, ein Gebiet, das mit den Lava-Formationen in Dimmuborgir, den Pseudokratern in Skutustadir und den Schlammquellen in Namaskard als Naturwunder gilt. Erst nach Mitternacht erreichten wir Seyðisfjörður. Dort verbrachten wir zwei Tage und betauchten das Wrack „El Grillo“ (das nach dem Schiff benannte Bier schmeckt übrigens vorzüglich!). Es handelt sich um einen ca. 150 langen Britischen Öltanker, der im Februar 1944 von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg versenkt wurde. Das Austreten des Öls konnte erst 2002 restlos gestoppt werden. Das Wrack kann nur mit einem Schlauchboot erreicht werden; abgetaucht wird an einer Leine. Da das Schiff zwischen 28 und 45 m Wassertiefe liegt, sind lange Deko-Pausen vorprogrammiert. Von den vier Tauchgängen, die wir am Wrack unternahmen, waren jedoch zwei zu viel, denn es gibt in der Gegend sicherlich noch viel Interessantes zu entdecken. Doch ein lohnenswertes Ziel ist es aber allemal, denn der Tanker ist noch erstaunlich gut erhalten. Beide Abende in Seyðisfjörður waren der vorzüglichen italienischen Küche im Restaurant Skaftfell gewidmet.
Der nächste Tag war ohne Tauchen. Die lange Fahrt zurück entlang der Südküste war anstrengend, jedoch stets unterbrochen mit Zwischenhalten an imposanten Fjorden, der Traumbucht Dyrhólaós (Basaltwände mit unzähligen Säulen wie Orgelpfeifen nebeneinanderstehend) sowie an Wasserfällen und Gletschern (Gletschersee Jökulsárlón) bis Thingvellier, dem Endziel eines nicht enden wollenden Tages. Am letzten Tag besuchten wir den Wasserfall Gullfoss und die Geysire in Thingvellier. Am Nachmittag folgte als Abschluss dieser unvergesslichen Tour ein weiterer Tauchgang in der Kontinentalspalte Silfra - dieses Mal ohne asiatische Schnorchler. Total 14 Tauchgänge und ein Schnorcheltrip. Von den 11 tauchenden Gästen erlitten 9 [!] schweren Wassereinbruch in ihren Trockis und mussten teils das Tauchen einstellen.
Der missglückte Transport auf der rund 800 km langen Strecke muss leider negativ erwähnt werden. Das Fahrzeug war die Katastrophe schlechthin: kaputte Stossdämpfer, undichtes Dach und für die Verhältnisse (Bergstrassen und Naturpisten) ein viel zu schwacher Motor. Der IVECO-Kleinbus vermochte gerade mal die insgesamt 15 Passagiere ohne Gepäck zu befördern - mehr lag schlicht und einfach nicht drin. Trotzdem hängte der Veranstalter dive.is dem Bus einen Pferdeanhänger an, in welchem sich (wir haben es berechnet) ca. 1.5 Tonnen Fracht, bestehend aus Tauchflaschen, Tauchgepäck (inkl. Blei), Reisegepäck befanden - plus der Kompressor im Heck des Fahrzeuges. Auf der Fahrt über den Pass nach Seyðisfjörður kochte der Motor und wir mussten nachts den Weg zu Fuss gehen, damit es wenigstens Bus und Anhänger bis zur Passhöhe schafften. Nach der Abfahrt ins Tal glühten die Bremsklötze, was wiederholt zu ungeplanten und zeitraubenden Stopps führte. Die Rundreise sollte uns auch die landschaftlichen Reize von Island vor Augen führen. Doch die grösste Sorge dabei war: „Wie kommen wir unbeschadet von A nach B?“.

Fazit: Die Tauchplätze Islands überzeugen in jeder Hinsicht und bieten Höhepunkte, die kaum mehr zu überbieten sind. Dazu kommen die Highlights an Land, die man einfach sehen muss. Die Tour ist mit 10 Tagen Dauer gut bemessen; der Preis von EUR 1980.- pro Person (Basis: ZF; Tauchen; Transport; Flaschen; Blei; Stand: August 2010) ist angemessen, auch wenn die Nebenkosten nicht unterschätzt werden dürfen. Schade, dass der Veranstalter beim Bus bzw. Transport unnötige Risiken einging, was die Rundreise teils zur Zitterpartie werden liess. Die Begleitung war absolut professionell, freundlich und stets hilfsbereit. Ging ein Ausrüstungsgegenstand kaputt, konnte er fast immer irgendwie repariert werden. Über die Ursachen der leck geschlagenen Anzüge und Trockenhandschuhe kann nur spekuliert werden: war das schwefelhaltige Wasser schuld oder liegt der Grund im vernachlässigten Materialunterhalt … ?

Antwort von Tobias Klose, Tourmanager von dive.is, zu diesem Bericht:

„Die Negativerlebnisse bezüglich des Buses tun mir sehr leid! Es ist das erste Mal, dass wir einen Bus von ausserhalb für eine Tour geliehen haben und wir sind von der Busverleihfirma sehr enttäuscht. Als ich vor einigen Monaten zu der Firma gefahren bin um den Bus zu begutachten, war dies ein anderes Fahrzeug, grösser und stärker. Die Firma hatte nun kurzfristig Probleme, dieses Fahrzeug zu Verfügung zu stellen (aus welchen Gründen auch immer) und kam ohne Vorwarnung mit dem anderen Bus (am ersten Tag war es ja noch ein anderer, der dann ausgetauscht wurde). Wir haben im Nachhinein einige unbefriedigende Gespräche mit der Firma geführt und werden in der Zukunft nicht mehr mit dieser Firma arbeiten. Alles in allem eine sehr unschöne Situation, welche die Qualität der Reise beeinträchtigt hat und uns, den Touroperator, in ein schlechtes Licht rückt.“




Flunder


Anglerfisch


Butterfisch


Kleifarvatn-See, wo Schwefelgase und heisses Wasser aufsteigen.


Kontinentalspalte Silfra


Kontinentalspalte Silfra


Kontinentalspalte Silfra


Kontinentalspalte Silfra


Geothermischer Kamin Strýtan bei Eyjaförður


Geothermischer Kamin Strýtan bei Eyjaförður


Süsswasserspalte bei Ásbyrgi


Seljalandsfoss, der wohl schönste Wasserfall Islands


Basaltwände an derTraumbucht Dyrhólaós


Sonne, Wolken, Licht und Schatten - ein Verwirrspiel an Eindrücken


Die Anhängerkuppelung des IVECO in gefährlicher Bodennähe!

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Tauchen in Island: kalt, aber wunderschön.Über di ...

Tauchen in Island: kalt, aber wunderschön.

Über die Ostertage 2009 hat meine Familie eine wunderschöne Woche in Island – unberührte Natur mit Gletschern, Geysiren, Wasserfällen und viel Landschaft – erlebt.

Dazu gehörten auch zwei tolle Tauchtage, die wir vier – alle nach PADI OWD brevetiert- dem PADI Dive Center in Reykjavik unter der Leitung von Tobias Klose, einem deutschen Auswanderer, verdanken – vgl. www. DIVE.is –.
Am ersten Tauchtag hat Tobias uns und zwei schwedische Tauchfans mit seinem Tauchbus von der Tauchbasis in Reykjavik an die Atlantikküste bei Garður verfrachtet.
Garður (64o03’ 31.89’’N; 22o32’34.10’’W) liegt rd. 10 Kilometer nördlich vom Flughafen Kevlavik entfernt an der Spitze einer kleinen Halbinsel. Nach einem ausführlichen Briefing und bei knackigen Außentemperaturen knapp über Null haben wir uns in die Trockis der Tauchschule – erstklassiges Material – eingekleidet. Mit fertigem Equipment ging es dann zügig entlang am sicheren Pier einer Fischfabrik ins Wasser (Wassertemperatur lt. Computer: 5o C). Ein toller Abstieg in das klare Wasser mit Sichtweiten um 10 m machte die Kälte schnell vergessen. Unser erster Tauchgang dauerte knapp 45 Minuten lang und führte in Tiefen von 5 – 10 m. Wir trafen ein gesundes Meeresleben auf Vulkangesteinböden mit reichlich Kelpflora, vielen Seesternen und Krabben und einigen für uns neuen Fischarten – davon einige „Plattfische“ - an. In der Tauchpause brachte Tobias mit heißem Tee und Kakao unsere Lebensgeister wieder auf Vordermann.

Unser zweiter Tauchgang – Dauer ebenfalls eine Dreiviertelstunde bis in Tiefen von 12 m – erfolgte in dieselbe Umgebung, wobei wir jetzt der steilen Küstenwand mehr Aufmerksamkeit widmeten. Das wurde sehr belohnt. Wir sahen vorbeihuschende Schwärme von Meerbarschen und einen wachsamen Wolffisch in seiner Tageshöhle. Tobias machte uns aufmerksam auf die in gelben und roten Farben leuchtenden Korallen an der Küstenwand. Und darauf sahen wir – für uns völlig unerwartet – mehrere kleine Nacktschnecken in wunderbar zarten und hellen Farben. Das hätten wir im Atlantik nicht erwartet.

Unser nächster Tauchtag fand in einem ganz anderen Revier von Island statt. Tobias Klose und sein südafrikanischer Divemaster Luis brachten uns – zusammen mit einer Norwegerin, einem Kanadier und einem Holländer als weiteren Tauchbegeisterten nach einer einstündigen Busfahrt von Reykjavik in den Thingvellir-Nationalpark. Dort empfingen uns bei Silfra (64o15’14.97’’N; 21o07’38.81’’W) mit Neuschnee bepuderte Mittelgebirge und eine Süßseelandschaft, die sich aus den kristallklaren Schmelzwassern des Langjökull-Gletschers speist. Das Wetter entwickelte sich für uns prima: nach anfänglichen 2oC kam die Sonne zum Vorschein und begleitete uns den ganzen Tag.
Nach einem kurzen Besuch des nahegelegenen Nationalpark-Informationszentrums wurde uns schnell klar, dass wir uns hier auf einem historischen und geografisch einmaligen Gelände bewegten:
Historisch: in Thingvellir entstand im 9. Jahrhundert die erste europäische Demokratie in Form eines alljährlich zusammentretenden Parlaments der damaligen isländischen Bewohner (Wikinger).
Geografisch und erdgeschichtlich: genau dort an unserem Tauchplatz in Silfra verläuft die Grenze zwischen Amerika und Eurasien. Hier – tief im seenbedeckten Untergrund – reiben sich die Kontinentalplatten der Kontinente und driften jährlich mit ca. 2 cm auseinander. Wow: genau hier an der vulkanisch aktiven Bruchkante der Kontinente sollten unsere nächsten beiden Tauchgänge stattfinden.

Tobias Klose ging mit uns zunächst zu Fuß zur Einstiegsstelle – die für Taucher seit einigen Monaten über eine stabile Einstiegsplattform verfügt - und gab uns dort sein Briefing.
Dann wieder zurück zum Tauchbus und die Trockis anlegen. Dann 300 m zurück mit „vollem Gepäck“ zum Einstieg. Und rein ins Wasser. Und Augen auf: wir sind in einer einmalig schönen UW-Welt mit nie zuvor erlebter Weitsicht.
Wir schweben in Tiefen von bis zu 10 m durch enge Schluchten der steil aufragenden, dunklen Felswände aus Vulkangestein: links Europa, rechts Amerika. Das Wasser leuchtet in blauen und grünen Farbtönen. Die Sicht geht über 80 m voraus.
Am Ende unseres rd. 30 minütigen Tauchgangs gelangen wir in eine flache Lagunenlandschaft mit neuen gelblich-grünen Farbtönen. Wir sind überwältigt. Fische und Pflanzen gibt es dort nicht, aber das Auge kann sich satt sehen an den immer neuen Gesteinsformationen und tiefen UW-Gebirgsschluchten.
Auch der zweite Tauchgang ging nach einer guten Aufwärmpause in dieselbe Richtung. Dieses Mal nur etwas tiefer (so bis 20 m). Mit zwei kleinen Gruppen streiften Tobias und Luis tiefer durch die Schluchtenwelten. Die blauen Farben wurden dunkler als wir in Seitenschluchten tiefer eindrangen und unter Felsbrücken durchtauchten. Am Ende des zweiten, ebenfalls gut halbstündigen Tauchgangs fanden wir wieder zur Lagune zurück und genossen in dem klaren Süßwasser abschließend unsere Schattenbilder auf dem Seeboden.

Zusammengefasst: es waren tolle und eindrucksvolle Taucherlebnisse. Sowohl im Meer vor Island als auch - wegen der besonderen „Fernsicht“ - im binnenländischen Süßwassersee bei Silfra.

Die internationale Atmosphäre und Lockerheit, die bei allen Tauchpartnern der beiden Tauchtage bestand – Englisch war Pflichtsprache – hat uns ebenfalls sehr gut gefallen.
Erwähnen müssen wir nicht zuletzt auch die übrige Organisation unseres Islandaufenthaltes durch die Tauchschule: Thorunn, Tobias Klose’s isländische Frau, ist eine Touristikfachfrau. Für uns, die wir das erste Mal Island bereisten und von Deutschland aus wenig Überblick über die touristischen Möglichkeiten bekamen – außer, dass das Leben in Island ziemlich teuer sein kann - hat sie ein kleines Reiseprogramm rund um die Tauchtage zusammengestellt: mit preiswerten Unterkünften (in Gästehäusern und Landhotels), einem Mietwagen, um den isländischen Süden zu erkunden, und einem Plan für die zeitlich für uns machbaren touristischen Highlights von Island (z.B. Blaue Lagune, Golden Circle Trip, Gullfoss, Skogarfoss und andere gigantische Wasserfälle, Vatnajökull-Gletscher und Jökulsárlón). Wenn man bedenkt, dass alleine die Flugkosten rd. ein Drittel unseres Urlaubsbudgets ausmachten, dann waren die Gesamtkosten der Woche von 1.100 Euro pro Person – inkl. Tauchtage - für die Islandreise eine klasse Investition, die Lust auf mehr Island macht.
Ein paar Bilder unserer Tauchtage anbei für euch.


Wolffisch (im Meer vor Garður/Island)


Nacktschnecke (im Meer vor Garður/Island)


Seeteufel(chen) (im Meer vor Garður/Island)


Silfra-Lagune (Thingvellir-Nationalpark)


Silfra–Flacher Bereich (Thingvellir-Nationalpark)


Silfra–Schlucht (Thingvellir-Nationalpark)

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