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Bewertungen(18)

ZentaucherCMAS**480 TGs

Meist einsames Tauchen

Nun waren wir gerade zum dritten Mal auf Curaçao. Unser gewohnter Reiseveanstalter hatte bei der ersten Anfrage abgewunken: Ach, easy diving, das ist doch nichts für euch. Wir sind trotzdem hingeflogen, weil uns das unabhängige Drive+Dive enorm reizte. Da wir nicht ins Touristenghetto Jan Thiel und auch nicht mit Air Berlin fliegen wolltten (wie recht wir hatten - sie sind kurz drauf hops gegangen), haben wir uns einen ganz günstigen KLM-Flug ergattert und wunderten uns schon mal, wie unglaublich freundlich und gut gelaunt die Crew alle während des langen Flugs umsorgt hat. Das hat sich bei allen weiteren Reisen nach Curaçao auch noch wiederholt!!
In Curaçao hatten wir ein privates Ferienhaus entdeckt, dessen (deutscher) Besitzer Tauchlehrer ist, selber Flaschen sehr gewissenhaft füllt (IMMER 215 Bar) und die Tauchplätze alle dermaßen gut kennt, dass wir mit seinen Tipps zu sehr schönen Taucherlebnissen gekommen sind. An Plätzen, wo sonst keiner taucht. Die Korallenvielfalt ist an einigen Tauchplätzen nicht gerade wie in Sulawesi oder an den Similans, aber doch auch ganz schön reichhaltig. Wer gewohnt ist, in Gruppen zu tauchen und sich von den Tauchguides immer alles servieren zu lassen, wird allerdings beim Tauchen auf eigene Faust erstmal wenig entdecken. Dazu gehört schon Übung.
Wir haben reichlich Langusten und Hummer gesichtet, Stachelrochen, White-tip (!) und andere Octopusse, immer wieder zutrauliche Kalmare, die sogar beim Nachttauchgang mit unserer Lampe gespielt haben, Adlerrochen,sehr viele Drachenköpfe, hin und wieder Salatschnecken, viele Muränen, an Port St. Mari sogar mal eine mindestens 3 m lange grüne, der wir 10 Minuten lang erfolglos hinterhergeschwommen sind. An Playa Grandi natürlich immer garantiert Schildkröten. Leider hat die Tourismusbranche inzwischen diesen Platz entdeckt. Täglich ab 10 Uhr werden Busse voller Schnorchler dort entladen. Die füttern die Schildkröten nicht nur, sondern fassen sie an und quälen sie auf kindische Art. Wenn man dort tauchen will, sollte man spätestens um 9 Uhr ankommen, dann kriegt man auch noch einen Parkplatz in der Nähe des Hafens, wo man sich am Auto umziehen kann. Mittlerweile gibt es sogar einen kleinen Strand mit Schirmen und Liegestühlen, aber ich finde, dass das Ambiente des kleinen Fischerhafens dadurch nicht mehr authentisch wirkt. Irgendwann werden die Liegestuhlsitzer sich über den Fischgeruch beschweren, dann wird auch dort die snythetische Bacardiwelt hergestellt, die schon allenthalben grassiert.
Das Schöne ist aber, dass man nur sehr wenige andere Taucher sieht. Und die stören überhaupt nicht. Man tauscht kollegiale Tipps aus und kommt sich nicht ins Gehege.
Mallorca, das hier mit Curaçao verglichen wurde, sollte man erstens nicht mit der Klischeebrille betrachten. Es gibt dort durchaus viele stille, schöne Plätze, wo die halbtoten Saufköpfe gar nicht hinkommen. Und mit Curaçao kann man es übehaupt nicht vergleichen. C. ist viel viel weniger touristisch als z.B. Martinique oder Guadeloupe oder DomRep etc. Wir Gäste sind dort immer noch in der Minderheit. Zumindest die, die auch auf der Insel übernachten. Von den Kreuzfahrtschiff-Heuschrecken, die in Willemsbad einfallen, shoppen, Eis essen, Kaffee trinken und dann wieder auf ihr Schiff entschwinden, sieht man auf der übrigen Insel nicht viel. Manche machen eine Sightseeing-Rundfahrt, sehen viel und erleben nichts. Hoffentlich langweilen sie sich und kommen nicht wieder.
Curaçao hat aber auch über Wasser was zu bieten. Am Tauchplatz Marie Pompoen gibts ein Fischrestaurant mit einem umgebauten alten Bus als Küche und Theke, da gibt es unglaublich leckeren Lionfisch (der wird rund um die Insel eifrig gefangen, weil er ein unerwünschter Einwanderer ist, der die Unterwasserfauna durcheinanderbringt) zu durchaus akzeptablen Preisen. An der Playa Forti hat man von der Restaurantterrasse einen derart malerischen Blick über die Bucht, die noch nicht vom Tourismus verschandelt wurde, dass man sich den FIlem ins Hirn brennen möchte. Die beiden "Nationalparks" kann man sich schenken; sie kosten viel und zeigen nichts, was man nicht woanders kostenlos erleben könnte:
Z.B. ganz an der äußersten Nordwestspitze. Da liegt Watamula, mit vielen Gischtsäulen aus spektakulären Trichtern und Kesseln, das ist richtig schön. Aufsehen erregend ist die Emma-Bridge, die in voller Länge zur Seite geschwenkt werden kann, wenn große Schiffe in die Bucht hineinfahren müssen. Die einzige Brücke der Welt mit diesem System. Hübsch ist die farbenfrohe Häuserreihe an der Wasserfront, sind die von einem Künstler in der Innenstadt von Willemsbad gestalteten riesigen Wandreliefs mit tropischen Vögeln und Reptilien. Faszinierend ist besonders der Karnevalszug, der sich am Fastnachtssonntag und -dienstag ungeheuer farbenfroh und mit fantastischen Kostümen stundenlang durch die ganze West-Stadt schlängelt. Viele, die schon in Rio waren, sagen, der in Curaçao sei besser. Angeblich ist jeder farbige und jeder zweite europastämmige Einwohner Mitglied eines Karnevalsclubs.
Wir tauchen sehr gern immer wieder an Plätzen, die wir schon kennen. Man entdeckt immer wieder was Neues und lässt sich überraschen. Deshalb tauchen wir auch imer wieder beharrlich in Dahab. Und in Curaçao waren wir bestimmt auch nicht zum letzten Mal.