30 Jahre Wakatobi Dive Resort
Ich bin nun zum 4. Mal dort und es ist das erste Mal, dass ich keine 5 Sterne vergebe. Liegt es am Tauchen? Nein. Wakatobi hat einige der schönsten Tauchplätze, die ich je gesehen habe und der Tauchservice ist unvergleichbar. Wer sich über mangelnden Großfisch beklagt, sollte sich vielleicht vorher erkundigen, hier ist primär Makro und Riff- bzw. Schwarmfisch angesagt. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier Weißspitzenriffhaie, Delfine und Rochen, die sind allerdings Glücksache - im Gegensatz zu Schildkröten, die man quasi immer antrifft. Die Korallen sind (noch) intakt und die Riffe wunderschön. Liegt es am Resort? Auf keinen Fall. Der Staff ist der professionellste, freundlichste und liebenswerteste, den ich jemals irgendwo erleben durfte. Service und Essen sind makellos. Der Palmbungalow in der einfachsten Kategorie bietet alles, was man benötigt und ist tadellos sauber. Geht etwas kaputt, wird es sofort repariert. Warum einen Stern Abzug? Nun: Tatsächlich hat mich auch eine Kleinigkeit beim Tauchen gestört, das ist aber eher nebensächlich. Ich wollte spontan einen Fluo-Dive machen, der vom Resort explizit angeboten wird. Das Resort verfügt auch über Gelbfilter für die Tauchmasken, nicht jedoch für die Kameras. Nicht einmal gelbe transparente Folie zum Zurechtschneiden war vorhanden. Für ein Resort, das extra auf Unterwasserfotografie ausgelegt ist, ein echtes Manko. Das wäre mir aber in der Gesamtschau bei der gesamten Serviceleistung bei weitem keinen Punktabzug wert gewesen. Wakatobi hat neuerdings aber ein großes anderes Problem, für das sie direkt nichts können: Licht zieht leider Motten an. Nachdem Lorenz Mäder quasi im Alleingang vor 30 Jahren das Tauchressort inklusive Riffschutzprogramm für Riffstrecken von zig Kilometern ins Leben gerufen und dort inzwischen mehrere hundert Menschen in Lohn und Brot gebracht hat und man die Pandemie ohne Qualitätseinbußen überlebt hat, kommt es leider durch die Erstarkung der Region zu einer übermäßigen Bevölkerung der Hauptinsel mit all ihren Problemen: Zum einen sind inzwischen die ersten lokalen Billiganbieter für's Tauchen dort aus dem Boden geschossen, über deren Qualifikation, Sicherheit und vor allem über deren Sinn für den Riff- und Umweltschutz ich mir leider kein fundiertes Bild, sondern nur plausible Vermutungen machen kann und die ich persönlich als störend empfinde. Wir sind einmal an einem geplanten Tauchplatz vorbeigefahren, weil dort ein Boot eines "lokalen Anbieters" lag. Jahre lang war das Wakatobi Dive Resort einziger Anbieter der Region und das war auch gut so - vor allem für die Umwelt. Viel schlimmer ist aber, dass die Jugend dort rücksichtslos ist und nicht klug genug, zu begreifen, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißen sollte. Zum allerersten Mal habe ich auf Wakatobi in 3 von 10 Nächten nur mit Gehörschutz schlafen können, weil von der Hauptinsel bis spät in die Nacht Bässe herüberdröhnten (Fr., Sa. und Mi.). Dafür kann das Resort nichts, es ist aber trotzdem eine Zumutung für den Ruhesuchenden, der für den Aufenthalt im vermeintlichen Paradies sehr viel Geld bezahlt. Wenn man pro Nacht Hunderte von Dollar ausgibt, erwartet man auch eine ungestörte Nachtruhe, die es dort früher einmal gab. Das Resort ist toll, die Menschen, die dort arbeiten sind toll, das Konzept ist toll und ich wünsche allen Beteiligten nur das Beste. Wenn man aber die neuen Probleme der Region nicht in den Griff kriegt, sehe ich für die mittel- bis langfristige Zukunft des Archipels schwarz. Und das würde mir unendlich leid tun.