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dany_und_svenPADI DM500 TGs

Nach einigen Ausflügen in korallenreiches Warmwas ...

Nach einigen Ausflügen in korallenreiches Warmwasser mit exotischen Speisen und horrenden Transferzeiten zog es uns doch einmal wieder in eine Gegend, in der man nicht ständig mit zu großen Geldbündeln herumhantieren muss, auf denen man nicht einmal den aufgedruckten Wert erkennen kann. Nur wohin?
Kroatien hatten wir schon mehrmals. Auch den übrigen Mittelmeerraum wollten wir diese Mal auslassen. Da wären für Menschen, die nicht unbedingt im Trocki abtauchen wollen, nur noch die Azoren, Kanaren oder Madeira interessant.
Madeira erschien uns auch bei einem genaueren Blick auf die Möglichkeiten über Wasser sympathisch, da wir zwischen den Tauchgängen auch gerne etwas an Land unternehmen und andere Reiseberichte immer auf die Schönheit der Landschaft aufmerksam machten.
Wir buchten einen Flug, ein Apartment und ein Auto, um flexibel zu sein. Bei der Suche nach einer Bleibe hat uns Felix von Garajau-Diving nach kurzem Mailkontakt schnell weitergeholfen. Transfer und Fahrzeugübernahme waren unproblematisch und nach 20 Minuten Fahrzeit vom Airport Funchal standen wir vor der Basis. Diese ist in eine 150 Meter, wie von einer Klinge abgetrennten Steilwand gebaut. Blickt man nach oben, und einige Wolken ziehen vorbei, hat man beinahe den Eindruck, diese Wand stürzt auf den Betrachter herab. Davor liegt das Hausriff von Garajau-Diving, im Herzen des Garajau Marine Parks.
Die Basis ist ausgerüstet mit 10, 12 und 15 Liter Stahl Tanks mit DIN Anschluss (INT-Adapter waren, soweit ich es mitbekommen habe vorhanden) und ausreichend Leih-Equipment. Nitrox gibt es noch nicht, eine Anlage ist aber für 2012 in Planung.
100 Meter neben der Basis befindet sich die Talstation einer Seilbahn, die Badegäste zur Bucht befördert, denn im Sommer ist die Bucht für Fahrzeuge gesperrt.
An die Station angeschlossen ist ein kleines Restaurant, in dem man zwischen den Hausriff-Tauchgängen für wenig Geld gute Mahlzeiten serviert bekommt und somit auch für das leibliche Wohl gesorgt ist.

Zum Tauchen:

Madeira liegt im Atlantik, und das Tauchen hier ist teilweise etwas anspruchsvoller als zum Beispiel im Roten Meer. Viele Spots werden vom Boot aus betaucht und bei einigen unserer Dives gab es eine starke Strömung, die gute Planung voraussetzte.
Die Spots sehen unter Wasser ähnlich aus wie die Küstenlinie: Schroffe, riesige Felswände und hausgroße Blöcke prägen die Landschaft und man meint, sich eher eher auf einem Gebirgspfad als unter der Meeresoberfläche zu befinden. Schroffe Felsen mit scharfen Kanten und tiefen Rissen prägen das Bild. Neben Schwarmfischen, Lippfischen, Seeigeln und einigen Makrelen wird der von korallenreichen Gewässern verwöhnte Taucher kaum auf bunte Vielfalt stoßen. Nur in tieferem Gewässer gedeihen hier überall Schwarze Korallen. Die Felsformationen und die Spannung bei den Dives entschädigen jedoch für den Mangel an Farbe. Es besteht hier immer die Chance, mal „etwas Größeres“ vorbeiziehen zu sehen. Oft sollen Mantas gesichtet werden und wir begegneten bei einem Hausriff-Tauchgang sogar eine Mönchsrobbe.
Anders als die leider überfischten, außerhalb des Marine Parks gelegenen Spots steht es da um das Hausriff selber. 30 Meter vor der Basis liegt der Spot inmitten eines Schutzgebietes, das seit vielen Jahren von der Fischerei verschont geblieben ist. Auch nach 14 Tauchgängen in der Bucht gab es immer noch Neues zu entdecken. Grosse Brassen-Schwärme stehen im Schatten der Blöcke auf etwa 25 Metern Tiefe. Alle 20 Meter werden wir von riesigen Zackenbarschen beäugt. In den Spalten leben Muränen und über allem kreisen Barakudas und Makrelen. Ein großer Schwarm Sardinen dient als Speisekammer und sucht Schutz in der Nähe der Taucher. Wenn man sich kurz ruhig verhält, beginnen die Jäger in die Traube Sardinen zu stoßen. Von einer Seite Kommen 30-40 Makrelen, oben drehen die Barakudas ihre Runden und zwischen allem der König der Bucht: Elvis. Ein handzahmer Zackenbarsch, der während seiner Runden durch sein Revier immer wieder einen neugierigen Abstecher zu uns Tauchern macht, um vor der Kamera zu posen.
An diesem Spot haben sich einige große Felsen so verkeilt, dass kleine Schluchten und Höhlen entstehen. Hier ruhen 2,50 durchmessende Stachelrochen und lassen sich von den Tauchern nicht aus der Ruhe bringen.
Die Bedingungen in der Bucht können sehr schnell von „ruhig mit guter Sicht“ zu „Strömung und im Flachwasserbereich Sichtweite unter 2 Meter“ wechseln, daher empfiehlt es sich, einen Kompass dabei zu haben. Hat man erst einige Tauchgänge gemacht, ist die Orientierung kein Problem mehr, und man findet selbst in der dicksten Suppe wieder ans Ufer.
Nach den Tauchgängen sind die Jungs von der Basis (Felix und Duarte) immer für Fragen und Tips offen. Auch in Bezug auf die anderen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen der Insel haben sie uns mit einem Lachen nach ihrer Aussage „es sei auch auch ein Fehler hier nur zum Tauchen herzukommen“ gerne weitergeholfen.

Sie selber bieten Ausfahrten zu den Desertas an, einer kleinen unbewohnten Inselgruppe 3 Bootstunden von Madeira entfernt. Auf dem Weg sieht man regelmäßig Delfine und Wale. Beim Tauchen bei den Inseln trifft man auf Fischreichtum und eine kleine Kolonie Mönchsrobben. Leider mussten wir unseren Ausflug dorthin absagen, da die Wetterbedingungen für eine Überfahrt zu schlecht waren.

Die etwas stürmischeren Tage haben wir dann damit verbracht, die Insel zu erkunden. Und auch an Land, ähnlich wie beim Tauchen war schnell klar: Madeira ist anders. An einem Tag der mit Sturm, Nebel und Regen bei 16 Grad beginnt, kann nach 30 Minuten plötzlich die Sonne durch die Wolken brechen und erbarmungslos auf zwei komplett falsch bekleidete Wanderer herab braten. Nicht nur das Wetter, auch die Landschaft verändert sich nach jeder Kehre. Die Strasse die erst durch belebte Ortschaften führt, deren Häuser sich an jeden halbwegs stabilen Fels zu klammern scheinen, führt durch Bananenplantagen und Weinreben in einen Bergwald aus gewaltigen Eukalyptus Bäumen. in engen Kurven weiter durch Pinienwälder auf eine Hochebene, auf der man kilometerweit nichts als Gras zu Gesicht bekommt. Die Ebene bricht plötzlich ab und die Strasse führt an senkrecht abfallenden Wänden durch Tunnels und über schwindelerregende Brücken in Nebelwälder bewachsen von Lorbeerbämen, Farnen und den scheinbar jedes freie Stück Waldboden einnehmenden Blumen aller Art. Das alles in nur 20-25 Kilometern.

Erwähnenswert sind auch die für Madeira typischen Levadas, ein Bewässerungssystem das die gesammte Insel umspannt, und deren Wartungswege sich hervorragend zum Wandern eignen. Die Wege sind leicht zu begehen, nur Schwindelfrei sollte man sein. Teilweise fallen die Wände neben einem 30 cm breiten ungesicherten Pfad erschreckend weit in die Tiefe.

Der Gipfel des Pico do Arieiro ist der Ausgangspunkt für eine ca. 5 Stündige Wandertour, die man unbedingt mitnehmen sollte, wenn man sich nicht von 750 Metern Höhenunterschied abschrecken lässt. Der Weg führt hier teilweise über so schmale Grate, dass man sowohl links als auch rechts des Weges hunderte Meter in die Schluchten blicken kann. Vorher sollte man jedoch unbedingt einen Tag Pause vom Tauchen einlegen, da die Wanderung auf knapp 2000 Höhenmetern startet.

14 Tage genügen nicht diese kleine Insel unter und über Wasser genügend zu erkunden! Wer ein Urlaubsziel sucht, das er in nur knapp 5 Flugstunden erreichen kann und für das er keine Währungsumrechnungstabelle mitschleppen will, Madeira ist die Reise wert!

Eines noch zum Schluss: Die Bankautomaten auf der gesamten Insel spucken nur 2 mal innerhalb von 24 Stunden 200 Euro aus. Ihr solltet also rechtzeitig damit anfangen, Die Kohle für die Tauchgänge abzuheben, oder einfach genug Bargeld mitnehmen. Es ist zwar Europa, aber eben doch ein wenig anders.


Felix und Elvis am Hausriff


Ein Spot am Südzipfel der Insel


Sonnenuntergang am Pico do Arieiro


Ein Schritt nach vorne und hundert Meter nach unten .


Brassen-Schwärme am Garajau Hausriff


Ruhende Stechrochen in den Höhlen


Über Wasser, auch Wasser. Levadawanderung an einem windigen Tag


Und noch ein Schwarm am Hausriff