Armins Diveteam, Phuket (Inaktiv)

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Eigentlich fing´s ja mies an: Hotel gebucht, Best ...

Eigentlich fing´s ja mies an: Hotel gebucht, Bestätigung bekommen, danach Flüge gebucht.
Am nächsten Tag: Hotelreservierung fehlgeschlagen, Flüge im Gepäck, aber kein Dach über dem Kopf.
Buchen = Fluchen. Aber kräftigst und lästerlichst.
Sylvia war die Retterin in der Not: Zweimal kurz den sprechenden Knochen genutzt, Übergangsnächtigungssmöglichkeit in ´Ao Sahne´ ohne ´h´ festgemacht und ab in den Emirates-Flieger (geniales Bord-Unterhaltungssystem).
Sylvia sammelte uns auch am Flughafen ein (trotz einer Stunde Billigfliegerverspätung - bei 4 Euro (ja VIER EURO) Flugpreis (leider nur zwischen Bangkok und Phuket) ist das wohl akzeptabel). ;)
Ab mit dem ´Chicken Express´ (offener Thai-Laster) durch´s nächtliche Phuket - ein vertrauter Anblick seit unserem ersten Urlaub in Thailand) und gen Ao Sane.
Die Strandbungalows sind ´einfach und zweckmäßig´ eingerichtet. Über diese Formulierung stolpert man immer wieder in Reisebroschüren. Nun bekamen wir am eigenen Leibe zu spüren, was das nun wirklich bedeutet: Keine Klimaanlage (dafür ein Tischventilator), kein warmes Wasser zum Duschen, kein Klopapier (aber der in Thailand übliche Reinigungswasserschlauch verrichtete seine Tätigkeit nach der Verrichtung perfekt und erheblich hygienischer als die Zellstoff-Äquivalente), ziemlicher nächtlicher ´Krach´ (kein echter Lärm - das Meer ist bei Flut einfach keine 5 m entfernt und legt sich beim Rauschen mächtig ins Zeug).
Viele spannende Infos durch Sylvia am ersten Abend, danach die erste Nacht im einfach und zweckmäßig eingerichteten Bungalow. (Erster Gedanke beim Betreten: Auweia; morgen schnell ´ne Luxusherberge suchen).
Nachdem uns der erste Morgen graute, sah die Welt schon ganz anders aus. Das erste Essen im Ao Sane-Restaurant, genossen auf Plastikstühlen direkt am Strand. Erste Zweifel an der Qualität des Essens – nach dem Essen gab es keine Zweifel mehr. Sowas von gut und lecker – und fast schon peinlich günstig. Wie auch die Bungalows; den Preis mag jeder selbst herausfinden – ich sage nur: Spottbillig. Im Endeffekt konnten wir fast sämtliche Tauchausgaben durch die Einsparungen beim Zimmerpreis finanzieren.
So mag es nicht verwundern, dass wir einfach an Ort und Stelle blieben. An die Einfachheit der Einrichtung hat man sich schnell gewöhnt, der eine oder andere neidische Seitenblick auf ´5-Sterne-Yuppies´ wie Master Klaus und Ich-will-S...-Manuela (hihi) blieb natürlich – aber wir wollten unsere kleine Hütte nach kurzer Eingewöhnungszeit um keinen Preis gegen einen Luxusbunker tauschen.
Gleich am ersten Tag gelang Sylvia etwas, was wir in mehreren Urlauben nicht geschafft hatten – sie löste das ´Kontaktlinsenproblem´ meiner Freundin Stephanie und nahm ihr die Angst vor dem Fluten der Maske. Ich staunte nicht schlecht: Mein mehrwöchiges Versagen im Vergleich zu wenigen Stunden hilfreicher ´sylviatischer´ Tipps und kleinen Übungen, die letztendlich zum Erfolg führten.
Mein erster Tauchgang fand gleich am Hausriff statt – in Begleitung der unbeschreiblichen Barbara, die wie eine Schweizerin klingt, weil sie aus Österreich stammt.
He, Barbara: Dir hätte ich gerne noch Tschüss gesagt ! ;)
Sicht ok, an den nachfolgenden Tagen leider nicht mehr. Fürchterlicher Kampf mit den Tücken des Tauchens nach drei Jahren Pause.
DiveMASTER Barbara (sie weiß schon, warum ich den MASTER in Majuskeln schreibe, hihi) erfüllt in erster Linie die Aufgabe ´Drachenkopf-Detektor´: Egal, wo so ein Biest herumgammelt, sie sieht´s. (Böse Zungen behaupten, dass sie die Drachenköpfe am Ao Sane-Hausriff angenagelt hat, um sie jederzeit problemlos wiederzufinden und Tauchanfänger wie mich schwer zu beeindrucken.) ;)
Entspanntes Tauchen, witzig, ruhig, schön. Mach mir noch mal die Nacktschnecke, Barbara. :D
Jens betritt die Szene, netter Körper. Und eine Seele von Mensch darin. Jens ist so ein Typ, den man auf Anhieb mag. Ich zumindest. Locker, natürlich, freundlich und hilfsbereit.
Mit Jens verbindet mich offenbar eine Art Seelenverwandschaft: Er verschusselt fast alles, ich lasse fast alles irgendwo liegen. Wie meinen nagelneuen 5 mm-Nassanzug, den ich klugerweise zu Hause in Deutschland vergessen hatte. Wie meine Handtücher. Da liegen sie gut... Übrigens, Jens: Der Octopus ist DAS GELBE !!
Bei der Abreise ließ ich dann prompt– quasi als Ausgleich – meine dicke Winterjacke in Ao Sane liegen und fror mir bei der Ankunft in Dusseldoof so ziemlich alles ab, was abfrierbar war.
Weitere Tauchgänge, immer wieder lockeres Beisammensein im Restaurant. Ich fraß wie ein Scheunendrescher. Sowas von lecker ! Sagte ich bereits, oder ? – Kann man nicht oft genug sagen. ;) Tipp: Nummer 50 (oder war’s 51 ?) – Huhn mit Cashewkernen. Für den Hartgesottenen: ´Day curry´. Hier wird Schärfe neu definiert. Tränen fließen, Nase läuft und Schweiß bricht aus: Nur so schmeckt´s. ;)
Nach wenigen Tagen hatte ich ein absolut sicheres System entwickelt, um Taucher von Normalsterblichen zu unterscheiden: Der gemeine Taucher raucht wie ein Schlot, futtert wie eine siebenköpfige Raupe (Jens futtert wie eine achtköpfige) und ist etwa den halben Tag lang mit Lachen beschäftigt.
Die besondere Wichtigkeit des Deko-Bieres hinsichtlich des ordnungsgemäßen Taucher-Gesamtzustandes wurde mir obendrein anschaulich erklärt. Ein gewisser ´Bubblemaker´ verdiente sich in ehrlicher Mühe den Titel ´Dekobier-Master´. ;)

Ein weiteres Wunder aus dem Hause Sylvia: Die Wasserfahrzeugphobie meiner Freundin war nach dem dritten Bootsausflug verschwunden. Da war ich platt und habe mich so richtig gefreut. Und sie auch.

Absolutes Highlight: Shark Point und Koh Doc Mai. Leopardenhai am Shark Point im Geleitzug mit mehreren Kielwasserfischen, fast unirdisch schöne Unterwasserlandschaft wie aus der „20,000 leagues under the sea“-Erzählung von Jules Verne, Farben, Formen, Kugelfische (in die Schwarzflecken-Kugelfische habe ich mich fast verliebt, die sind SO süß), ein Wasserfall aus Tausenden von winzigen Fischen an der Steilwand von Koh Doc Mai.
Dazu kam die Entdeckung einer versunkenen Schatzkiste durch Master Klaus (hehe) und mich bei Koh Man, die sich dann später wohl doch als alte Bootsbatterie entpuppte. Also, Klaus: Ich bin ja immer noch fest davon überzeugt, dass das doch ne Schatzkiste war, jawoll ! ;)

Ich habe viel gelernt: Ich mag nicht tief tauchen. Sylvia konnte mir mehr als deutlich demonstrieren, dass bereits in etwa 30 Metern Tiefe ein Großteil meines Denkapparates nicht mehr so richtig funktionieren mag. Der Tieftauchgang gefiel mir anfangs also ganz und gar nicht. Obwohl da diese Rotzahn-Drückerfische (heißen die so ?) herumdümpelten, die man einfach gesehen haben muss. Aber das absolut überirdischste Erlebnis der letzten Jahre hatte ich beim Aufstieg: Blau. Einfach nur blau. Überall. Schwerelos im Nirgendwo. Plötzlich das Auftauchen eines „Torpedos“ aus dem blauen Nichts: Eine große Qualle, die genau in unsere Richtung unterwegs war, so dass der „Schirm“ wie die Spitze eines Torpedos erschien. Fixpunkt in der blauen Unendlichkeit, pychedelisch-surreale Bilder, die ich nie vergessen werde. Göttlich und wunderschön, wenn auch für Viele bestimmt nicht nachvollziehbar.
Ein weiteres Erlebnis: Das Auftauchen nach dem Steilwandtauchgang bei Koh Doc Mai: Durchbrechen der Wasseroberfläche, warme Sonnenstrahlen auf der Haut. Jacket aufgeblasen, auf den Rücken gelegt, die Bilder der „Wasserfälle“ aus Tausenden von Fischen noch vor Augen, gestreichelt von der warmen Kraft der Sonne, wohlgefühlt wie der glücklichste Mensch auf Erden. Und der war ich auch.

Das kleine Ao Sane-Restaurant ist mir ans Herz gewachsen, die Leute sind mir in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen.
Warum sind wir Deutsche nicht ein wenig wie die Thai ? – Der Mentalitätsunterschied ist dermaßen grotesk, dass ich mehrere Wochen brauchte, um mich wieder an die kalte Lebensweise (in vielfacher Hinsicht) Deutschlands zu gewöhnen. Ich wäre am liebsten nie wieder nach Hause zurückgekehrt.

Negativ waren an diesem Urlaub nur zwei Dinge:
a) Dass ich wieder nach Hause musste.
b) Dass bestimmte Leute endlich kapieren sollten, dass Frauen oftmals die besseren Taucher sind, vernünftigere Ideen haben und sinnlose Profilneurosen besser nicht in Gegenwart Anderer in Gesellschaft ausgetragen werden sollten. Ja, es fällt auf. Jedem.

Ich habe mich so richtig wohlgefühlt, schöne soziale Erfahrungen und bunte, märchenhafte Erinnerungen mit nach Hause genommen.

Das statt irgendwelcher Flossenbewertungen.