Vom Brand auf Derawan zum Roman ALOR

Teile:
18.10.2026 14:10
Kategorie: News

Autor Sean Kwon über Feuer, Verlust und Meer

Seit 2026 gibt es den Tauchroman ALOR auf Deutsch und Englisch. Er geht auf ein reales Erlebnis des Autors zurück: Soon Buhm Kwon, der unter dem Schriftstellernamen Iruda veröffentlicht und heute in Berlin lebt, erlebte im September 2015 einen nächtlichen Brand in einer Tauchunterkunft auf der indonesischen Insel Derawan. Im Roman muss ein Mann nach dem Verlust seines Tauchresorts neu anfangen.

Gallery 1 here

Kwon war damals gemeinsam mit seiner heutigen Frau Gast der Derawan Dive Lodge in Ostkalimantan. Nach seiner Erinnerung wachte er gegen ein oder zwei Uhr nachts auf und spürte zuerst die Hitze. Die Flammen standen nur wenige Meter entfernt. Pässe und Geldbörsen konnten die beiden noch greifen, zurück zum Laptop ließ ihn seine Begleiterin nicht mehr gehen. Kurz darauf stürzte das Gebäude ein. Fotos vom Morgen danach zeigen verkohlte Trümmer, verbogenes Wellblech und angesengte Palmen, der Holzsteg am Meer steht noch.

Die Inselbewohner halfen den Gästen nach seiner Schilderung mit einfachen Sandalen und etwas Geld für die Weiterreise. Als die Anlage wieder aufgebaut war, folgte das Paar einer Einladung, kam zurück und tauchte erneut auf Derawan.

Gallery 3 here

Zwischen Erlebnis und Erfindung

ALOR ist ausdrücklich ein fiktionales Werk. Der Brand spielt im Roman auf den Gili-Inseln, und die Hauptfigur Jin Taehoon, ein koreanischer Manager, ist nicht Gast, sondern Betreiber des Resorts. Seine finanziellen Verluste, die geheimnisvollen Ereignisse und die weiteren Abenteuer sind nach Angaben des Autors erfunden. Auf eigenen Erfahrungen beruhen die Gefühle beim Tauchen, Begegnungen mit Menschen und einige Reiseerlebnisse. Nach dem Verlust des Resorts nimmt Taehoon eine Stelle an, die ihn auf ein Liveaboard nach Alor führt. Aus dem Neuanfang entwickelt sich eine Geschichte mit Mystery-Elementen.

Alor in Ostindonesien wählte Kwon als Schauplatz, weil seine erste Liveaboard-Reise dorthin, an Bord der WAOW, zu seinen eindrucksvollsten Erinnerungen zählt. Für ihn steht die Region für Freiheit, Abenteuer und die Möglichkeit, das eigene Leben neu zu gestalten. Das Schiff gibt es in dieser Form nicht mehr: Die WAOW brannte in der Nacht zum 1. Februar 2018 im Hafen von Biak in der Cenderawasih-Bucht aus und sank, wie Taucher.Net damals berichtete. Verletzt wurde nach den damaligen Meldungen niemand. Als Botschaft des Buches nennt er, dass jeder einzelne Tag ein Geschenk sei.

Gallery 2 here

Sieben Fragen an Sean Kwon

Das Interview wurde schriftlich geführt und für die Veröffentlichung leicht gekürzt.

Du hast im September 2015 den Brand auf Derawan miterlebt. Was ist Dir aus dieser Nacht am stärksten in Erinnerung geblieben?
Als ich gegen ein oder zwei Uhr nachts aufwachte, spürte ich zuerst die enorme Hitze. Nur wenige Meter von uns entfernt standen bereits die Flammen, und wir konnten gerade noch unsere Pässe und Geldbörsen greifen. Ich wollte sogar noch einmal zurück, um meinen Laptop zu holen, aber meine damalige Freundin, heute meine Frau, hielt mich davon ab. Kurz darauf stürzte das Gebäude ein – und bis heute frage ich mich manchmal, was geschehen wäre, wenn ich zurückgegangen wäre.

Du beschreibst die große Hilfsbereitschaft der Inselbewohner. Hattest Du danach noch Kontakt zur Insel, oder bist Du noch einmal dorthin zurückgekehrt?
Ja, tatsächlich! Die Menschen auf Derawan halfen uns damals sogar mit einfachen Sandalen und etwas Geld für unsere Weiterreise – diese Großzügigkeit werde ich niemals vergessen. Nachdem die zerstörte Tauchunterkunft wieder aufgebaut worden war, wurden auch wir eingeladen, zurückzukehren. Meine Frau und ich besuchten Derawan erneut und tauchten wieder dort. Es war ein bewegender Moment, diesen Ort wiederzusehen und zu erleben, wie aus der Zerstörung etwas Neues entstanden war.

ALOR ist ein Roman, wurde aber von Deinen Erfahrungen inspiriert. Was im Buch ist so oder ähnlich erlebt, was ist erfunden?
Die Gefühle beim Tauchen, die Begegnungen mit Menschen und einige Reiseerlebnisse beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen. Der tatsächliche Brand ereignete sich auf Derawan, während ich ihn im Roman auf die Gili-Inseln verlegt habe. Im wirklichen Leben waren wir Gäste einer Tauchunterkunft, während die Hauptfigur Jin Taehoon selbst ein Tauchresort betreibt. Seine finanziellen Verluste, die geheimnisvollen Ereignisse und seine weiteren Abenteuer sind fiktional – aber die Fragen nach Freiheit, Verlust und einem Neuanfang sind für mich sehr persönlich.

Warum hast Du Alor als Schauplatz gewählt, und was macht diese Region für Taucher besonders?
Meine Taucherfahrungen in Alor und meine erste Reise auf dem Liveaboard WAOW gehören zu den eindrucksvollsten Erinnerungen meines Lebens. Auf einem Schiff zu leben, zwischen abgelegenen Inseln zu reisen und jeden Morgen vom Meer umgeben aufzuwachen, ließ mich von einem völlig anderen Leben träumen. Alor steht für mich deshalb nicht nur für die faszinierende Unterwasserwelt Indonesiens, sondern auch für Freiheit, Abenteuer und die Möglichkeit, das eigene Leben neu zu gestalten.

Hat der Brand Dein Sicherheitsbewusstsein auf Tauchreisen verändert? Gibt es praktische Tipps, die Du anderen Tauchern mitgeben möchtest?
Seit jener Nacht habe ich eine etwas ungewöhnliche Angewohnheit: Wenn ich in einem Tauchresort ankomme, schaue ich zuerst nach einem Feuerlöscher! (lacht) Ich empfehle auch, sich mit den Fluchtwegen vertraut zu machen und wichtige Dokumente griffbereit aufzubewahren. Vor allem habe ich gelernt, dass kein Laptop und kein persönlicher Gegenstand es wert ist, dafür sein Leben zu riskieren.

Du bist auf den Gilis zum ersten Mal mit Deinem ältesten Sohn getaucht. Was bedeutet Dir das gemeinsame Tauchen mit der Familie?
Als ich 2011 mit dem Tauchen begann, hätte ich mir niemals vorstellen können, eines Tages mit meinem eigenen Sohn die Unterwasserwelt zu erkunden. Nach dem Brand auf Derawan wurde mir bewusst, wie kostbar das Leben ist – denn ohne unser Überleben hätte ich meine Frau vielleicht nie geheiratet und unsere vier Söhne wären nie geboren worden. Als ich 2026 auf den Gili-Inseln neben meinem ältesten Sohn tauchte, kamen all diese Erinnerungen zurück. In diesem Moment empfand ich vor allem eines: tiefe Dankbarkeit.

ALOR gibt es auf Deutsch, Englisch, Japanisch und Koreanisch. In welcher Sprache hast Du das Buch ursprünglich geschrieben, und woran arbeitest Du als Nächstes?
ALOR habe ich ursprünglich auf Koreanisch geschrieben. Anschließend wurde der Roman ins Englische übersetzt, und die deutsche Fassung entstand auf Grundlage dieser englischen Übersetzung. Zuvor habe ich in Südkorea bereits einen Science-Fiction-Roman veröffentlicht. ALOR ist ein etwas anderes Werk, das besonders stark von meinen persönlichen Lebenserfahrungen und meiner Leidenschaft für das Tauchen geprägt ist. Derzeit entwickle ich mein eigenes Science-Fiction-Universum weiter und veröffentliche auf Patreon erste englische Übersetzungen meiner bereits in Korea erschienenen Werke sowie neue Novellen. Und weil das Tauchen eine meiner größten Leidenschaften bleibt, möchte ich eines Tages eine Science-Fiction-Geschichte schreiben, die die Welt der Ozeane mit diesem Universum verbindet.

ALOR in Kürze

Titel: ALOR
Autor: Iruda (Soon Buhm Kwon)
Ausgabe: Hardcover, deutsch, 149 Seiten, seit Oktober 2026
Englische Ausgabe: erschienen im September 2026
E-Book: Kindle-Ausgabe, auch über Kindle Unlimited lesbar
Originalsprache: Koreanisch (deutsche Fassung nach der englischen Übersetzung)
ISBN-13 (Hardcover): 979-8161400562
Preis: 24,98 € (Hardcover), 3,99 € (Kindle-E-Book); Verkaufspreise auf Amazon.de laut Autor
Genre: Gegenwartsliteratur, Tauchabenteuer, Drama, Mystery

Fotos: © Soon Buhm Kwon / Suah Kim

Weitere Informationen:
ALOR bei Amazon.de
Taucher.Net: Luxus-Liveaboard WAOW ausgebrannt und gesunken (02.02.2018)
Soon Buhm Kwon bei Patreon