Kategorie: Reise
Unterwegs im Süden Sulawesis
Im Süden Sulawesis hat diving.DE eine neue Basis eröffnet. Wie, Südsulawesi? Kann man da tauchen? Und warum kennt das eigentlich keiner? Diese Verwunderung hält allerdings nur kurz an. Wenn ein erfahrener Basenverbund wie diving.DE so etwas angeht, dann wird es das mit Sicherheit wert sein. Also Koffer gepackt und auf Erkundungsmission!
Bericht von Jan Finsterbusch
Bira erreicht man entweder über die großen arabischen Drehkreuze und weiter über Jakarta oder aber über Singapur oder Kuala Lumpur. Der Transfer über die asiatischen Flughäfen bietet derzeit den Vorteil, dass das Gepäck durchgecheckt wird und man vor allem den aktuell anfälligen arabischen Luftraum umgeht!
Ziel ist in beiden Fällen der Flughafen Makassar. Von dort sind es dann „nur“ 200 Kilometer Landtransfer. In Deutschland würde man sagen: Okay, anderthalb oder zwei Stunden Fahrtzeit. Wer asiatische Landstraßen kennt, weiß jedoch, dass es so schnell nicht geht. Je nach Tageszeit muss man mit vier bis sechs Stunden rechnen. Bei Tag durchaus spannend, die Dörfer, die Reisfelder und das Leben der Menschen hier zu sehen.
Mitten in der Nacht angekommen, sehen wir am nächsten Morgen die Anlage dann erstmals bei Tageslicht und wanken noch etwas orientierungslos zur großen Terrasse. Als wir dabei eine Theke mit Kaffee passieren, ist klar: Hier bekommt ein müder Reisender sein Frühstück. Gut gestärkt und inzwischen deutlich wacher, lernen wir Stefan kennen, den Besitzer des „Akasha Beach Clubs“. Von ihm erfahren wir viel Wissenswertes über die Gegend, die Abläufe im Resort und im Tauchbetrieb.
Bei diving.DE Bira gibt es keine festen Ablegezeiten: Das Boot ist auf den passenden Wasserstand angewiesen, um über das Hausriff übersetzen zu können. Entsprechend richten sich die täglichen Ausfahrten nach den Gezeiten. Wie es unser Glück will, ist die Tauchergruppe heute schon unterwegs. Kann man nicht ändern. Also gehen wir eben auf Sightseeingtour.
Sightseeing statt Tauchen
Im Akasha kann man sich problemlos für einen Tag oder auch den gesamten Aufenthalt einen Roller ausleihen. Dank der guten Wegbeschreibung finden wir schnell zu einem echten UNESCO-Weltkulturerbe – um genau zu sein: Nicht die Werft selbst, sondern das mündlich überlieferte Wissen und die Tradition des Phinisi-Schiffbaus gehören zum Weltkulturerbe. An der Werft angekommen, fragen wir einfach kurz einen Vorarbeiter und schon dürfen wir die Holzkolosse im Bau betreten. Ungesichert laufen wir über „Hühnerleitern“ und andere abenteuerliche Treppenkonstruktionen. Der Geruch von Holz umgibt uns, während wir beobachten, wie die Arbeiter mit einfachen Werkzeugen an den riesigen Schiffsrümpfen arbeiten. Wenn die deutsche Berufsgenossenschaft das sehen würde, wäre ein Baustopp für die nächsten 25 Jahre sicher. Dennoch stammt eine Vielzahl der indonesischen Safariboote genau von hier.
Als Nächstes steht auf unserer spontanen Tourliste noch ein weiteres Resort – die „Mangga Lodge“. Dieser Rückzugsort wird inzwischen von Stefans Bruder Bobby betrieben. Preislich etwas niedriger angesiedelt als das stylische Akasha, jedoch mit einem ganz eigenen Flair! Für budgetbewusste Reisende durchaus eine Alternative. Und wer es noch preiswerter mag: Die Familie betreibt zudem noch ein Hostel.
Den Abend genießen wir schließlich auf der großen Restaurantterrasse des Akasha und bestaunen den leuchtend roten Sonnenuntergang.
Am nächsten Morgen geht es endlich unter Wasser. Langsam tuckert unser einheimisches Boot in Richtung der ersten Tauchspots, während wir beobachten, wie die Taucher anderer Basen in ihren Speedbooten regelrecht „geshakt“ werden. Entschleunigung hat manchmal eben doch ihren Reiz! Dennoch erklärt diving.DE, beim Boot der Tauchbasis noch einmal nachbessern zu wollen. Übertrieben schnell sollte es aber nicht werden – entspannt und mit viel Platz an Bord ans Ziel zu kommen, hat seinen Wert.
Unser Eingewöhnungstauchgang findet in der „Stingray Bay“ statt. Die Sicht hat sich allerdings gegen uns verschworen und so sehen wir zwar jede Menge Blaupunktrochen, müssen aber ehrlich sagen: Dieser Tauchplatz wird nicht unser Favorit! Über dem Riff des zweiten Tauchspots „Aquarium“ sieht es deutlich besser aus. Allerdings wird auch hier das Wasser in der Tiefe kalt und grünlich trüb. Ungewöhnlich für die Jahreszeit und noch in der Vorwoche komplett anders, wie wir den Erzählungen und Videos unserer Mittaucher bei einem abendlichen Dekobier entnehmen. Die Natur ließ sich noch nie berechnen und in Zeiten von El Niño ist dies noch komplizierter!
Taucherisch hat uns Bira bislang noch nicht restlos überzeugt; aber wir stehen ja gerade am Anfang unserer Erkundungen… Kulinarisch sieht das allerdings ganz anders aus. Die Fusionsküche des Akasha begeistert uns vom ersten Abend an. Hier verbinden sich europäische und asiatische Einflüsse zu einem wahrlich geschmackvollen Erlebnis. Besonders an den Wochenenden füllt sich die Terrasse abends mit Gästen aus Europa und Asien, die den Sonnenuntergang genießen und sich von der hervorragenden Küche verwöhnen lassen.
Kambing: eine andere Liga
Ein neuer Morgen, ein neuer Tauchplatz: Heute keine halbgaren Sachen, liebe Jungs und Mädels von diving.DE – heute wollen wir sehen, was ihr „könnt“! So lautet unsere Aufforderung am Morgen. Also tuckert unser ehemaliges Fischerboot etwas länger der kleinen Insel „Kambing“ entgegen. Schon über Wasser ist klar: Das ist ein besonderer Spot. Etwa auf halbem Weg zwischen dem südlichsten Teil von Sulawesi und der Insel Selayar gelegen, sollte die Insel spektakuläre Begegnungen mit pelagischen Großfischen versprechen!
Die Geräusche der Oberfläche verschwinden und wir sinken langsam ab! Schon auf den ersten Blick ist klar: Hier sind wir richtig – das hier spielt ganz oben mit! Stachelmakrelen jagen ganze Wolken unterschiedlichster Rifffische über die bunte Korallenlandschaft, während Weißspitzenriffhaie gemächlich ihre Bahnen ziehen. Das bunte Gewimmel lässt uns fast mit offenem Mund zurück, wäre da nicht der Atemregler, den wir doch besser im Mund behalten. Während des Austauchens kreuzt schließlich noch ein Schwarm Barrakudas unseren Weg!
Zwischen den Tauchgängen wird, wie in Indonesien üblich, Tee gereicht. Hier muss man allerdings aufpassen, dass „etwas Zucker“ nicht auf indonesische Art interpretiert wird. Sonst kann es nämlich passieren, dass der Löffel im Glas stehen bleibt. Dazu gibt es reichlich frische Früchte. So lässt es sich wirklich aushalten.
In den kommenden Tagen erkunden wir weitere Tauchplätze, darunter auch den Shark Point. Eigentlich sind wir bei Tauchplätzen mit solchen Namen ja eher skeptisch. Oftmals wurde dort der letzte Hai vor einer gefühlten Ewigkeit gesehen. Hier allerdings ist der Name Programm. Immer wieder begegnen uns Weiß- und Schwarzspitzenriffhaie. Auch in kleinen Höhlen entdecken wir schlafende Weißspitzen. Zudem sind hier häufig große Grüne Meeresschildkröten anzutreffen. Das alles wird eingerahmt von Millionen kleiner Fahnenbarsche, die sich offenbar zu bestimmten Zeiten genau an diesem Spot versammeln, bevor sie wie auf Kommando wieder verschwinden.
Auch wenn wir mit den „verbleibenden“ Tauchplätzen Biras inzwischen versöhnt sind, zieht es uns immer wieder an diese mythische Wand und die Ecke am Ende der Insel Kambing. Und mit diesem Gefühl liegen wir richtig. Schon beim nächsten Tauchgang passiert es: Langsam und majestätisch schwebt ein riesiger Mondfisch an der übrigen Tauchergruppe vorbei, um dann Richtung Oberfläche zu beschleunigen. Allerdings befinden wir uns, wie für Fotografen „typisch“, nicht nur 20 Meter hinter der Gruppe, sondern auch noch zehn Meter tiefer! So sehen wir den Riesen nur noch von unten gegen die Sonne. Aber was soll’s – wir freuen uns mit den anderen, die ihn in voller Pracht erleben dürfen, und sind glücklich, wenigstens einen kleinen Blick auf ihn erhascht zu haben.
Während der Oberflächenpause berichtet die Besatzung eines anderen Tauchbootes, dass sie beim letzten Tauchgang an der „Wall“ einen Tigerhai gesehen haben. Doch bevor wir unsere abenteuerlichen Begegnungen ausgiebig austauschen können, wird die Unterhaltung jäh unterbrochen. Direkt neben unserem Boot springt ein Mola Mola aus dem Wasser!
Auch Mantas, Walhaie und große Hammerhaie wurden hier schon beobachtet. Kambing ist eine einzigartige Wundertüte. Nichts ist planbar, nichts garantiert – aber immer wieder sind spektakuläre Begegnungen möglich.
Zeit, ein Fazit zu ziehen: Man könnte sagen, Bira hat es uns anfangs nicht leicht gemacht… und hat sich das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Die Tauchplätze abseits der Wunderwand „Kambing“ sind durchwegs solide und liegen für uns deutlich über vielen Plätzen Ägyptens. An welchem Tauchplatz im Roten Meer erlebt man schon regelmäßig Begegnungen mit Weißspitzenriffhaien oder gar ihren schwarzspitzigen Brüdern? Kambing dagegen mit seinen Überraschungen kann sich mit den besten Tauchplätzen der Welt messen.
Wer also taucherisches Neuland betreten – oder besser Neuwasser beschwimmen – möchte, ist hier genau richtig. Dazu gehobene Unterkünfte und gutes Essen – was will man mehr? Für eine Reise empfehlen wir eine Kombination mit Bali und der diving.DE-Basis in Candidasa. Der zusätzliche Inlandsflug fällt kaum ins Gewicht, während die Kombination der beiden Tauchregionen für jede Menge Abwechslung sorgt.
Weitere Informationen:
Webseite diving.DE
diving.DE Bira auf Taucher.Net
diving.DE Candidasa auf Taucher.Net