Kategorie: Reise
Maike vom Taucher.Net-Team war im Mai, mitten in der Regenzeit, bei der Fuvahmulah Dive School
Fortsetzung von Teil 1 über den Hausbesuch bei der Fuvahmulah Dive School von Tatiana und Ibrahim (Panda). Fuvahmulah liegt knapp südlich des Äquators. Diese Lage sorgt für besondere Bedingungen unter Wasser, und die Insel ist als Tauchziel für Großfischbegegnungen und Artenvielfalt bekannt.
Bericht von Maike Pohl
Nach Angaben der Basis lassen sich hier Tigerhaie das ganze Jahr über täglich beobachten, die Basis wirbt mit einer „100-Prozent-Tigerhai-Garantie“. Deshalb reisen jedes Jahr Taucher aus aller Welt an, zum Teil mit großem Aufwand. Während unseres Aufenthalts tauchte zum Beispiel Wayne aus Australien mit uns, der vier Tage für die Anreise gebraucht hatte.
Wie sich im Lauf der gemeinsamen Woche herausstellte, hatte er auf Facebook einen Post der Tauchbasis mit dem Hinweis auf die Garantie gesehen. Nach einem kurzen Blick auf die Website buchte er innerhalb von drei Tagen, weil er überzeugt war, bei der ersten Tauchbasis vor Ort richtig aufgehoben zu sein. Als Dive Director und ehemaliger Tauchbasenbesitzer mit mehr als 25.000 geloggten Tauchgängen kennt er die Branche gut. Er zeigte sich begeistert von Zuverlässigkeit, Sicherheit, eingespieltem Team und Organisation der Fuvahmulah Dive School.
Der Tiger Zoo ist zu einer Art Pilgerstätte für Haibegeisterte geworden. Wer ein chaotisches Spektakel erwartet, wird allerdings überrascht: Der Ablauf ist strukturiert und kontrolliert.
Ein streng geregelter Tauchplatz
Jede der 14 Tauchbasen erhält täglich einen festen Zeitslot für den Tiger Zoo, damit nicht zu viele Gruppen gleichzeitig am Platz sind. Vor dem Tauchgang gibt es ein ausführliches Briefing. Es behandelt nicht nur den Ablauf unter Wasser, sondern auch das Verhalten der Tigerhaie, ihre Körpersprache, mögliche Reaktionen und die wichtigsten Verhaltensregeln. Für viele Gäste ist es der erste Tauchgang mit Tigerhaien, entsprechend groß sind Aufmerksamkeit und Aufregung. Die Guides erklärten klar, welche Risiken grundsätzlich bestehen und wie man sie minimiert. Das schafft Vertrauen.
Die Diskussion um die Fütterung
Kaum ein Thema wird unter Tauchern so kontrovers diskutiert wie das sogenannte Shark Feeding, und auch rund um den Tiger Zoo gibt es unterschiedliche Meinungen. Im Gespräch mit Guides, Forschungsteam und Einheimischen bekam ich einen differenzierteren Eindruck, als ihn mir Social Media und ähnliche Quellen vorher vermittelt hatten. Ich war zunächst skeptisch und dachte: ‚Einen Tauchgang mache ich mit, um mitreden zu können, mehr aber nicht.‘ Zwischen dem Briefing zum ersten Tauchgang und dem zweiten Tauchgang änderte sich meine Haltung, und ich hatte deutlich mehr Verständnis für das Konzept.
Die verwendeten Fischreste stammen laut Basis ausschließlich von lokalen Fischern. Meist handelt es sich um Thunfischköpfe, die bei der Fischverarbeitung ohnehin anfallen. Früher seien solche Reste beim Auslaufen einfach über Bord entsorgt worden, heute würden sie kontrolliert an die Tauchbasen ausgegeben. Dabei gilt eine klare Begrenzung: Jeder Basis steht nur eine kleine Zahl von Fischköpfen zur Verfügung. Unter Wasser werden sie nie aus der Hand verfüttert. Die Guides legen sie am Boden oder zwischen Steinen ab, die Haie suchen sie selbstständig auf. Das ähnelt dem natürlichen Suchverhalten der Tiere, denn Haie jagen nicht nur aktiv, sondern fressen auch tote oder geschwächte Tiere und erfüllen so eine Rolle im Ökosystem. Aus meiner Sicht berücksichtigen die Tauchgänge und die Vorgaben dieses natürliche Verhalten gut.
Kritiker befürchten, dass Haie durch regelmäßige Fischreste an Menschen gewöhnt werden, ihr natürliches Verhalten ändern und sich das Risiko für Zwischenfälle erhöht. Die Basis widerspricht. Die Haie hätten sich schon lange vor dem Tauchtourismus an den Fischabfällen des Hafens bedient, man habe das nur sichtbar gemacht. „Wir füttern keine Haie. Sie fressen, das tun sie seit jeher. Wir kommen nur und schauen zu“, sagt Tatiana. Aus der Hand werde nicht gefüttert, zusätzliches Futter beschaffe die Basis nach eigenen Angaben nicht. Bereits 2018 habe sie ein Sicherheitsprotokoll erarbeitet.
Der erste Tigerhai für mich
Dann kam der Moment des Abstiegs. Beim ersten Mal pocht das Herz ganz schön. Wir erreichten die Betonblöcke, positionierten uns auf dem Boden und hielten uns an den Griffen fest. Die Sicht war hervorragend. Plötzlich erschien der erste Schatten, zunächst weit entfernt, dann näher und schließlich direkt vor uns: mein erster Tigerhai. Tiere dieser Größe wirken unter Wasser ganz anders als auf Fotos, massiver und präsenter. Der Hai glitt langsam und ruhig durchs Wasser, fast majestätisch. In den ersten Minuten wechselten sich Ehrfurcht und Faszination ab, doch je länger ich die Tiere beobachtete, desto mehr ließ die Anspannung nach. Die Haie interessierten sich nicht für uns, ihr Fokus lag auf den Fischresten am Boden.
Die Wahrheit über Tigerhaie
Tigerhaie haben einen zweifelhaften Ruf. Filme, Medienberichte und Schlagzeilen haben über Jahrzehnte das Bild vom gefährlichen Menschenfresser geprägt. Was ich vor Ort erlebte, sah anders aus. Ihren Namen verdanken Tigerhaie den dunklen Streifen am Körper, die mit zunehmendem Alter jedoch verblassen. Sie gelten zudem als energiesparende Tiere, die leichte Beute bevorzugen und unnötigen Aufwand vermeiden. Deshalb funktioniert der Tiger Zoo: Die Tiere folgen einer leicht verfügbaren Nahrungsquelle. Mir fiel auf, wie wenig Interesse sie an den Tauchern zeigten. Tigerhaie bleiben dennoch große Raubtiere, und Respekt gehört dazu. Deshalb legt man auf Fuvahmulah großen Wert auf Briefings, Regeln und erfahrene Guides. Positiv fiel mir auf, dass die Tiere nicht berührt oder gar umgedreht werden. Nur wenn nötig, lenken die Guides sie sanft in eine andere Richtung. Das wird im Briefing auch eindeutig gesagt.
Zwanzig Tigerhaie gleichzeitig
Einen der eindrucksvollsten Tauchgänge erlebte ich einige Tage später. Schon vor dem eigentlichen Platz tauchten die ersten Tigerhaie im Blauwasser auf, dann wurden es immer mehr. Am Ende dürften sich etwa zwanzig Tigerhaie gleichzeitig in unserer Umgebung bewegt haben.
Mehrere Guides sicherten wie immer die Gruppe und positionierten sich vor, hinter und oberhalb von uns. Sie beobachteten Haie und Taucher gleichermaßen. Nach mehreren gemeinsamen Tauchtagen wusste ich, wie aufmerksam das Team arbeitet, und konnte mich auf Fotos, Videos und den Moment konzentrieren.
Am Tiger Zoo beobachtet man nach Auskunft der Basis ausschließlich weibliche Tigerhaie, die männlichen halten sich im offenen Meer auf. Laut der dort tätigen Haiforschungsorganisation „Fuvahmulah Shark Research“, einer NGO, die Tatiana und Panda aus ihrer Datenerfassung während der täglichen Tauchgänge aufgebaut haben, war der bisher größte vor Ort gemessene Tigerhai etwa 4,5 bis 4,9 Meter lang. Der Hai heißt Rose und wird „Big Mama Rose“ genannt.
Die Arbeit der Guides
Während viele bei Tigerhaien zuerst an Gefahr denken, wirkten die Guides unter Wasser ausgesprochen ruhig. Das Team schien jeden einzelnen Hai fast persönlich zu kennen. Mit kleinen Gesten und klaren Bewegungen lenkten die Guides die Aufmerksamkeit der Tiere und achteten darauf, dass alle ausreichend Abstand hielten. Trotzdem blieb Platz für ein Lächeln hinter der Maske. Diese Mischung aus Professionalität und Gelassenheit machte die Begegnungen angenehm.
Tiger Wall – ein Abschluss nach Maß
Mein letzter Tauchgang fand nicht direkt im Tiger Zoo statt, sondern an der Tiger Wall, einem Tauchplatz an der Riffkante rund um den Tiger Zoo. Vielleicht war dieser Tauchgang mein persönlicher Favorit. Die Haie bewegten sich hier frei im Blauwasser, tauchten aus der Tiefe auf, glitten an der Riffkante entlang, verschwanden und erschienen wenige Minuten später erneut. Das wirkte natürlicher und ungezwungener, fast als besuche man die Tiere in ihrer eigentlichen Umgebung.
Mehr als nur ein Tauchplatz
Am Ende verstand ich, warum der Tiger Zoo weltweit einen besonderen Ruf hat. Die Tigerhaie spielen die Hauptrolle, doch mindestens ebenso wichtig sind die Menschen dahinter: erfahrene Guides, ein Sicherheitskonzept und die Forschung. Dazu gehört die Einsicht, dass die Tiere nur dauerhaft erhalten bleiben, wenn man sie schützt. Gelegentlich werden Haie auch als „Gesundheitspolizei des Meeres“ bezeichnet.
Aus Sicht der Basis ist der Tiger Zoo zudem eine Win-win-Situation: Der Tauchtourismus trägt wesentlich zum Wohlstand der Bevölkerung von Fuvahmulah bei, und die Insel gilt als Beispiel dafür, wie Haitauchen die lokale Wirtschaft und den Haischutz fördern kann, ganz im Sinne von Organisationen wie Project AWARE.
Das Herzstück der Reise
Das Herzstück dieser Reise liegt für mich nicht unter Wasser, sondern an Land. Was die Fuvahmulah Dive School von vielen anderen Tauchzielen unterscheidet, ist die enge Verbindung von Tauchtourismus, Bildung, Forschung und Naturschutz. Viele Reiseziele werben mit Nachhaltigkeit und Meeresschutz, auf Fuvahmulah habe ich diese Verbindung im Alltag der Basis erlebt. Es geht nicht nur darum, Begegnungen zu ermöglichen, sondern auch darum, die Tiere besser zu verstehen. Dafür steht Fuvahmulah Shark Research.
Von Tauchpionieren zu Forschern
Als Tatiana und Ibrahim „Panda“ vor vielen Jahren begannen, die Gewässer rund um Fuvahmulah zu erkunden, gab es weder eine Tauchbasis noch wissenschaftliche Projekte. Zunächst stand die Faszination für die Unterwasserwelt im Mittelpunkt. Die regelmäßigen Begegnungen mit Tigerhaien, Hammerhaien und anderen pelagischen Arten warfen jedoch bald Fragen auf:
Warum halten sich die Tiere hier auf?
Woher kommen sie?
Wie lange bleiben sie?
Sind es immer dieselben Individuen?
Und welche Rolle spielt Fuvahmulah für ihren Lebenszyklus?
Aus diesen Fragen entwickelte sich das Forschungszentrum, das aus meiner Sicht zu den spannendsten Projekten seiner Art auf den Malediven gehört.
Das Forschungsteam
Tatiana und Panda erkannten das Potenzial von Fuvahmulah früh. Parallel zu den täglichen Tauchgängen begannen sie mit der Datenerfassung und bauten daraus die NGO und das Forschungszentrum mit einem Team aus Forschern auf. Nach Angaben der Basis schrieb sie 2021 die erste Stelle für einen Meeresbiologen aus und erhielt die erste staatliche Forschungsgenehmigung. Seitdem hat immer ein Meeresbiologe zum Team gehört, inzwischen arbeitet der vierte. Seit dem vergangenen Jahr kommt außerdem jeden Monat ein Praktikant aus der Meeresbiologie, der bei der Auswertung der Daten hilft. Die Forschung finanziert die Basis nach eigenen Angaben aus dem laufenden Tauchbetrieb und mit Unterstützung ihrer Gäste.
Während unseres Aufenthalts kehrten Tatiana, Panda und der aktuelle Meeresbiologe Max Kimble von einem internationalen Hai-Symposium in Colombo zurück, ein Hinweis darauf, dass die Arbeit des Teams über Fuvahmulah hinaus wahrgenommen wird. Max nimmt sich regelmäßig Zeit für Vorträge und Gespräche mit Gästen. Wir besuchten einen Vortrag (auf Englisch) und hörten interessiert zu. Bei diesem Vortrag, ja bei dem ganzen Tauchurlaub, ging es nicht nur darum, Haie zu sehen, sondern darum, sie zu verstehen:
Wie entwickelt sich eine Tigerhai-Population?
Welche Rolle spielen weibliche Tiere für das Gebiet?
Wie verhalten sich trächtige Haie?
Warum tauchen manche Individuen über Jahre hinweg immer wieder an denselben Orten auf?
Das sind Fragen, die man sich als Urlaubstaucher normalerweise kaum stellt, die hier aber täglich untersucht werden.
Jeder Hai ist ein Individuum
Besonders interessant fand ich das Fotoidentifikationsprojekt, ein fortlaufendes Monitoring der Tigerhaie, das die Grundlage aller künftigen Tigerhai-Forschungen auf Fuvahmulah bildet. Jeder Tigerhai hat individuelle Merkmale, ähnlich einem Fingerabdruck beim Menschen, anhand derer sich einzelne Tiere eindeutig erkennen lassen. Die Datenbank umfasst inzwischen, so die Basis, mehr als 330 registrierte Tigerhaie. Jede neue Sichtung wird dokumentiert, Veränderungen werden täglich festgehalten:
– Verletzungen
– Narben
– Schwangerschaften
– Wanderbewegungen
So entsteht mit der Zeit ein genaueres Bild vom Leben der Tiere. Aus „einem Tigerhai“ wird ein Individuum mit eigener Geschichte, eigenen Besonderheiten und manchmal einem Namen. Dieser Perspektivwechsel gehörte für mich zu den spannendsten Aspekten der Reise.
Hightech in der Tiefe
Um die Tiere besser zu erforschen, betreibt das Team mehrere fest installierte Unterwasserstationen rund um die Insel. Dort kommen hochauflösende Kamerasysteme zum Einsatz, die meist etwa drei Tage in 40 bis 60 Metern Tiefe bleiben. Spezielle Gehäuse schützen die Kameras vor Druck und Salzwasser (nach Angaben des Teams kostet ein Set inklusive Gehäuse und Technik über 2.000 Euro). Nach einigen Tagen werden die Systeme geborgen, die Daten ausgewertet und die Kameras wieder ausgebracht.
Die Aufnahmen geben Einblicke in Verhalten, Aufenthaltsorte und Aktivitätsmuster verschiedener Arten. Vor den Linsen tauchten regelmäßig Fuchshaie, Tigerhaie, Mantarochen und andere große Fische auf. Das hat laut Team zu neuen Forschungsansätzen geführt. Seit 2021 läuft außerdem ein eigenes Projekt zu Fuchshaien mit Unterwasserkameras, wie die Basis berichtet. Begegnungen mit Mantarochen meldet das Team an den Manta Trust, Walhai-Sichtungen an das Whale Shark Research im Süd-Ari-Atoll.
Wissenschaft zum Anfassen
Die Forschung findet nicht hinter verschlossenen Türen statt, die Gäste werden einbezogen. Es gibt regelmäßig Vorträge, Diskussionsrunden und Präsentationen, in denen nicht nur Ergebnisse vorgestellt werden, sondern auch offene Fragen, Herausforderungen und aktuelle Projekte. Man spürt die Begeisterung des Teams, und sie überträgt sich auf die Gäste. Viele Taucher kommen wegen der Tigerhaie und verlassen die Insel mit mehr Wissen über diese Tiere.
Warum Haie unsere Ozeane brauchen
Ein weiterer Schwerpunkt der Vorträge war die ökologische Bedeutung der Haie. Noch immer werden sie vielerorts als gefährliche Raubtiere wahrgenommen. Als Spitzenprädatoren tragen sie dazu bei, Bestände gesund zu halten und natürliche Gleichgewichte zu stabilisieren. Sie entfernen kranke oder geschwächte Tiere aus den Beständen und wirken so indirekt auf die Gesundheit ganzer Ökosysteme. Verschwinden Haie, können diese Systeme aus dem Gleichgewicht geraten. Deshalb ist Forschung wichtig, denn nur was verstanden wird, lässt sich langfristig schützen.
Eine Familie statt eines Unternehmens
Während unseres Aufenthalts fiel auf, dass die Fuvahmulah Dive School mehr ist als eine Tauchbasis. Das Team wirkt wie eine Familie, im Umgang mit den Gästen und vor allem untereinander. Im Gespräch äußerte das Team Bedenken wegen der Auswirkungen der Hormus-Krise auf den Tourismus auf den Malediven. Hintergrund sind die Spannungen im Nahen Osten rund um die Straße von Hormus: Sie haben Flüge über die Golf-Drehkreuze gestört und verteuert, was auch die Malediven spürbar trifft. Die Basis berichtet von Stornierungen, hält aber dennoch an ihrem Team fest. „Unsere Mitarbeiter haben Familien“, sagte Tatiana in einem Gespräch. „Wenn es schwierig wird, müssen wir gemeinsam durch diese Zeit gehen.“
Das ist seit Jahren gängige Praxis, berichtet die Basis, zum Beispiel zu Beginn der Nebensaison oder während des Corona-Lockdowns: Alle Angestellten bleiben angestellt und erhalten ihr Gehalt, sodass sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien auch dann sichern können, wenn kaum Gäste auf der Insel sind. Die Regenzeit hat aus Sicht der Basis trotzdem auch unter Wasser viele positive Seiten, nach ihren Angaben zum Beispiel Begegnungen mit Mantas und Walhaien. „Das Team ist der Schlüssel zum Erfolg“, so die Eigentümer Tatiana und Ibrahim.
Das Team – und Shimee
Wenn ich heute an Fuvahmulah denke, denke ich an Tigerhaie, aber nicht nur. Ich denke an das Team der Tauchbasis: an Johnny, der selbst bei anspruchsvollen Tauchgängen ein Lächeln hinter der Maske hatte, an Panda, der die Gewässer rund um die Insel sehr gut kennt, an Max, der wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich erklärt, und an Tatiana und Jeanette, die in der Basis freundlich und professionell arbeiten, ebenso an das gesamte Team drumherum.
Und an Shimee, den Gelbhaubenkakadu von Panda, der zum Team des Tauchzentrums gehört. Shimee wurde während unseres Aufenthalts zu einer kleinen Berühmtheit. Er kann „Hello“ und „Goodbye“ sagen, kreischt aber auch und lacht schrill, was anfangs irritiert. Mal beobachtet er neugierig das Geschehen rund um die Basis, mal ist er beim Tauchausflug mit auf dem Boot. Nach wenigen Tagen gehörte er für viele Gäste einfach dazu.
Ein Tigerhaizahn und eine neue Perspektive
Als Panda mir vor Jahren auf der BOOT den Tigerhaizahn schenkte, hielt ich ihn für ein außergewöhnliches Andenken. Heute steht er für mehr: für eine Insel mitten im Indischen Ozean, für Menschen, die mit Leidenschaft für Forschung, Naturschutz und Bildung arbeiten, für ein Team an Land und auf dem Schiff, das seine Begeisterung für die Unterwasserwelt weitergibt, für Tatiana und Panda, die den Mut hatten, auf Fuvahmulah etwas Neues aufzubauen, für Max und das Forschungsteam und natürlich für die Tiere selbst. Der Zahn hängt nun an einer Kette an meinem Hals. Er erinnert mich nicht mehr nur an einen Hai, sondern an eine ungewöhnliche Reise und an die Erkenntnis, dass spannende Geschichten oft dort beginnen, wo Neugier auf Wissen trifft.
Fazit
Wer nach Fuvahmulah reist, kommt meist wegen der Tigerhaie, und viele reisen wegen des Tiger Zoos an. Die Insel bietet aber mehr: eine gastfreundliche Atmosphäre, gutes Tauchen (auch Apnoe ist bei der Basis möglich), ein engagiertes Team und eines der interessantesten Hai-Forschungsprojekte der Malediven. Diese Kombination machte den Hausbesuch für mich zu mehr als einem Tauchurlaub. Er war eine Reise zum Verständnis einer Tierart, die unsere Ozeane dringend braucht.
Weitere Informationen:
Webseite Fuvahmulah Dive School
Fuvahmulah Dive School auf Taucher.Net
Teil-1 Hausbesuch bei der Fuvahmulah Dive School