Südafrikas Glattwale werden dünner und bekommen seltener Nachwuchs

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21.09.2026 09:55
Kategorie: News

40 Jahre Daten zeigen einen klaren Trend

Vier Jahrzehnte lang hat die Whale Unit der Universität Pretoria die Südlichen Glattwale, auch Südkaper genannt (Eubalaena australis), vor der südafrikanischen Küste beobachtet – mit deutlichem Ergebnis: Muttertiere sind heute rund 23 Prozent schlechter in Körperkondition als in den 1980er-Jahren.

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Der bei den Südkapern einst übliche Dreijahresrhythmus bei der Kalbung hat sich im Schnitt auf über sieben Jahre verlängert. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Scientific Reports, gilt als eine der längsten durchgehenden Bestandsaufnahmen an einem einzelnen Meeressäuger weltweit.

Eine Investition, die nicht mehr reicht

"Sie wirken für uns Menschen immer noch sehr groß, es bedeutet nur, dass sie etwas weniger kräftig, sagen wir, etwas schlanker sind", erklärt Dr. Els Vermeulen, Forschungsleiterin der Whale Unit am Mammal Research Institute, gegenüber Eyewitness News. Die Kondition der Mütter ist deshalb entscheidend, weil sie an der südafrikanischen Küste kaum fressen: Während der rund dreimonatigen Säugezeit investieren sie ausschließlich zuvor angefressene Energiereserven in ihr Kalb, das täglich bis zu 600 Liter Milch trinkt und rund drei Zentimeter/Tag wächst. Eine säugende Kuh kann dabei bis zu 25 Prozent ihrer Körperkondition verlieren.

"Wenn ein Weibchen schon mit einer Reduktion von 23 Prozent in diesen Prozess starten muss, zeigt das, wie groß der nötige Energieaufwand ist und wie stark sie dadurch bereits geschwächt ist", so Vermeulen. Bekommt ein Weibchen nicht genug Nahrung, schiebt es die nächste Trächtigkeit auf, bis es wieder ausreichend Reserven aufgebaut hat – aus einem knappen Jahr Erholungszeit werden so mitunter zwei, drei oder sogar vier Jahre.

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Sinkende Verfügbarkeit von Krill

Als Hauptursache vermutet das Forschungsteam eine sinkende Verfügbarkeit von Antarktischem Krill (Euphausia superba), der Hauptnahrungsquelle der Glattwale im Südlichen Ozean. Eine ergänzende, 2024 in Frontiers in Marine Science veröffentlichte Studie von Matthew Germishuizen, Marcello Vichi und Els Vermeulen untermauert diesen Verdacht mit Umweltdaten: Über die vergangenen 40 Jahre habe sich die Packeisgrenze deutlich nach Süden zurückgezogen, die Meereiskonzentration sei um 15 bis 30 Prozent gesunken, während sich Kennzahlen zur Primärproduktion mehr als verdoppelt haben. Das sind Bedingungen, die für die Krillvermehrung in den bekannten Nahrungsgebieten der Glattwale ungünstig sind.

Den Walen bleiben dadurch im Kern zwei Optionen, wie Vermeulen es zusammenfasst: "Entweder schwimmen sie weiter für gute Nahrung, oder sie bleiben näher dran für Nahrung von schlechterer Qualität" – etwa im Bereich der subtropischen Konvergenz südlich von Südafrika, wo Atlantik und Südlicher Ozean aufeinandertreffen. Dort ist zwar Nahrung vorhanden, jedoch von geringerem Nährwert als der bevorzugte Krill in den angestammten, weiter südlich gelegenen Gebieten.

Neben klimabedingten Veränderungen gerät der Krill auch von anderer Seite unter Druck: die industrielle Krillfischerei. Wie wir im April in DiveInside bereits berichteten, kontrolliert allein das Unternehmen Aker Qrill mittlerweile über 60 Prozent der globalen Fangquote für Antarktischen Krill – eine Ressource, die zugleich Grundlage des gesamten antarktischen Nahrungsnetzes ist und als bedeutender natürlicher CO2-Speicher gilt. Die aktuelle Glattwal-Studie selbst führt den Rückgang zwar in erster Linie auf klimatische Faktoren zurück, die zunehmende kommerzielle Nutzung dürfte den ohnehin schon unter Druck stehenden Bestand jedoch zusätzlich belasten.

Ein Frühwarnsystem für den Ozean

Südliche Glattwale pflanzen sich im Vergleich zu anderen Bartenwalen ohnehin langsam fort, was sie laut Vermeulen besonders empfänglich für Umweltveränderungen macht – sie könnten daher als eine Art "Wächterart" für den Zustand des Südlichen Ozeans dienen. Veränderungen bei Fortpflanzung und Körperkondition könnten demnach auch auf weiterreichende Folgen des Klimawandels für Krill und das marine Ökosystem insgesamt hindeuten.

Vermeulen fordert daher mehr Problembewusstsein für Auswirkungen, die sich abseits der Küste in weit entfernten Meeresgebieten abspielen. Zusätzlich wird untersucht, ob die jahrzehntelangen Wal-Daten auch dazu beitragen könnten, Meeresschutzgebiete jenseits nationaler Hoheitsgewässer besser zu begründen, da die Tiere auf ihrem Weg zurück in die Antarktis große Teile der Hohen See durchqueren.

Kurzfristig gibt die aktuelle Kalbsaison noch keinen Anlass zur akuten Sorge: Bislang wurden rund 300 Kälber gezählt, ein ähnliches Niveau wie 2022 und 2024, die offizielle Zählung folgt in den kommenden zwei Wochen. Wie es weitergeht, ist allerdings offen: Ein sich aufbauendes starkes El-Niño-Ereignis im Pazifik könnte die Krillverfügbarkeit im kommenden Südsommer zusätzlich beeinflussen – mit noch unbekannten Folgen für die bereits geschwächten Tiere.

Weitere Informationen / Quellen:
Eyewitness News
University of Pretoria
Scientific Reports (Nature)
Nature Africa, WWF
Taucher.Net / DiveInside