Kategorie: News
Update vom 2.4.2025 - Na, wer ist drauf reingefallen?
Okay, Hand aufs Herz: Unser Beitrag (siehe unterhalb) über die verpflichtenden psychologischen Eignungstests für angehende Tauchlehrer war natürlich unser diesjähriger Aprilscherz.
Aber – und jetzt kommt das Spannende: So ganz abwegig fanden das viele offenbar gar nicht. In den Kommentaren gab’s eine Menge Zustimmung, ernsthafte Diskussionen und überraschend viele Stimmen, die so eine Maßnahme sogar begrüßen würden.
Was verrät uns das über die Tauchlehrerszene? Vielleicht, dass der Wunsch nach mehr Qualität, Verantwortung und Eignung durchaus da ist. Vielleicht auch, dass viele von euch in der Praxis schon erlebt haben, dass nicht jeder, der ein Brevet in der Hand hält, auch das Zeug dazu hat, andere unter Wasser auszubilden.
Wir danken euch für die vielen Reaktionen – und versprechen, auch nächstes Jahr wieder einen kleinen Denkzettel zu servieren, der vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt ist.
Bleibt entspannt – und taucht weiter mit klarem Kopf!
Euer Team von Taucher.Net
RSTC plant verpflichtende Eignungstests für Tauchlehrer – alle zwei Jahre
In der internationalen Tauchszene sorgt eine neue Initiative für Aufsehen: Der RSTC – Dachverband großer Ausbildungsorganisationen – will ab 2026 eine verpflichtende Eignungsprüfung für alle Tauchlehrer einführen. Alle zwei Jahre sollen aktive Dive Pros nachweisen, dass sie nicht nur unter Wasser, sondern auch an der Oberfläche mit Drucksituationen, Gruppendynamik und Stress professionell umgehen können. Was sich auf den ersten Blick wie ein Verwaltungsakt anhört, hat durchaus Substanz.
Denn Tauchlehrer tragen eine enorme Verantwortung – oft in Ausnahmesituationen, in fremden Ländern, mit unbekannten Gästen. Dass jemand zwar perfekte Skills im Wasser hat, aber im Umgang mit Menschen regelmäßig an seine Grenzen kommt, ist kein seltenes Phänomen. „Wir erleben immer wieder, dass Leute Tauchlehrer werden, obwohl sie für diesen Job menschlich nie gemacht waren. Kein Einfühlungsvermögen, keine Geduld, null Teamgeist – aber dafür stolz auf ihre 2000 Tauchgänge. Das reicht halt nicht mehr,“ sagt ein Ausbildungsleiter eines großen Tauchcenters im Mittelmeer.
Der neue Eignungstest soll genau hier ansetzen. Und zwar nicht nur, um „durchzuwinken“, sondern um gezielt Kompetenzen zu prüfen. In einer simulierten Stresssituation wird zum Beispiel abgefragt, wie ein Instructor reagiert, wenn zwei Schüler gleichzeitig Panik unter Wasser andeuten – einer mit Krampf, einer mit defekter Maske. Oder was passiert, wenn ein betrunkener Gast auf einem Safari-Boot plötzlich einen Tauchgang erzwingen will.
Aber auch psychologische Fallstricke werden abgefragt.
Etwa: „Ein Schüler hängt dir emotional an den Flossen, flirtet ständig, nervt das ganze Team – wie reagierst du?“ Oder: „Du hast seit 11 Tagen durchgearbeitet, bist müde, gereizt, dein Chef will noch einen Schnuppertauchgang am Abend – sagst du Nein oder ziehst du durch?“ In manchen Testmodulen geht es sogar subtiler zu. Eine Frage wie: „Stell dir vor, dein Schüler nennt dich aus Versehen 'Papa'. Wie fühlst du dich dabei?“ soll Reaktionen sichtbar machen – auch nonverbal, etwa durch Eye-Tracking in der Onlineprüfung. Ob das so umgesetzt wird? Derzeit wird noch diskutiert, welche Tools wirklich sinnvoll sind – aber die Richtung ist klar: Kein Platz mehr für emotionale Holzköpfe mit Brevet.
Doch was passiert mit Tauchlehrern, die die Eignung grundsätzlich nicht mitbringen?
Der RSTC plant, hier bereits im Ausbildungsprozess anzusetzen. Während der Instructor-Ausbildung sollen künftig auch Soft-Skills gezielter geschult und bewertet werden. Wer schon im Kurs auffällt durch aggressives Verhalten, fehlende Reflexion oder ein massives Autoritätsproblem, soll künftig nicht mehr durchgewunken werden. Natürlich bleibt es nicht aus, dass es auch Kritik an dem geplanten Test gibt.
Tina B., Tauchlehrerin auf den Kanaren, sieht das Ganze gelassen: „Klar, es ist eine weitere Hürde. Aber ehrlich – wenn du 10 Wochen am Stück arbeitest, dann 6 Schüler aus 4 Ländern im Ohr hast und gleichzeitig bei 3 Beaufort den Strand aufräumen musst, dann ist das hier fast Wellness. Ich find’s gut, dass endlich auch mal der psychische Teil ernst genommen wird.“
Anders sieht das Jens K., Instructor auf einem Safariboot in Ägypten: „Noch mehr Tests? Ich hab meine Karriere auf dem Rücken, nicht auf der Couch begonnen. Wer so’n Büro-Test braucht, um zu merken, ob jemand mit Menschen kann, der soll lieber Manager in Frankfurt ausbilden.“
Ein bisschen Wahrheit steckt wohl in beidem. Tatsache ist: Die Anforderungen an Tauchlehrer sind heute nicht mehr dieselben wie noch vor 20 Jahren. Die Gäste sind anspruchsvoller, die Social-Media-Welt verzeiht keine Unsicherheit, und auch die Zahl der „Problemgäste“ ist nicht kleiner geworden. Der RSTC jedenfalls meint es ernst – ab April 2026 sollen die ersten verpflichtenden Tests anlaufen. Wer den Test mehrfach nicht besteht, verliert seine Brevetierungsberechtigung vorübergehend – ein Tabu, das bislang nur bei groben Regelverstößen gezogen wurde.
Bleibt die Frage: Wie viele Tauchlehrer werden ehrlich zu sich selbst sein – und diesen Test nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen? Wir sind gespannt. Und vielleicht sollten wir alle mal ehrlich reflektieren: Wären wir fit für den nächsten Zwei-Wochen-Safarikurs mit 14 Gästen, 3 Teenagern, einem gestressten Chef, einem tropischen Sturm in der Vorhersage – und einem Schüler, der glaubt, dass Druckausgleich eine politische Einstellung ist?