Neozoen und das Problem mit den Ochsenfröschen

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02.02.2021 11:42
Kategorie: News

Der Ochsenfrosch: Ein Problem für die Tierwelt der Rheinauenlandschaft bei Karlsruhe

Als Neozoen werden Tierarten bezeichnet, die sich mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren und dort neue Populationen aufgebaut haben. Meistens, sind diese Arten, mit aktiver Hilfe des Menschen in fremde Regionen gelangt. Manchmal sind sie aber auch ungewollt aus Aquarien, Terrarien oder Tierfarmen geflüchtet.

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Ein gutes Nahrungsangebot und teils auch höhere Temperaturen sind ideale Voraussetzungen, um sich in einer fremden Umgebung zu etablieren. Der aus Nordamerika stammende Mink (Amerikanischer Nerz) zum Beispiel, wurde in Europa aus Pelztierfarmen befreit und die Bisamratte wurde in Mitteleuropa von Pelzhändlern ausgesetzt.

Häufiger jedoch passiert es, dass Tier- und Pflanzenarten (Neophyten) mit Transportwegen oder über Kanäle in fremde Gebiete gelangen. 150 Neozoen sind bis heute in deutschen Gewässern nachgewiesen wie zum Beispiel die Wollhandkrabbe, die aus Asien eingeschleppt wurde oder die Körbchenmuschel, die es mittlerweile bis in den Bodensee geschafft hat.

Die eingeschleppten Arten können sowohl zur Bereicherung als auch zur Bedrohung der lokalen Artenvielfalt führen. Seit Jahrzehnten nehmen gebietsfremde Arten weltweit zu. Und nicht nur das: Die Zunahmen wurden in den letzten Jahren sogar stärker. Das wird allmählich zu einem Problem, denn Neozoen können auch erhebliche Schäden anrichten. Sie verdrängen einheimische Arten oder verursachen ökonomische und gesundheitliche Folgekosten.

Ein Beispiel hierfür ist der eher unbekannte Ochsenfrosch. Die Amphibie, die aus Nordamerika eingeschleppt wurde, stellt mittlerweile ein ziemliches Problem für die Tierwelt der Rheinauenlandschaft bei Karlsruhe dar.

Ein Gigant bedroht die heimische Tierwelt

Doch warum ist der gigantische Frosch, der eine Körpergröße von ca. 60 cm besitzt und etwa ein Kilo schwer ist, so ein großes Problem? Und was ist jetzt zu tun? „Genau diese Frage, habe ich einer Biologin gestellt, als ich bei einer Kaulquappen Sammelaktion dabei sein konnte“ erklärt der 46-jährige Martin Hess aus Böblingen. Er beschäftigt sich schon seit mehr als 3 Jahren mit diesem Thema und veröffentlichte vor einiger Zeit eine selbst gedrehte Dokumentation über das Problem mit diesen Amphibien.

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Die Biologin erklärte mir daraufhin, dass die Ochsenfrösche einen sehr guten Stoffwechsel haben und nicht wirklich wählerisch bei der Nahrungssuche sind. Sie bedrohen einheimische Lurche und Salamander. Aber das größte Problem ist: Sie haben keine natürlichen Feinde!“ erläutert er.

Um das Problem einzudämmen und den Populationsdruck zu entschärfen, finden sogenannte Sammelaktionen im Karlsruher Raum statt. Hier werden die Kaulquappen von Tauchern gesammelt bevor sie zu Fröschen werden. Diese Aktionen sind genehmigt und finden immer im Beisein eines Biologen statt.

Ochsenfrösche fühlen sich sehr wohl hier bei uns... Deshalb, vermehren sie sich auch so rasant. Aus einem einzigen Laichballen schlüpfen bis zu 25.000 Kaulquappen. Genau das macht es uns besonders schwer, das Problem einzudämmen“ so Martin Hess.

Momentan sind nur 5 Seen hier im Raum betroffen. Wenn man jetzt nicht sammeln würde, und das kennen wir gerade von Corona, was es bedeutet, wenn eine Population sehr schnell wächst, dann könnte es sein, dass die Ochsenfrösche sich über sämtliche Seen verbreiten und die Art quasi explodiert.

Ob man das Problem mit den ungeliebten quakenden Migranten auf diese Art und Weise jetzt endgültig beseitigen kann, ist eher unwahrscheinlich.

Ich persönlich habe es auch in meiner Dokumentation gesagt, ich glaube nicht, dass man dieses Problem noch mit Sammelaktionen gelöst bekommt. Wir können jedoch mit diesen Aktionen probieren, den Populationsdruck zu verlangsamen. So kann sich die Natur besser darauf einstellen. Wir müssen der Natur die Zeit geben, sich damit zu arrangieren.

Der "Rana catesbeiana" zählt zu den größten Froscharten der Welt. Wahrscheinlich aus geschäftlichen Interessen wurde er einst aus Amerika nach Europa gebracht und in Norditalien und Westfrankreich angesiedelt.

Behörden vermuten, dass ein Zoohändler den glitschigen Vielfraß an einem Seitenarm des Rheins "entsorgt" hat. So ist er auch in den Badischen Raum gelangt und hat angefangen, sich auszubreiten. Jetzt bleibt nichts anderes, als dafür zu sorgen, dass die Ausbreitungskurve verlangsamt wird.

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Können wir Taucher dabei helfen?

Momentan gibt es einen Aufruf“ erklärt Martin. „Taucher, die den Ochsenfrosch sichten, sollten ihn melden!“ Sichtungen und Meldungen von Tauchern am besten über: neobiota.info/sb_Ochsenfrosch.

Eigeninitiativen sollen zum Schutz der Umwelt auf keinen Fall entstehen. „Die Kaulquappen sind zwar riesig, aber oft passieren trotzdem Verwechslungen. Die Sammelaktionen finden in Seen, Schilf und im Uferbereich statt. Wenn Horden jetzt losrennen würden, um die Kaulquappen zu sammeln, schaden sie der Umwelt mehr, als dass sie helfen würden.

Bei jeder Sammelaktion werden Daten gewonnen, die helfen sollen, das Problem in den Griff zu bekommen. Jedes einzelne Tier wird vermessen und dokumentiert. Das wichtigste ist jedoch, dass die Tiere auf keinen Fall leiden... Deshalb ist immer ein Biologe mit dabei. Gesetzlich ist es nämlich verboten, Amphibien einfach so zu fangen.

Als die Karlsruher Behörden Ende der neunziger Jahre erstmals auf Ochsenfrösche stießen, war zunächst nur ein kleiner See betroffen. Kurze Zeit später wurden in zehn verschiedenen Gewässern Ochsenfroschpopulationen nachgewiesen.

„Es wurde erreicht, dass das Problem immer noch sehr lokal ist. Hannelore Brandt, die Präsidentin des Badischen Tauchverbands meinte, dass in den ersten Jahren rund Zweitausend Exemplare gesammelt wurden. Mittlerweile sind wir bei Zwanzigtausend pro Jahr. Soweit wir bis jetzt wissen, ist das Problem nur im Großraum Karlsruhe existent.

Es ist ein Erfolg für die Aktion, dass bis jetzt noch keine weiteren Gebiete betroffen sind!“ so Martin Hess.