Indoor-Tauchzentren. Fluch oder Segen?

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12.06.2013 07:13
Kategorie: Diverses


Auch, wenn die Wassertemperaturen in deutschen Seen immer noch niedrig liegen: Der Höhepunkt der heimischen Tauchsaison steht unmittelbar bevor. Wer sich und seine Ausrüstung fit für den See oder Sommerurlaub machen will, sucht jetzt oftmals ein Indoorzentrum auf: DiveInside hat sich drei große Anlangen in Nordrhein-Westfalen genauer angeschaut – und dabei auch Taucher getroffen, die die Möglichkeiten dieser Anlagen weit überschätzen.

Bericht von Linus Geschke

Ein Fazit direkt am Anfang: Kein Indoorzentrum dieser Welt kann auch nur annähernd vermitteln, was die "Faszination Tauchen" ausmacht – es bleiben künstliche Lösungen mit begrenztem Erlebniswert, aber hohem Komfort. Gerade für Einsteiger, Kursabsolventen oder Gelegenheitstaucher sind die Warmwasser-Welten ideal, um sich auf das vorzubereiten, was den Tauchsport später ausmacht: das Entdecken eines realen Lebensraumes. Und so verwundert es nicht, dass gerade die kommerziellen Ausbildungsorganisationen zu den größten Verfechtern der Indoorzentren gehören: Wer sich in den besucherstarken Anlagen umschaut, dem wird die jeweilige Verbandsnähe dort kaum verborgen bleiben – manch ein Kritiker bezeichnet diese schon als "Ausbildungsfabriken".

Nicht ganz zu Unrecht: Beheizte Anlagen wie das Dive4life in Siegburg oder das monte mare in Rheinbach bieten das ganze Jahr über Kurse an und werden auch von umliegenden Tauchschulen gern zur Ausbildung genutzt. "Momentan herrscht in den Indoorzentren Hochsaison", sagt Guido Wätzig vom Ausbildungsverband Scuba School International (SSI). „Wer jetzt mit den Kursen beginnt, kann dafür den Tauchurlaub von Beginn an genießen, anstatt die ersten vier Urlaubstage mit der Ausbildung zu verbringen." Rund 400 Taucher jährlich durchlaufen alleine im monte mare einen Einsteigerkurs, verrät Kerstin Weiland, Leiterin der dortigen Tauchschule. "Dazu kommen nochmal rund 2500 Schnuppertauchgänge – die Schüler der umliegenden Tauchschulen, die hier ebenfalls ausbilden, nicht mitgerechnet."

Neueinsteiger sollten dabei ein paar Grundregeln beachten, die in Deutschland ebenso gelten wie bei einer Tauchausbildung im Urlaub. Anfänger sollten sich nicht von verdächtig niedrigen Angeboten beindrucken lassen", meint Thomas Kromp, Ausbildungsleiter des International Aquanautic Club (I.A.C.). "Etwas, das nix kostet, ist in der Regel auch nix. Verantwortungsbewusste Tauchlehrer, die eine qualifiziert hohe Ausbildung anbieten, müssen auch einen dementsprechenden Preis verlangen: 300 bis 400 Euro für den Einsteigerkurs sind da ein guter Richtwert.

"Oftmals sind verdächtig günstige Kurspreise sowieso nur Lockangebote", weiß Ariane Schild von der Kölner Tauchschule rHeintauchen. "Später wird dann abkassiert: für den Eintritt ins Tauchzentrum oder für die notwendigen Lernmaterialien. Besonders beliebt: Das günstige Angebot gilt nur, wenn gleichzeitig zu horrenden Preisen auch die Leihausrüstung gemietet wird. Eine seriöse Tauchschule hat diese zumeist im Preis inkludiert."

Die Grenzen der künstlichen Welten


Aber es sind nicht ausschließlich Anfänger und Tauchschulen, die die künstlichen Erlebniswelten aufsuchen. Auch Taucher mit vielen Tauchgängen nutzen die wohltemperierten Becken, um dort regelmäßig Übungen durchzuführen, neues Equipment zu testen oder um sich für den nächsten Urlaub in Form zu bringen. "Wir haben Gäste", so Kerstin Weiland, "die kommen alle zwei Wochen bei uns vorbei – und dies das ganze Jahr über."

Diese Fokussierung hat jedoch auch ihre Schattenseiten: Immer häufiger trifft DiveInside während unserer Reisen auf Taucher, die mit weniger als hundert Tauchgängen ihren Divemaster oder DiveCon gemacht haben; die überwältigende Mehrheit dieser Tauchgänge wurde dabei in einem Indoorcenter durchgeführt. Oft fällt eines auf: Ein Großteil dieser Taucher ist – trotz ihrer hohen Brevetierungsstufen – in der Praxis nicht selten heillos überfordert, sobald sie das erste Mal auf Strömung und Steilwände treffen, auf Freiwasserabstiege und Wellen.

Ein Indoorcenter hat viele Vorteile, die aber, wenn man sie mit der taucherischen Praxis im See und im Meer vergleicht, auch Nachteile haben: die kalkulierbaren Bedingungen, die räumliche Beschränkung, das warme, transparente und strömungsfreie Wasser. Dies alles ist gut für die ersten Schritte unter Wasser oder für spätere Übungen – man muss sich nur im Klaren darüber sein, dass diese Tauchgänge die in der Natur mit ihren wechselnden Bedingungen nicht ersetzen können. Was haben die Anlagen also außer Wärme noch zu bieten?

DiveInside hat sich in Nordrhein-Westfalen drei der beliebtesten Unterwasserwelten genauer angesehen:

Die Indoor-Tauchzentren


Dive4life, Siegburg

Kontaktdaten:
Zeithstr. 110
53721 Siegburg

Telefon: 02241-9572185
Web: Dive4life, Siegburg
Mit 20 Metern Maximaltiefe ist das drei Millionen Liter fassende Becken das tiefste Indoorcenter Deutschlands – und laut Bewertungen das beliebteste bei den Taucher.Net-Usern! Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbildungsbetrieb, der vom Anfänger bis zum Tauchlehrer reicht: Plattformen in vier und fünf Metern Tiefe sind ideal für die ersten Übungen im 26 Grad warmen Wasser. Ansonsten gibt es Skulpturen und nachgebaute Tempelanlagen zu sehen, man taucht an einem Plastikhai vorbei und kann kleine Höhlenpassagen durchqueren.



Ein angeschlossenes Hotel sowie ein Freizeitbad machen das Dive4life auch für Wochenendausflüge geeignet. Wie in allen anderen Anlagen ist eine Voranmeldung empfehlenswert.

monte mare, Rheinbach

Kontaktdaten:
Münstereifeler Str. 69
D 53359 Rheinbach

Telefon: 02226-903011
Web: monte mare, Rheinbach
Das unweit von Köln und Bonn gelegene monte mare gilt bei vielen Tauchern als das tropischste Tauchbecken der Region: Die gut zwei Millionen Liter Wasser haben eine Temperatur von 28 Grad. Mit einer Maximaltiefe von zehn Metern ist das monte mare ein ideales Ausbildungsbecken, versehen mit drei Trainings-Ebenen, welches auch von vielen umliegenden Tauchschulen häufig genutzt wird.



Unter Wasser stößt man auf sprudelnde Vulkane und eine Götterstatue, durchquert Röhren und die Nachbildung eines Schiffswracks, welches kieloben auf Grund liegt. Ein Freizeitbad mit großem Saunabereich und Gastronomie macht den Besuch im monte mare auch für die nichttauchende Begleitung interessant.

SeaLife, Oberhausen

Kontaktdaten:
Zum Aquarium 1
46047 Oberhausen

Telefon: 0208 - 44488444
Web: SeaLife, Oberhausen
Das Oberhausener SeaLife ist vermutlich das bekannteste Aquarium in Deutschland – das es zudem der exotischste Tauchplatz des Landes ist, wissen dagegen nur wenige. Mitten im Ruhrgebiet können ausgebildete Taucher hier mit Ammen- und Schwarzspitzenhaien tauchen, während Schildkröten, Stachelmakrelen und ein skurril aussehender Sägefisch um sie herum kreisen.

Möglich macht dies die Kooperation mit der Duisburger Tauchschule "einfach nur tauchen", die auch bei der regelmäßigen Reinigung des Beckens hilft. "Wir nehmen jeweils einen Besucher pro Guide mit", erklärt Tauchlehrer Dirk Wondrak, "und das nur, wenn wir uns vorher bei einem Probetauchgang von seinen Fähigkeiten überzeugt haben."



Für eine Stunde inmitten von Großfischen zahlt man 150 Euro. Das mag viel sein für einen einzigen Tauchgang – aber wenig für das Erlebnis, in Deutschland einen lebenden Hai vor die Maske zu bekommen.



Video zum Thema:



Ein ausführliches Video vom Dive4life in Siegburg zeigt das Indoortauchzentrum von allen Seiten.