Christmas Island

Teile:
20.10.2020 16:20
Kategorie: Reise

Sichere Alternative für die unsichere Zukunft

Eine Insel inmitten des indischen Ozeans, zwischen Indonesien und Australien, weit ab von politischen Zwängen und Kriegsphantasien: Christmas Island.

 

Das lange Warten hat scheinbar ein Ende. Etwas schwerfällig schiebt die rote Krabbe eines ihrer sechs Beine durch den weißen Sand, um ihrem Ziel ein paar wesentliche Zentimeter näher zu kommen. Sie gehört zu einer kleinen Vorhut, der bald Millionen Artgenossen folgen sollen, um an den Stränden von Christmas Island ihre Eier abzulegen und dadurch eine biologische Nahrungskette in Gang zu setzen, an deren Ende der Walhai steht. Noch ist es aber nicht soweit. Noch warten Mensch und Krabbe auf das erlösende Signal von höchster Stelle. Erst mal muss es ordentlich regnen, damit die Krabbenweibchen in Scharen aus dem Wald strömen und die Insel invasionsartig mit einem blutroten Teppich aus Krabbenleibern überziehen, der die Insel bekannt gemacht hat. Ein Anblick, der die einen fasziniert und bei anderen Menschen puren Ekel auslöst. 

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Bericht von Gerald Nowak


Wie gesagt, noch ist es nicht soweit, denn auf Christmas Island hat man wenig übrig für das hastige Tempo im Rest der Welt. Hier geht man die Dinge gemächlich an. Eine Eigenschaft, die vielleicht auch David Watchorn, so gefallen hat, als er 2017 hier die Tauchschule der Extra Divers eröffnete. Christmas Island ist Schmelztiegel der Kulturen. Hier leben und arbeiten Australier, Japaner, Malaien, Chinesen und Europäer in Eintracht miteinander.

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Man sollte allerdings die Ruhe weghaben, um bei den alltäglichen Versorgungsengpässen nicht in die Luft zu gehen. Die Insel liegt 360 km von der Küste Javas entfernt, aber die meisten Waren kommen per Schiff aus Australien. Wochenlanges Warten auf ein Ersatzteil fürs Auto, heiß ersehnte Lebensmittel oder dringend erwartete Postpakete? David schmunzelt nur mit bedächtigem Blick und zuckt mit den Schultern, da ist dann eben Improvisationstalent gefragt, und das hat er. Inzwischen konnte David schon zahlreiche Taucher und Unterwasserfotografen bei den Extra Divers Christmas Island begrüßen. Alle lieben seine Kompetenz und langjährige Erfahrung.

Große Vielfalt an prächtigen und gesunden Korallengärten

Schon bei der Ankunft wird klar, warum diese Insel nicht vom Massentourismus überrollt wird. Dicht bewaldet und von schroffem Lavafels umkleidet, schützt sich die Insel vor dem Ansturm der Wellen und der Welt, Strände sind rar. Zwar nehmen die Brecher keine atlantischen Ausmaße an, aber in den Monsunmonaten können sie schon Respekt einflößend über die Klippen donnern. Dann heißt es Boote aus dem Wasser und Taucher schauen sehnsüchtig aufs Meer. Doch dies beschränkt sich auf wenige Tage im Jahr und die sonnigen Monate überwiegen eindeutig. Selbst wenn es im Herbst, einmal öfter regnet, scheint dabei die Sonne und die See ist ruhig.

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Durch eine vulkanische Eruption ist Christmas Island als Spitze eines unterseeischen Berges vor einigen Millionen Jahren entstanden. Kleine Plateaus und steil abfallende Steilwände kennzeichnen die Riffe rund um die Insel, der Meeresboden sinkt bis weit über tausend Meter ab. Das warme Wasser, das die Insel ganzjährig umspült, ist die ideale Voraussetzung für Wachstum der Korallen. So findet sich auf den überwiegend schmalen Riffdächern eine große Vielfalt an prächtigen und gesunden Korallengärten.

Weit über zweihundert verschiedene Steinkorallenarten wurden gezählt, die sich dicht an dicht gedrängt den spärlichen Platz knapp unter der Meeresoberfläche teilen. Große Gorgonien und Lederkorallen bevölkern die meist senkrechten oder sogar überhängenden Steilwände und bieten Unterschlupf für viele Riffbewohner. Besonders schöne Korallenplätze befinden sich an den strömungsreichen Eckpunkten der Insel. Hier wachsen an den senkrechten Steilwänden meterlange Spiralkorallen, gigantische Gorgonien und bunte Schwämme. Dazwischen leben unzählige Kleintiere. Gleich mehrere der seltenen Drachenmuränen leben direkt vor der Haustüre der Tauchbasis am Riff, das hier ein langsam abfallendes Dach bildet und Tummelplatz vieler außergewöhnlicher Meeresbewohner ist. Nur paar hundert Meter weiter vor dem Hafen gelegen, befindet sich eine riesige Kolonie von Säulenkorallen, die sich Drachen- und Russkopfmuränen als Behausung zu Eigen gemacht haben.

Tümmler und Spinnerdelphine leben rund um die Insel

Der poröse Lavastein hat an einigen Stellen größere Höhlen gebildet, die auch betaucht werden können. Eine der spektakulärsten ist die Thundercliff Cave. Sie zieht sich weit in den Fels hinein und ist mit einer Tiefe von gerade mal acht Metern auch für Anfänger geeignet. Nur wenige Meter hinter dem Eingang befindet sich eine riesige luftgefüllte Kammer, in der man unbedenklich auftauchen und die Tropfsteine im Schein der Tauchlampen bewundern kann. Am Ende der Höhle gibt es noch ein Becken, in dem Höhlengarnelen leben. Sie werden vom Licht der Tauchlampen geradezu magisch angezogen und tanzen dann an der Wasseroberfläche. Auf dem Rückweg trifft man kurz vor dem Ausgang auf einen riesigen Schwarm Bleibauchfische. Im Gegensatz zu ihren krabbelnden Kollegen aus dem hinteren Teil der Höhle, versuchen sie dem Licht der Lampen zu entkommen und jagen davon.

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Auf den Ausfahrten zu den Tauchplätzen begegnet man häufiger auch Delphinen. Tümmler und Spinnerdelphine leben rund um die Insel und kommen, wenn sie in Laune sind, den Booten sehr nahe. Manchmal begleiten sie das Tauchboot auch eine Weile und lassen Schnorchler an sich heran. An den Divespots sind Großfische hingegen nicht so häufig, trotz teilweise kräftiger Strömungen und exponierter Lage. Einmal im Jahr allerdings, wenn alle Bedingungen stimmen, kommen die großen Planktonfresser, wie Walhaie und Mantas, nach Christmas Island, um sich an den Eiern der Krabben satt zu fressen. Nur den richten Zeitpunkt muss man erwischen, denn alles muss stimmen: Nach dem Vollmond muss es regnen, denn nur dann wandern die Krabben, die Strömungen sollen die ins Meer gelegten Eier nicht vorspülen, denn nur dann können die Kleinen zurück. Auch wenn Milliarden dies nicht schaffen, wird Christmas dann von einem roten millionenschweren Teppich junger Krabben überzogen. Geschieht dies nur alle fünf bis acht Jahre, gibt es genug Nachwuchs, um den Bestand der roten Krabben auf Christmas zu sichern.

Christmas Island – Insel Infos

Die Inseln: Die Insel wurde zu Weihnachten im Jahre 1643 von englischen Seefahrern entdeckt aber erst 1887, nach der Entdeckung des phosphathaltigen Bodens, besiedelt. Im Jahre 1958 verkaufte Großbritannien die Insel an Australien. Sie ist die Spitze eines unterseeischen Berges, wodurch die wunderschönen Riffe sehr steil abfallen. Fast zwei Drittel der 135 qkm großen Insel sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen und Rückzugsgebiet vieler endemischer Tiere. Bekannt ist Christmas Island durch die hier lebenden roten Krabben, die jedes Jahr zwischen Oktober und Dezember aus den Wäldern zur Paarung an die felsige Lavaküste herunterkommen. Es gibt jedoch noch viele weitere Attraktionen. Tropische Vögel, Wasserfälle, Blowholes und den höchstgelegenen Mangrovenwald der Erde, sowie 12 weitere Krabbenarten, darunter die größte Population an Kokosnusskrabben leben hier.

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Tauchen: Traumhafte Steinkorallengärten und unendliche Steilwände mit riesigen Gorgonien rund um die Insel. Fast das ganze Jahr über sehr gute Sichtverhältnisse und Wassertemperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius. Auch die Makrowelt hat einige interessante Lebewesen zu bieten, so gibt es feste Plätze, an denen Geister- oder Drachenmuränen leben. Auch Fetzen- und Anglerfische, seltene Nacktschnecken und vieles mehr sind zu sehen. An strömungsreichen Plätzen finden sich auch Grauhaie und Makrelenschwärme ein. Die großen Walhaie kommen meist in den Monaten November bis März, wobei dies von der Krabbenwanderung abhängt.

Anreise: In der Tauch-Saison via Jakarta in ca. 50 Minuten mit einer Chartermaschine direkt nach Christmas Island, alternativ via Perth  (Australien Festland) zweimal wöchentlich mit National Jet.

Unterkunft: Kleine moderne Resorts mit und ohne Frühstücksservice. Alle sind mit eigenem Bad und Toilette, Klimaanlage, Ventilator, Telefon, TV, Kühlschrank und Kaffeekocher eingerichtet. Die Unterkünfte sind jedoch nur Übernachtungsgäste ausgerichtet. Hoteleigene Badestrände,  Fitnessräume, Kinderbetreuung, Unterhaltungsprogramme und ähnliches gibt es nicht.

Klima: Durch die Äquator-Nähe herrscht das ganze Jahr tropisches Wetter. Die trockene Jahreszeit ist von Mai bis November, wenn der Südost Passat weht, gibt es kaum Regen und die Temperaturen sind in der Regel sehr angenehm. Von Dezember bis April regiert der Nordwest Monsun mit kräftigen tropischen Schauern, hoher Luftfeuchtigkeit und manchmal heftigen Wirbelstürmen. Die heftigsten Niederschläge sind im Februar und März. Die Lufttemperatur liegt fast das ganze Jahr durch bei angenehmen 28 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 80 bis 90 %.

Küche: Das kulinarische Angebot entspricht dem australischen Geschmack: Futtern wie bei Muttern. Riesige Portionen zu bezahlbaren Preisen. Ruhig auch mal nach halben Portionen fragen, die sind immer noch reichlich! Vor allem Fisch und Fleisch bestimmen die Speisekarte, aber auch italienische und südostasiatische Einflüsse sind zu spüren. Da auf Christmas viele Fremdarbeiter leben, die überwiegend zu Mittag essen gehen, ist das Abendangebot auf das Rumah Tinggi (malaiisch), das Golden Bosun (australisch), Gecko Pizza (Pizzeria) und das Silver Birch Restaurant (chinesisch) beschränkt.

Sonstige Aktivitäten: Surfen, Fischen, Golfen, Tennis, Biken, Wandern, Vogel- und Tierbeobachtungen, Wasserfälle, Blowholes, Museumsbesuch und Freilichtkino. Was gerade aktuell ist, steht auf der riesigen Wandzeitung in Settlement.

Zeitverschiebung:
Christmas Island MEZ + 5 Stunden im Sommer
Internet: Christmas Island Tourism Board: www.christmas.net.au
Veranstalter: WATERWORLD Tauchreisen, Rettenbergstrasse 32, AT-6114 Kolsass, Austria, Tel  +43 (0) 5224 / 67 455, Email: info@waterworld.at, Internet: www.waterworld.at

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Basis-Steckbrief:
Website: extradivers-worldwide.com/de/textra-divers-christmas-island
Sprachen: Englisch
Saison: ganzjährig
Tauchguides: zwei, je nach Bedarf mehr
Hausriff: nein
Tauchschiff: eins für max. 20 Personen inklusiv Crew und Guide
Flaschen: Alu, DIN (INT verfügbar)
Anzugverleih: ja, Aqua Lung
Equipmentverleih: ja
Nitrox: ja, 32%
Rebreather: nein, Kalk und Sauerstoff kann mit Vorlauf organisiert werden.
Verleih Fotoausrüstung: ja, Kompaktkamera
Scooter: 2 Bonex Scooter


Extra Divers Christmas Island auf Taucher.Net


Resort-Steckbrief: Sunset Resort
Anschrift: P.O. Box 579, Christmas Island, Indian Ocean, WA 6798, Australia
Tel.: (0061 8 9164) 7500
E-Mail: info@thesunset.cx
Website: www.thesunset.cx
Kategorie: ***
Kapazität: 12 Zimmer
Einrichtung: kleiner Pool, WiFi, AirCon, Coffee Maker, Toaster, Microwelle,
Entfernung zum Flughafen: 10 Minuten
Transfer: Taxi
Kreditkarten: AMEX, Visa, MC,
Restaurant: nein, mehrere Restaurants in der Nähe (z.B. Golden Bosun, Rachel`s Noodle Shop, Idah Kitschen)
Bar: nein, neben an im Golden Bosun oder
Supermarkt: CI Supermarkt 500m, Al Barakah 1000m,
buchbar: www.waterworld.at
 

Sonderreise: Christmas Island 01.12.2022 - 18.12.2022. www.waterworld.at/specials/christmas-island-2022
Preis: ab 2.800 Euro (14 Übernachtungen, Verbindungsflug ab Jakarta inkl. 10 kg extra Tauchgepäck, 2x5 Tage Tauchpaket à 2 TG täglich). Langstreckenflug ab ca. 650 Euro – buchbar 330 Tage vor Reisebeginn. Mietwagen
Anfragen: gerald@waterworld.de

Top Five:
The Cove: Einer der wenigen Hafentauchplätze der Welt, die außergewöhnlich spektakulär sind. Traumhaftes Korallendach, der in einen Steilabbruch übergeht und in unendliche Tiefen abfällt. Bei ca. 28 Metern trifft man auf ein Sternsäulen-Korallenfeld mit riesigem Ausmaß. Hier leben mehrere Drachenmuränen und erst vor kurzem wurde hier der erste Anglerfisch der Insel gefunden.

Thundercliff Cave: Eine der spektakulärsten betauchbaren Meereshöhlen mit Stalaktiten und Stalagmiten. Die nur maximal acht Meter tiefe Höhle hat mehrere Highlights. Bereits im Eingangsbereich trifft man auf tausende! Bleibauchfische. Danach geht es in eine Tropfsteinhöhle, in der man auftauchen kann. Unter erfahrener Führung findet man am Ende der Höhle auch seltene Höhlengarnelen, die im Licht der Tauchlampen an der Wasseroberfläche tanzen. 

Coconut Point: Traumhaftes Korallenplateau mit kleinen Fischschwärmen bis ca. 15 Metern Tiefe. Danach Übergang in eine senkrechte Steilwand, die über 30 Meter abfällt und mit großen Gorgonien und bunten Korallen bewachsen ist. Häufig sind ist hier eine Schule Makrelen anzutreffen.

North West Point: Bei Strömung ein idealer Platz um Grauhaie und Fischschulen anzutreffen. Wunderschöne Korallenlandschaft mit wechselnder UW-Landschaft und vielen Rifffischen. Überwiegend steil abfallendes Riff, stellenweise auch senkrechte Steilwand.

The Perpendicular Wall: Wahrscheinlich die spektakulärste Steilwand der Insel. Viele Überhänge und kleine Höhlen mit ausgezeichnetem Gorgonien- und Korallenbewuchs. Bei Strömung auch öfters Haie, Makrelen und Thuns. Je nach Strömungsrichtung am Anfang oder Ende ein riesiger Überhang mit rotem Gorgonienwald in nur acht Metern Tiefe.

Tauchen Christmas Island
Schwierigkeit: 3 (von 10)
Großfische: 3 (in der Walhaizeit 8 (von 10))
Höhlentauchen: 9 (von 10)
Steilwandtauchen: 8 (von 10)
Mittlere Sichtweite: 7 (20-40m)

Tauchbasen: 2 englisch/japanische
Dekokammern bis 100 km: nein (nächste in Jakarta/360 km)
Anzug: 3 - 5 mm