Abenteuer Französisch-Polynesien

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16.07.2026 20:44
Kategorie: News

Am anderen Ende der Welt

Es gibt Orte, deren Name allein schon wie ein exotisches Versprechen klingt. Tahiti [taˈiːti] (allein dieser Klang!) gehört genau zu diesen Versprechen. Historisch denkt man an James Cook, das klassische Südseeflair und die Zeit der Abenteuer und Entdeckungen. Als Taucher sieht man Fotos mit unzähligen Haien und intensiven Unterwasserbegegnungen vor sich. Auch unter diesem Aspekt stellen diese Inseln am anderen Ende der Welt ein Versprechen dar.

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So wird man dann auch wirklich klassisch mit polynesischen Tänzen am Flughafen empfangen. Wer jetzt denkt, das ist etwas zu viel des Guten, wird sich wundern. Wenig später bekommt man von den Angestellten des örtlichen Reiseorganisators eine klassische Blumenkette umgehangen. Etwas kitschig? Mag sein und dennoch eine liebenswerte Geste, die das Gefühl von angekommen zu sein vermittelt.

Die Ankunft selbst ist in diesem Fall allerdings auch wirklich von Bedeutung. Die Standardanreise von Mitteleuropa geht zunächst zu einem der großen Flughäfen in den Vereinigten Staaten, in unserem Fall Los Angeles und dann weiter nach Papetee, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien. Während der erste Flug um die zwölf Stunden dauert, schlägt der zweite nochmals mit neun zu Buche. Den Zwischenstopp in LA mit zusätzlich sechs bis sieben Stunden Aufenthalt erwähnt man dann schon gar nicht mehr.

Bedarf es für unser endgültiges Ziel auch nochmals einen kurzen Flug, haben wir zunächst zwei Tage Stopover. Zeit genug, um eine Tour ins Hochland Tahitis zu buchen, die Wasserfälle zu bewundern und etwas über die Geschichte der polynesischen Ureinwohner zu erfahren. Wie so oft wendete sich mit der Entdeckung durch die Europäer wenig zum Guten. Und mit dieser Anspielung beziehen wir uns nicht nur auf Käpt’n Bligh und seine „Bounty“.

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Wie schon angedeutet ist das eigentliche Ziel unserer „Waterworld“ Gruppenreise allerdings nicht Tahiti, sondern das östlicher gelegene Archipel der Tuamotus Inseln. Also zurück ins Flugzeug und den kurzen Hüpfer ins Atoll hinter sich bringen.

Was verschlägt Taucher eigentlich im Juni in diesen abgelegenen Teil der Welt?

Die Frage lässt sich einfach beantworten. Zum ersten Vollmond im Juni sammeln sich die „getarnten Zackenbarsche“ oder etwas eingänglicher „Camouflage Grouper“ am Tetemanu Pass und laichen gleichzeitig ab. Der Laich wird dann von der auslaufenden Strömung in den offenen Ozean getragen.

Mit diesem Ziel landen wir auf dem provinzialen Flughafen von Fakarava und werden mittels Shuttle zu unserer Heimat der nächsten zwei Wochen gebracht. Die „Aqua Tiki III“ ist ein Katamaran, der neben vier Besatzungsmitgliedern Platz für zehn Gäste bietet. Getaucht wird in zwei Gruppen, mit je einem ortsvertrauten Guide.

Gerade weil sich unsere Einleitung jetzt ähnlich langzieht wie unsere Anreise, ist es an der Zeit, den Kopf unter Wasser zu stecken und über die Dinge unterhalb der Oberfläche zu berichten. Unsere ersten Tauchgänge vor „Toau“ sind als Check- und Eingewöhnungstauchgänge geplant. Im Wasser erwarten uns jedoch zutrauliche Mantas, die komplett vergessen lassen, auch nur irgendetwas zu „checken“. Diese sanften Riesen in Armreichweite zu haben, die immer wieder neugierigen Annäherungen zu erleben, lassen auch den Checktag bereits zu einem Erlebnis für sich werden!

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Schon der kommende Tag zeigt, dass Tauchen in der Südsee mehr ist als nur am Riff „abzuhängen“ und bewegungslos große Mantas zu bewundern. Unser erster Kanal im „Apataki Atoll“ zeigt uns deutlich die Grenzen menschlichen Schwimmvermögens auf. An einigen strömungsexponierten Stellen wird aus „Tauchen“ eher eine Art Bergsteigen. Für unseren Kampf mit den Naturgewalten werden wir dafür reichlich belohnt! Immer wieder sehen wir ganze Wände von Haien: Schwarzspitzen, Weißspitzen, graue Riffhaie in solchen Mengen, dass man sie nicht einmal zählen kann. Dazu gesellt sich auch mal ein Zitronenhai, ein Ammenhai oder eine Silberspitze. Wem dies noch nicht reicht, auch Hammerhaie und Tigerhaie werden häufiger gesehen, doch diese Topprädatoren halten  eine respektvolle Distanz zu unserer blubbernden Truppe.

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Im Gegensatz zu den Malediven, wo man versucht, an einer guten Stelle im Kanaleingang den Riffhaken zu setzen und dann wartet, versucht man in Tuamotus, in Überhängen und kleinen Höhlen der Strömung aus dem Weg zu gehen. So schweben die Haie immer wieder an den Öffnungen der Grotten vorbei, schwerelos und spielerisch, während wir für den Weg hierher und von hier weg strampeln, pumpen und literweise Luft ins Wasser blasen.

Aufgrund des Zahlenverhältnisses von Crew zu Gästen werden auf der „Aqua Tiki“ nur zwei Tauchgänge am Tag durchgeführt. Dies ist allerdings mehr als verständlich: Jeder in der Crew hat eine Doppelfunktion! Daisy ist als Köchin wohl die wichtigste Kraft an Bord. Die Küche ist, wie es auf einem Atoll mitten im Meer zu erwarten ist, sehr fischlastig. Als Alternative zu Fisch gibt es eigentlich nur vegetarische Küche; für ausgesprochene Fleischliebhaber also eine Herausforderung. Allerdings zaubert Daisy gerade gegen Ende der Tour dann doch das eine oder andere Stück Rind oder Huhn heraus. Wenn sie nicht kocht oder dem Dingi beim Anlegen hilft, dann tauscht sie die Handtücher oder… oder… oder.

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Fred, der Kapitän, segelt die Aqua Tiki zum nächsten Ziel. Oft die Nacht hindurch, während er tagsüber das Dingi fährt und den Tauchbetrieb absichert. Die Diveguides sind zusätzlich „Mädels für alles“. Unterstützung bei der Ausrüstung der Gäste, Flaschen füllen, das Boot reinigen oder das Essen servieren. Ein gut eingespieltes Team; dies ist auch notwendig, um die Arbeit zu erledigen!

Die Zeit vergeht und wir nähern uns dem Vollmond. Inzwischen sind wir zurück im Fakarava Atoll, betauchen den legendären Nordpass und auch erstmalig den Südpass „Tetemanu“, an welchem das „Grouper Spawning“ stattfinden wird. Haie begleiten jeden Tauchgang. Klar sind viele schon wegen des Großereignisses hier. So ein Event wie das Spawning lassen sich auch die Jäger der Meere nicht entgehen.

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Doch bevor es soweit ist, gönnen wir uns noch ein weiteres Highlight. Einen Dämmerungstauchgang vor Tetamanu. Dieser nimmt mühsam Fahrt auf. Zunächst kreuzen wenige Haie unseren Weg, während die leichte Strömung uns mehr und mehr in den Kanal treibt. So distanziert und scheu wie die Räuber tagsüber sind, so verlieren sie in der Nacht jede Hemmung.

Vor dem Tauchgang steht ein umfangreiches Briefing an. Zusammenbleiben, den Gruppen von Haien fernbleiben und drei Meter über dem Riff tauchen, um nicht mittendrin zu sein. Aber wer will denn Fotos von Haien von oben sehen? Auf eigenes Risiko spüren wir dann immer wieder, wie die nachtaktiven Jäger uns anrempeln, versuchen aus dem Weg zu schieben und einer möglichen Beute näher zu sein als wir. Wie soll man, nein, wie kann man dieses Erlebnis anders beschreiben als: Atemberaubend!?

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Nach dem abendlichen Adrenalinkick geht es dann am nächsten Morgen zum eigentlichen Tauchgang der Reise. Grouper Spawning! Auslaufende Strömung und eher schlechte Sicht. Dennoch wartet an jeder Ecke ein nervöser Zackenbarsch, bereit, sich bei nächster Gelegenheit zu paaren. Dann fangen die ersten Barsche an sich zu vereinigen. Die Sicht nimmt in Anbetracht des Naturschauspiels weiter ab. Man schwimmt sprichwörtlich in Sperma und Fischeiern. Ein eigenartiger Gedanke und dennoch fasziniert das Schauspiel. So abrupt das Naturereignis begann, ist es auch wieder vorbei und die Barsche liegen erschöpft in allen Ecken, sehr zur Freude der anwesenden Haipopulation.

Zurück in Tahiti wandern unsere Gedanken, während wir uns ein echtes großes Steak gönnen. Was waren das für zwei Wochen? Haie, Barsche, die Mantas vom Beginn schon fast vergessen. Dann die vielen Dinge die wir im Eifer gar nicht erwähnt haben. Aufdringliche Napoleons, posierende Oktopusse oder einfach nur Schwärme von Fisch. Unvergesslich, unvergleichlich! Eine echte Perle in mitten des stillen Ozeans. Wenngleich die schwarzen Perlen von Tahiti auch ein eigenes Kapitel hätten sein können...

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Weitere Informationen:
Waterworld Tauchreisen
Französisch-Polynesien on Taucher.Net
Video (youTube): Archipel der Tuamotus Inseln