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Unterwegs mit „The Vision“
Gerade habe ich die Grenze zum Oman in Dibba erreicht. Mein Transfer vom Dubai-Airport verlief ohne Probleme. Der Grenzbeamte drückt den Einreisestempel in meinen Pass; womt die letzte Hürde vor meiner Tauchsafari ist genommen.
Zehn Minuten später taucht „The Vision“, ein luxuriöses 29 Meter langes Safarischiff im Hafen von Dibba al-Bayà (Oman) vor mir auf. Auf meiner Suche nach einer Tauchdestination fern des Massentourismus und einem Schiff mit wenig Tauchern bin ich auf „The Vision“ gestoßen; 2025 gebaut, bietet das Schiff 12 Tauchern Platz. Es operiert im Oman in der Gegend um Musandam.
Ich bin der letzte fehlende Safariteilnehmer und werde bereits an Bord erwartet. Nach dem herzlichen Empfang durch Alaa und Ahmed erhalte von Alaa ein ausgiebiges persönliches Boots- und Sicherheitsbriefing. Abschließend lerne ich meine Buddys kennen, mit denen ich die folgende Woche verbringen werde. Das Schiff ist auf dieser Safari nur zu Hälfte belegt, so dass wir uns richtig breit machen können.
Norwegen des mittleren Ostens
Die Bootsmotoren machen sich nun bemerkbar und unsere mehrstündige Fahrt zur Straße von Hormus beginnt. Der Weg führt vorbei an steil abfallenden Felswänden des Hadschar-Gebirges. Diese schroffen Felsen werden von den Farben rot und beige dominiert. Kleine Buchten mit vereinzelten Häusern sind Zeugen von menschlicher Existenz in dieser Landschaft. Die Halbinsel Musandam beherbergt ca. 30.000 Menschen, die hauptsächlich von Fischfang, Handel, Landwirtschaft und Handwerk leben. Die Fjordlandschaft gab ihr den Namen „Norwegen des mittleren Ostens“.
Wir genießen den Ausblick bei einem Mittagessen im Sonnenschein, an einer geschmackvoll gedeckten Tafel, auf der selbst Stoffservietten nicht fehlen! Geboten wird ein Buffet aus arabischen Köstlichkeiten mit Fleisch, Fisch, vegetarischen Varianten und Salaten. Sogar mein Wunsch nach laktosefreien Produkten ist berücksichtigt.
Der Anreisetag ist tauchfrei, so dass ich in Ruhe meine Kabine einrichten kann. Sie ist mit Teppichboden ausgelegt und bietet einige Lichteffekte. Als nette Gimmicks stehen Hausschuhe, Schlafmasken und ein Ablaufplan der Safari zur Verfügung. Für den Rest des Tages ist bei mir für die Erholung von der Anreise eingeplant!
Am nächsten Morgen macht Wian das Briefing für den ersten Tauchgang. Wir besteigen das Speedboot, von dem die täglichen Tauchgänge durchgeführt werden. Ich baue mein Gerät zusammen und zwänge mich in meinen Tauchanzug. Schon legt das Speedboot ab und bringt uns zu unserem ersten Tauchplatz Al Khail.
Vor der Kulisse einer steil in das Wasser fallenden Felswand tauche ich mit einer Rolle rückwärts ich in den Golf ein. Zunächst irritiert mich die Farbe des Wassers: Das sonst von hellblau bis dunkelblau schimmernde Meer präsentiert sich hier grün. Schuld daran ist der grüne Blattfarbstoff Chlorophyl im Phytoplankton, das massiv an der Oberfläche des Gewässers vorkommt. Bei Sichtweiten um die 10 Meter habe ich das Gefühl, in einem heimischen See mit sehr guter Sicht zu tauchen, wären da nicht die Meeresströmungen und die vielen bunten Fische. Ich mache Bekanntschaft mit Schwärmen von blauen Drückerfischen, kleinen Sternschnecken, einer spanischen Tänzerin bei Tage und stelle fest, dass der Oman für mich als Muränenliebhaber das Paradies ist. Von Grau-, Gelbmaul- bis hin zu Netzmuränen ist hier alles reichlich vertreten.
Sepien, Lobster und reichlich Muränen
Weitere Tauchplätze für heute sind dann Al Rashid und Fanakua, wobei letzterer eine kleine Überraschung für uns bereit hält: Unsere Gruppe wird am Ende des Tauchganges von der Strömung vom Riff abgetrieben. Nach dem Sicherheitsstopp wage ich einen Blick aus dem Wasser und stelle fest, dass unser Speedboot Gesellschaft hat. Kurz vor Ausbruch des Krieges USA, Israel – Iran interessiert sich in der Straße von Hormus das omanische Militär für unser Schiff. Nach einer Kontrolle der Bootspapiere dürfen wir die Safari dann fortsetzen.
Vom Oberdeck der „Vision“ beobachte ich eine Vielfalt von Tankern und Containerschiffen. Wir passieren jetzt die engste Stelle der Straße von Hormus. In ca. 50 Kilometer Entfernung kann ich die Küste des Irans als schmalen Streifen am Horizont erkennen. Eigentlich wollten wir die nächsten Tauchgänge im Golf von Oman machen, allerdings frischt jetzt der Wind auf und die See wird unruhiger. Die Crew beschließt daher in den Khor Kajid - Fjord einzufahren. Hier macht „The Vision“ in einer geschützten Bucht nahe Khor Najd fest. Beim Diner auf dem Sonnendeck taucht die untergehende Sonne die Fjordlandschaft in eine rötliche Kulisse, die Berge und kleinen Boote in den Buchten im Gegenlicht erscheinen nun schwarz!
Am nächsten Morgen erlebe ich nach dem Frühstück eine zehnminütige Fahrt im Speedboot zu den Tauchplätzen wie Ras Pillah, Ras Sarkan und Ras Alamaqta. Die Sichtweiten betragen hier ca. 15 Meter und das maritime Leben steht dem außerhalb des Fjordes um nichts nach. Fast jeder Tauchgang beschert mir Sepien, Lobster und reichlich Muränen. Aber was ist eigentlich mit anderen Tauchern? Fehlanzeige! Während der gesamten Safari kann ich jeden Tauchplatz ungestört mit meinen Buddys genießen.
Nach abwechslungsreichen Tauchgängen bessert sich der Wind und wir setzen unsere Fahrt in Richtung Dibba fort.
Die Riffe und die Unterwasserwelt in Musandam sind sehr vielfältig. Von Steilwänden über flach abfallende Riffe mit Korallenblöcken und seichten Buchten mit Sandböden und Hartkorallen für Nachttauchgänge ist alles vorhanden. An einigen Spots besteht sogar die Möglich auf Leopardenhai – Sichtungen. Leider hatte ich auf dieser Tour kein Glück!
„The Vision“ bewegt sich über Red Island, Ras Arous, Ras Marovie und Octopus Rock langsam zur Zighy Bay nahe Dibba fort; die letzte Station unserer Safari.
Die Ausrüstung befindet sich bereits zerlegt zum Trocknen auf dem Oberdeck, vereinzelt werden die Logbücher vervollständigt und die Reste des vor der Safari bestellten Alkohols werden vernichtet. Jeder Taucher weiß, dass die Safari nun beendet und mit keinen weiteren Highlights mehr zu rechnen ist. Jedoch hat Ahmed ein exklusives Angebot: Gegen Aufpreis und vorherige Bestellung ist ein Beach-Barbeque im 6th Sense Luxushotel möglich, das ich auf keinen Fall verpassen möchte.
Ich werde vom Schiff abgeholt und durch das kleine Dorf zum 6th Sense Hotel gefahren. Unweit des vom Mondlicht erhellten Meeres wartet ein reich gedeckter Tisch neben dem Grill auf mich, an dem ich mir einen ersten Eindruck von den angebotenen Speisen machen kann. Hier bleibt kein kulinarischer Wunsch unerfüllt. Angefangen bei lokalen Vorspeisen, über gegrillte Garnelen, Variationen von Fleischspießen über Lammkoteletts bis hin zur Nachspeise werden die Speisen im stilvollen Ambiente serviert. Für mich war dies der perfekte Abschluss für eine gelungene Safari.
Anmerkung zur aktuellen Lage: Die Safari findet trotz des Krieges am Golf wie gewohnt statt. Wir haben den Eigner befragt und folgende detailliert Antwort bekommen:
„Seit Beginn der Krise hatten wir ehrlich gesagt keinerlei Probleme und führen unsere Reisen wie gewohnt durch. Die einzige Änderung besteht darin, dass wir Kumzar derzeit nicht mehr anfahren. Stattdessen nehmen wir alternative Routen, die spannende Tauchplätze bieten.
Eine kleine Anpassung, die wir vorgenommen haben, ist, dass wir im Moment nicht so weit nach Norden in Richtung Kumzar fahren. Stattdessen folgen wir unseren anderen regulären Musandam-Routen, die nach wie vor hervorragende Tauchmöglichkeiten und ein großartiges Gästeerlebnis bieten.
Außerdem holen wir unsere Gäste weiterhin problemlos vom Flughafen Dubai ab.
Selbstverständlich beobachten wir die Lage genau, und sollte sich etwas ändern, werden wir uns umgehend darauf einstellen, aber im Moment läuft alles wie gewohnt.“
Das Schiff
https://thevision.om/
https://taucher.net/liveaboard-the_vision-baz17560