Northern Explorers, Ostküste

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Eine Reise nach Ostgrönland ist eine Reise in ein ...

Eine Reise nach Ostgrönland ist eine Reise in eine der entlegensten Regionen der Welt. Nachdem im Frühjahr 2012 beim Eistauchen in Süddeutschland meine Faszination für die Schönheit von Eis unter Wasser geweckt wurde, wollte ich im August 2013 mit Eisbergen Tauchen und habe eine entsprechende Reise bei Northern Explorers gebucht.
Die Anreise nach Tasiilaq, der Hauptstadt von Ostgrönland war überraschend einfach, wenn man sich überlegt wie schwierig die Logistik in dieser Region ist. Von Reykjavik fliegt man lediglich zwei Stunden zum Flughafen von Kulusuk, wo uns Grönland mit dem besten Wetter empfangen hat. Von Kulusuk aus fuhren wir noch ungefähr eine Stunde bis Tasiilaq wo unsere Unterkunft war. Auf der Bootsfahrt war die meiste Zeit andächtiges schweigen weil jeder der fünf Teilnehmer die überwältigende Landschaft genossen hat. Die Luft war während dieser Fahrt unglaublich klar und die karge Landschaft erlaubte keine Einschätzung über die Entfernung oder Höhe der Berge am Rande des Fjords oder der Eisberge auf dem Wasser. Auch weil keinerlei optische Referenz vorlag. Kein Baum, kein Haus, keine Straße oder Strommast mit deren Hilfe man eine Abschätzung vornehmen könnte, war vorhanden. Eisberge hatten die wenigsten aus unserer Gruppe bisher gesehen und auch der Buckelwal der sich nicht weit von unserem Boot entfernt zeigte, war der erste Meeressäuger den ich in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen habe.
Wie luxuriös man eine Unterkunft empfindet hängt stark von den Erwartungen im Vorfeld ab. Sven, unser Guide, hatte uns bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass wir keine zu hohen Erwartungen an die Unterkunft haben sollten, da die Reise eher Expeditionscharakter hat. Entsprechend gering lag die Messlatte und ich war doch recht positiv überrascht als ich die Wohnung bezogen habe. Wir waren mit sechs Personen jeweils in kleinen Zweibettzimmern in einem Schwedenhaus untergebracht, das über ein Bad, eine Küche und ein Wohnzimmer verfügte. Für das Essen hat jeden Abend ein einheimischer Koch gesorgt. Ich hätte während der Zeit gerne mehr die einheimische Küche kennen gelernt, stattdessen gab es eher Lasagne und Auflauf, aber auch das ein oder andere mal Fisch.
So schwierig wie die Logistik in diese Region ist, so gering ist auch die Ausstattung der Tauchbasis. Ein Kompressor, ein paar Tauchflaschen und eine Hand voll Ersatzteile. Auf technische Defekte muss man sich im Vorfeld selbst vorbereiten. Das hat auch einer meiner Mitreisenden zu spüren bekommen, dessen Reißverschluss am Trockentauchanzug während der Reise undicht geworden ist. Er hatte das Glück, dass er eine ähnliche Größe wie unser Guide hatte und mit dessen Anzug weiter tauchen konnte. Andernfalls wären weitere Tauchgänge unmöglich geworden.
Die Ausfahrten wurden mit einem Boot unternommen, das nur eine kurze Periode im Jahr als Tauchboot verwendet wird. Dementsprechend gab es dort nur eine „normale“ Leiter (keine Tauchleiter) um ins Boot zu gelangen und keine Befestigungsmöglichkeiten für das Tauchequipment. Bei einer Tauchgruppe von insgesamt 6 Personen konnte man sich aber dennoch recht gut auf dem Boot organisieren. Die Wassertemperaturen lagen in der Woche, in der ich dort war zwischen -1°C am Eisberg (mein erster Tauchgang bei negativen Wassertemperaturen) und 1°C an den übrigen Tauchplätzen.
Die Tauchgänge an den Eisbergen waren einmalig und faszinierend. Eine unglaublich tolle Lichtstimmung unter und über Wasser. Kein Eisberg gleicht dem anderen, mal sind sie glasklar, mal weiß und mal besitzen sie ein kräftiges blau. Da wir im „Hochsommer“ in Grönland waren hatten wir Lufttemperaturen von ca. 10°C und es floss viel Schmelzwasser von den Eisbergen in das Meer was zu starkem flimmern und eingeschränkter Sicht auf den ersten 10m Wassertiefe führte. Unser Guide sagte uns, dass es im Frühjahr bessere Sichtverhältnisse herrschen, weil zu diesem Zeitpunkt die Eisberge noch nicht schmelzen. Im Frühjahr sieht man nach seiner Aussage aber keine Wale und die Anreise ist aufgrund der Eisdecke deutlich schwieriger. Während meiner Woche auf Grönland konnten wir fast an jedem Tag Wale vom Boot aus sehen. Unter Wasser ist mir aber leider keiner begegnet.
Die Tauchgänge die wir nicht an Eisbergen durchgeführt haben waren von Kelpwäldern geprägt. Es gab Steilwände und Weichkorallen zu entdecken. Die meisten Lebewesen unter Wasser waren im Makrobereich zu finden. Ebenfalls faszinierend waren die Schneisen der Zerstörung die von Eisbergen in die Unterwasserlandschaft geschlagen werden, wenn sie über den Grund kratzen. Wir haben einige Tauchgänge an Plätzen gemacht, wo noch niemand vor uns im Wasser war. Entsprechend unvorhersehbar ist, was einen unter Wasser erwartet. Wir haben an manchen Tauchgängen ein Weichkorallen und ein versunkenes Boot gefunden, an anderen Tauchgängen gab es jedoch nur Steine zu bestaunen.
Insgesamt hat mich die Reise nach Grönland um tolle Erfahrungen bereichert. Es würde mich reizen im Frühjahr noch einmal wieder zu kommen um die Eisberge unter besseren Sichtverhältnissen zu sehen. Auch gerne wieder bei NorthernExplorers.


Tauchbasis


Tauchen am Eisberg


Eisberge