Finnwale unter Harpunen: Islands umstrittene Jagdsaison hat begonnen

Teile:
23.06.2026 17:51
Kategorie: News

Naturschützer dokumentieren das Leid der bedrohten Meeresriesen

Gerade drei Tage sind vergangen, seit die isländische Walfangflotte ausgelaufen ist – da wurden bereits die ersten beiden Finnwale der neuen Saison getötet. Das Fangschiff „Hvalur 9" hat die Tiere mit Explosivharpunen erlegt und zur Walfangstation in Hvalfjörður gebracht, wo sie anschließend zerlegt werden.

Gallery 1 here

Naturschützer waren vor Ort und haben diese Vorgänge dokumentiert und machen damit die grausamen Details dieser umstrittenen Jagd sichtbar.

Ein fragwürdiger Zeitpunkt

Was besonders verstört: Diese Jagd findet zu einem Zeitpunkt statt, der politisch nicht heikler sein könnte. Island will im Herbst 2026 über ein Walfangverbot abstimmen. Parallel dazu bereitet sich das Land auf eine mögliche Rückkehr zu EU-Beitrittsverhandlungen vor. Ein EU-Beitritt Islands und die gleichzeitige Fortsetzung des kommerziellen Walfangs passen politisch einfach nicht zusammen. Trotzdem läuft die Jagd bislang ungehindert weiter.

Die isländische Regierung hat Millionär Kristján Loftsson, Islands letztem verbliebenen Finnwalfänger, für 2026 eine Fangquote von 150 Tieren genehmigt – trotz massiver internationaler Kritik.

Das Leiden der Tiere

Die Realität hinter den Fangquoten ist verstörend:  Finnwale sind eine bedrohte Art. Bei der Jagd werden häufig trächtige Weibchen getötet. Der Todeskampf dieser intelligenten Meeresriesen dauert oft mehrere Minuten, manchmal sogar Stunden. „Wir sprechen hier von der Jagd auf eine gefährdete Art mit enormem Leid für die Tiere", bringt es Arne Feuerhahn vom Hard To Port e.V. auf den Punkt. Seine Organisation beobachtet die Aktivitäten der Walfänger seit über zehn Jahren und dokumentiert regelmäßig das Leid der Tiere.

Dr. Mona Schweizer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife ist deutlich: „Die ersten Finnwale wurden mit Explosivharpunen getötet – und diese geschieht nur wenige Monate bevor Island über ein Walfangverbot entscheidet. Jeder weitere Wal ist einer zu viel."

Breite Bevölkerung ist gegen den Walfang

Interessanterweise hat sich die öffentliche Meinung in Island längst gewandelt: Mehr als die Hälfte der Isländerinnen und Isländer lehnt den Walfang inzwischen ab. Sie sehen, was Fachleute schon lange wissen: Der kommerzielle Walfang ist aus ethischer, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht nicht zu rechtfertigen. Die wirtschaftliche Bedeutung ist ohnehin minimal geworden – es geht hier um ein paar wenige Unternehmer, nicht um eine bedeutende Industrie.

Schweizer und Feuerhahn hoffen, dass die isländische Regierung ihren angekündigten Kurs tatsächlich umsetzt und endlich handelt: „Das Kapitel des kommerziellen Walfangs in Island zu beenden, ist längst überfällig."

Weltweiter Druck für ein Walfangverbot

Der internationale Druck auf Island wächst. Die ‚End Commercial Whaling Coalition' sammelt weltweit Unterschriften für ein dauerhaftes Ende des kommerziellen Walfanga. Der nächste wichtige Termin: Die Internationale Walfangkommission (IWC) trifft sich im September 2026. Bis dahin sollen möglichst viele Stimmen aus der Zivilgesellschaft gesammelt werden – denn genau dieser Druck von unten ist jetzt entscheidend.

Zivilgesellschaftlicher Druck ist in dieser Phase wichtiger denn je, um diese grausame und veraltete Jagd auf die Meeresriesen zu stoppen", betont die Koalition. Sie appelliert an jeden Einzelnen: Die Zeit zum Handeln ist jetzt, nicht irgendwann in der Zukunft.

Ein System, das zusammenbrechen kann

Was vielen nicht bewusst ist: Der isländische Walfang ist ein System, das bereits auf wackligen Beinen steht. Es funktioniert nur, weil eine kleine Gruppe von Unternehmern daran festhält – und weil die politischen Entscheidungsträger es bislang zugelassen haben. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Eine Mehrheit der Bevölkerung, die internationale Gemeinschaft und nun auch die eigene Regierung signalisieren: Es muss sich etwas ändern.

Die dokumentierten Aufnahmen von den ersten getöteten Finnwalen in diesem Jahr zeigen einmal mehr: Island steht an einem Wendepunkt. Die Frage ist nicht, ob der Walfang endet – sondern nur noch, wann.

Wer die internationale Kampagne unterstützen möchte, kann hier unterzeichnen:
https://endcommercialwhaling.org/de/deutsch/

Mehr Informationen zum Walfang in Island und den Hintergründen finden Sie bei Pro Wildlife: https://www.prowildlife.de/aktuelles/