Zeichen für „Super‑El Niño“ nehmen zu

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03.06.2026 09:22
Kategorie: News

Steigende Meeresoberflächentemperaturen im Pazifik

Die Hinweise auf einen besonders kräftigen El‑Niño häufen sich. Auffällig ist vor allem die Temperaturbilanz des Pazifiks im Mai: Mehrere Messwerte lagen über bisherigen Rekorden. Direkte Extremwetterfolgen treten zwar meist weit weg von Europa auf, doch die Auswirkungen sind global spürbar. Vielfach ist bereits von einem möglichen „Super‑El‑Niño“ die Rede — eine verlässliche Einschätzung zur Stärke des Ereignisses lässt sich jedoch noch nicht treffen.

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El‑Niño tritt unregelmäßig auf, im Mittel alle rund vier Jahre. Der Name kommt von „El Niño de Navidad“ (das Christkind) und wurde von peruanischen Fischern geprägt, die die Erwärmung zu Weihnachten bemerkten und wirtschaftliche Einbußen durch fehlende Fischschwärme erlitten.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnte jüngst vor der Kombination aus anhaltender Erwärmung und einer möglichen El‑Niño‑Episode: Die globalen Durchschnittstemperaturen könnten in den nächsten fünf Jahren Rekordwerte erreichen oder nahe daran liegen. Die Chance, dass sich zwischen Juni und August eine El‑Niño‑Phase entwickelt, schätzt die WMO derzeit auf etwa 80 Prozent.

Anhaltend hohe Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik sprechen für ein aufkommendes El‑Niño. Satelliten zeigen steigende Meeresspiegel, was auf erwärmtes, sich ausdehnendes Wasser hindeutet. Erste Abweichungen in den Windmustern deuten ebenfalls auf bevorstehende Veränderungen hin.

Dass wir in den nächsten Monaten im tropischen Pazifik El‑Niño‑Bedingungen sehen, ist ziemlich sicher. Es gibt bereits Signale, und diese werden sich in den kommenden Monaten verstärken“, erläutert Klaus Haslinger von GeoSphere Austria. Spürbare Effekte erwartet er vor allem ab Sommer und Herbst; den Höhepunkt erreichen El‑Niño‑Episoden meist zwischen Dezember und Februar.

Wind‑Wasser‑Wechselspiel

El‑Niño ist einer der wichtigsten Treiber natürlicher jährlicher Klimaschwankungen und beeinflusst weltweit Niederschlags‑ und Temperaturmuster – regional und saisonal sehr unterschiedlich.

Vereinfacht entsteht El‑Niño (bzw. das Gegenstück La‑Niña) durch Wechselwirkungen zwischen Meeres‑ und Luftströmungen im äquatorialen Pazifik. Normalerweise wehen Passatwinde von Osten nach Westen, wodurch sich warmes Wasser im Westpazifik sammelt und im Osten kaltes Tiefenwasser aufsteigt. Bei El‑Niño erwärmt sich der Pazifik deutlich, die Passatwinde schwächen sich ab oder drehen nach Osten. Warmes Wasser breitet sich ostwärts aus und verhindert das Aufsteigen kalten Tiefenwassers.

Das kann zu Dürre in Australien und Teilen Asiens führen, während Teile Amerikas mit heftigen Regenfällen konfrontiert werden. Im Atlantik kann El‑Niño durch veränderte Windverhältnisse die Entwicklung von Stürmen dämpfen; im Pazifik fördert wärmeres Wasser hingegen die Entstehung starker Tropenstürme.

Indirekte Folgen bis nach Europa

Direkt extreme Wetterereignisse in Europa sind durch El‑Niño selten. Dennoch entstehen indirekte Effekte: Ernteausfälle in betroffenen Regionen können globale Lieferketten und Preise beeinflussen. Außerdem steigt in El‑Niño‑Jahren die globale Durchschnittstemperatur – das britische Met Office schätzt den Zuwachs auf etwa 0,2 °C. Die zusätzliche Wärme, die der Pazifik an die Atmosphäre abgibt, kann die Effekte der globalen Erwärmung vorübergehend verstärken.

Bisher stärkste Ereignisse und „Super‑El‑Niño“

Die Wissenschaft verwendet den Begriff „Super‑El‑Niño“ nicht formal, doch in Medien und teils unter Forschenden wird er genutzt, wenn Temperaturabweichungen deutlich über den üblichen El‑Niño‑Werten liegen. Haslinger: „Wenn die Temperaturabweichung deutlich größer als bei normalen El‑Niño‑Ereignissen ist, könnte man vielleicht von einem ‚Super‑El‑Niño‘ sprechen.“ Ob das diesmal zutrifft, wird sich erst zeigen.

Starke El‑Niños traten etwa 1982/83, 1997/98 und zuletzt 2015/16 auf. Beim besonders kräftigen Ereignis 2016 führte die Erwärmung zu einer massiven Korallenbleiche am Great Barrier Reef, der stärksten, die die James‑Cook‑Universität dokumentierte.

Häufigkeit und Dauer schwanken; El‑Niño‑Ereignisse treten etwa alle zwei bis sieben Jahre auf und dauern meist rund ein Jahr. Der Name geht auf peruanische Fischer zurück, die die Erwärmung gegen Jahresende registrierten und sie als „das Christkind“ bezeichneten.

Meere als Wärmespeicher

Die Ozeane speichern den Großteil der überschüssigen Wärme des Klimasystems — über 90 Prozent — und erwärmen sich dadurch insgesamt. Aktuell liegen die Oberflächentemperaturen der Meere deutlich über den Werten der Vorjahre und erreichen nahe historische Maxima; die mittlere Meeresoberflächentemperatur lag in den letzten Monaten bei über 21 °C.

Ob höhere Ozeantemperaturen die Häufigkeit oder Stärke von El‑Niño langfristig verändern, ist unter Forschenden noch umstritten. Klar ist jedoch: In einer generell wärmeren Welt wirken El‑Niño‑Auswirkungen tendenziell stärker.

Vorhersage bleibt schwierig

Meerestemperaturen lassen sich mittlerweile gut prognostizieren; die Atmosphäre bleibt jedoch unberechenbar. Luftströmungen sind volatil und schwer langfristig vorherzusagen, so dass Prognosen für El‑Niño unsicher bleiben. Überraschende Wendungen sind möglich: 2017 etwa wurde im Frühjahr ein starkes El‑Niño‑Signal vorhergesagt, das im Sommer zusammenbrach und sich stattdessen eine La‑Niña‑Phase entwickelte, erinnert Haslinger.

Geringe, nicht immer messbare Änderungen im System können über Monate hinweg große Unterschiede bewirken. Aktuell liegen die Modellprognosen für die Temperaturabweichung im tropischen Pazifik zwischen etwa +1,0 und +3,5 °C. Sollte die Abweichung sich am oberen Ende dieser Spanne einpendeln (rund +3 bis +3,5 °C), wäre von einem sehr starken — medial oft als „Super‑El‑Niño“ bezeichneten — Ereignis auszugehen.