Winziger Laternenhai vor Mauritius entdeckt

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11.10.2026 10:12
Kategorie: News

Etmopterus bulbosus: neue Hai-Art aus der Tiefsee

Vor der Insel Mauritius im südwestlichen Indischen Ozean haben Forscher eine bislang unbekannte Haiart beschrieben: den Laternenhai Etmopterus bulbosus. Sein Name bezieht sich auf die markant aufgewölbte Schnauze. Die Erstbeschreibung ist am 12. August 2026 im Journal of the Ocean Science Foundation erschienen. Beteiligt waren unter anderem David Ebert, Richard Leslie und Sergey Bogorodsky.

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Die Art ist bisher nur von einem einzigen Exemplar bekannt. Es wurde in 400 bis 500 Metern Tiefe mit einem Schleppnetz gefangen. Bei dem Tier handelt es sich um ein Weibchen von 21,5 Zentimetern Länge. Die Färbung ist überwiegend braun-schwarz, laut IFLScience mit einem schwachen violetten Schimmer, der nach dem Fang verblasste.

Die Forscher ordnen die Art der sogenannten Etmopterus-pusillus-Gruppe zu. Neben der bulbösen Schnauze fallen vergrößerte, dornartige Hautzähnchen hinter der Brustflossenachse auf. Genetische Untersuchungen stützen die Eigenständigkeit: Im COI-Gen unterscheidet sich die Art um mindestens 10,29 Prozent von ihren nächsten Verwandten. Der ähnliche Etmopterus sentosus hat keine solche Schnauze.

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Ein Weltrekord?

In einigen Medien wird die Entdeckung als möglicher Weltrekord beim kleinsten Hai der Welt dargestellt. Das ist mit Vorsicht zu lesen. Als kleinster bekannter Hai gilt der Zwerg-Laternenhai (Etmopterus perryi), der laut IFLScience bis etwa 21,2 Zentimeter erreicht. Das Mauritius-Tier misst 21,5 Zentimeter und wäre damit sogar einen Hauch größer. Auf Basis eines einzelnen Tieres lässt sich zudem nichts über die typische Endgröße der Art sagen. Ob E. bulbosus zu den kleinsten Haien zählt, müssen weitere Funde zeigen.

Viele Arten der Gattung Etmopterus können selbst Licht erzeugen. Möglich machen die winzigen Leuchtorgane in der Haut, die Photophoren. Die Organe auf der Bauchseite senden einen schwachen, grünlichen Schimmer aus. Er tarnt die Tiere von unten gegen das hellere Wasser darüber, denn so zeichnet sich ihr Umriss weniger deutlich ab. Diskutiert werden außerdem weitere Funktionen: Beute anlocken, sich mit Artgenossen verständigen oder Fressfeinde verwirren. Ob auch Etmopterus bulbosus leuchtet, ist in den ausgewerteten Quellen nicht belegt.

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Auch vor Westaustralien gibt es einen neuen Laternenhai

Mauritius ist nicht der einzige Fund. Im Gascoyne Marine Park vor Westaustralien beschrieben Forscher der australischen Wissenschaftsbehörde CSIRO den Etmopterus westraliensis, den West Australian Lanternshark. Er wurde bei Untersuchungen der Artenvielfalt in Tiefen von bis zu etwa 610 Metern gefunden, das größte bekannte Exemplar misst 40,7 Zentimeter. Die Beschreibung erschien bereits im September 2025, die Meldung der CSIRO folgte am 6. Oktober 2025. Sie ist also ein Jahr älter und kein gleichzeitiger Fund wie manche Medien berichtet haben.

Warum die Tiefsee noch Überraschungen bereithält

Laternenhaie sind die artenreichste Gruppe unter den Haien der Tiefsee, die Gattung Etmopterus umfasst laut IFLScience 43 bekannte Arten. Sie leben meist in dunklen Tiefen, weshalb viele Arten erst durch Zufallsfänge bekannt werden.

Für Taucher bleibt dieser Hai aber unerreichbar, denn 400 bis 500 Meter liegen weit jenseits jeder Grenze. Diese Entdeckung zeigt aber wieder einmal, wie wenig vom Leben in den tieferen Schichten der Ozeane erforscht ist, und warum Tiefseeforschung so wichtig für das Verständnis der Meere ist.


Weitere Informationen:
Ebert et al.: Etmopterus bulbosus, a new lanternshark from Mauritius (Journal of the Ocean Science Foundation 47: 8–23)
IFLScience: New species of teeny tiny lanternshark
CSIRO: New species of shark and crab (6. Oktober 2025)