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Eine ganz besondere Balz
Bei Tieren dieser Größe ist selbst die intimste aller Handlungen eine logistische Herausforderung. Wale und Delfine müssen unter Wasser zueinanderfinden, ohne festen Untergrund, ohne Hände und mit dem ständigen Zwang, regelmäßig zum Atmen aufzutauchen.
Wie die verschiedenen Arten dieses Problem lösen, dokumentiert unter anderem die Naturschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) und das Smithonian Ocean Portal, die sich seit Jahren mit dem Sozial- und Fortpflanzungsverhalten dieser Tiere beschäftigt.
Bevor es zur Paarung kommt, investieren viele Arten erheblichen Aufwand in die Balz. Buckelwalmännchen singen kunstvolle, oft minutenlange Gesänge, die sich innerhalb einer Saison verändern und von mehreren Tieren gleichzeitig "nachgesungen" werden. Andere Großwale setzen auf spektakuläre Körpersprache: Breaching, bei dem sich die tonnenschweren Tiere fast vollständig aus dem Wasser schleudern, oder kräftige Schwanzschläge gehören zum Repertoire, mit dem Männchen auf sich aufmerksam machen oder Konkurrenten demonstrieren, wer die Kontrolle über eine Gruppe hat.
Delfine gehen die Sache kooperativer an. Bei manchen Arten bilden mehrere Männchen zeitweise Allianzen, um gemeinsam ein paarungsbereites Weibchen zu umkreisen und Rivalen fernzuhalten – ein Verhalten, das eng mit ihrer komplexen Sozialstruktur zusammenhängt. Hinzu kommen akustische Signale wie Klicks und Pfeiflaute sowie auffällige Schwimmmuster, mit denen Männchen um Aufmerksamkeit werben.
Ein kurzer Akt mit langem Vorlauf
So aufwendig die Balz auch sein mag – der eigentliche Paarungsakt fällt bei Delfinen überraschend kurz aus. Oft dauert er nur wenige Sekunden, wird dafür aber innerhalb kurzer Zeit mehrfach wiederholt. Bei den großen Walarten zieht sich die Paarung dagegen deutlich länger hin, was angesichts der Körpergröße und der fehlenden Möglichkeit, sich festzuhalten, kaum überrascht. Anders als viele Landsäugetiere sind Wale und Delfine dabei permanent in Bewegung, was den Vorgang zusätzlich erschwert.
Die Fortpflanzungsstrategien unterscheiden sich zudem stark zwischen den Arten. Während Buckelwale promiskuitiv leben und sich beide Geschlechter mit mehreren Partnern paaren, bilden Narwale eher stabile Paarbindungen. Orcas wiederum leben in matriarchalen Verbänden, in denen Nachkommen oft lebenslang bei ihrer Mutter bleiben; gepaart wird meist mit Tieren aus anderen Gruppen, während die Nachkommen wiederum im engen Familienverband der Mutter aufwachsen.
Nach erfolgreicher Befruchtung beginnt eine lange Tragzeit, die je nach Art zwischen etwa 10 und 18 Monaten liegt. Zum Ende der Schwangerschaft suchen viele Weibchen gezielt geschützte, wärmere Gewässer auf, um dort ihre Kälber zur Welt zu bringen. Fast alle Wal- und Delfinarten teilen dabei eine Eigenheit: Die Kälber kommen mit dem Schwanz zuerst zur Welt statt, wie bei den meisten Säugetieren üblich, mit dem Kopf voran. Würde der Kopf zuerst erscheinen, bestünde die Gefahr, dass das Kalb ertrinkt, bevor sein Körper vollständig geboren ist und es die Wasseroberfläche zum ersten Atemzug erreichen kann.
Unmittelbar nach der Geburt beginnt für die Mutter die intensive Fürsorge: Sie hilft dem Kalb zur Wasseroberfläche, säugt es und beschützt es in den ersten Lebensmonaten – bei sozialen Arten wie Delfinen häufig mit Unterstützung anderer Gruppenmitglieder.
Weitere Informationen:
Danny Groves (WDC), in Discover Wildlife
Smithsonian Ocean Portal