Wenn das Meer wärmer wird, gewinnen die Quallen

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03.10.2026 11:08
Kategorie: News

Thailand macht aus einem wachsenden Problem einen Exportartikel

Quallenblüten werden weltweit häufiger, von der Ostsee über das Mittelmeer bis vor die Küste Namibias. Wärmeres, zunehmend sauerstoffarmes Wasser begünstigt die genügsamen Tiere, während viele ihrer natürlichen Konkurrenten und Fressfeinde unter denselben Bedingungen leiden.

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Ein weiterer Vorteil: Künstliche Strukturen wie Hafenanlagen, Docks oder Schiffswracks bieten den sesshaften Polypen-Stadien vieler Quallenarten ideale Siedlungsflächen, die es in naturbelassenen Küstenregionen so nicht gäbe.

Eine Branche mit Tradition

In Thailand ist man dieses Problems längst gewohnt, dort werden essbare Quallenarten bereits seit Jahrzehnten gefangen und verarbeitet. In der Provinz Samut Songkhram betreibt Wanlee Muensawat die Fabrik Chockdee Sea Products, die jährlich rund tausend Tonnen Quallen aus dem Golf von Thailand und der Andamanensee verarbeitet, hauptsächlich die Arten Sandqualle und Weiße Qualle.

Vor rund 20 Jahren hatte Muensawat selbst noch Zweifel, ob sich ihr Geschäft tragen würde, heute geht sie von weiterem Wachstum des Marktes aus. Die traditionelle Verarbeitung ist aufwendig: Nach dem Fang werden die Tiere in Salz und Alaun eingelegt und über rund zwei Wochen hinweg getrocknet, bevor sie exportfähig sind.

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Gegessen werden Quallen in Teilen Asiens längst mit Selbstverständlichkeit, in China traditionell als kalter Salat, auch in Japan und Südkorea gehören sie auf den Tisch. Ihr Nährwert ist dabei unspektakulär, aber unkompliziert: fettarm, kalorienarm, reich an Kollagen, dafür eher geschmacksneutral, was sie vielseitig einsetzbar macht.

Von der Krabbeltier-Vorhersage bis zum Cracker

Weil Quallenblüten notorisch schwer vorherzusagen sind, was die Fischerei erschwert, arbeitet die Biologin Maslin Osathanunkul von der Chiang Mai University an einer ungewöhnlichen Lösung: Per Umwelt-DNA, also genetischen Spuren im Wasser, soll sich künftig frühzeitig abschätzen lassen, wann und wo mit größeren Quallen-Ansammlungen zu rechnen ist, damit Fischer gezielter reagieren können.
Parallel dazu wird an der Burapha University im thailändischen Chon Buri an neuen, direkt verzehrfertigen Quallen-Snackprodukten geforscht, und ein Team hat mit SupperSea bereits einen knusprigen Quallen-Snack auf den thailändischen und japanischen Markt gebracht.

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Auch bei Chockdee Sea Products selbst wird experimentiert: Muensawat testet inzwischen sogar die in thailändischen Gewässern eigentlich nicht heimische Kanonenkugel-Qualle als mögliches neues Produkt.

Ob sich die gallertartigen Tiere damit tatsächlich vom ungeliebten Nebeneffekt der Meereserwärmung zum ernstzunehmenden Nahrungsmittel der Zukunft entwickeln, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Menge an „Quallen-Rohstoff“ wird in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen.

Weitere Informationen:
National Geographic (Original, EN)
National Geographic Deutschland
Frontiers in Nutrition – Jellyfish cracker development