Über Hainetze, Wale und gute Menschen

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22.08.2013 12:42
Kategorie: News

Australien – Gut vernetzt!

Wal im Hainetz, Australien Gold Coast
Die Welt ist vernetzt! Und deshalb erreichen uns auch immer wieder Nachrichten aus allen für uns Taucher relevanten Regionen rund um den Globus. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Mittwoch, dass Forscher der Universität Hawaii herausgefunden haben, dass auch nicht geschlechtsreife Wale singen. Schön, haben wir so bisher noch nicht gewusst (Quelle).

Beim Lesen dieser News fiel uns eine weitere Nachricht auf, die eine Filmsequenz von der Befreiung eines in einem Hainetz verfangenen Buckelwals an der "Gold Coast" von Queensland in Nordost-Australien zeigte. Ein kurzer, aber schöner Film, der das Herz rührt. Ein im gesamten Kopfbereich in ein Hainetz eingedrehter Wal kämpft um sein Leben und Helfer bemühen sich das Netz mit Peekhaken-Stangen vom Wal abzuziehen. Und ihnen gelingt es schlussendlich auch (Quelle)!

Wal im Hainetz, Australien Gold Coast
Ein ehrenwertes Unterfangen und wir von Taucher.Net haben wieder die übliche Diskussion begonnen, über Sinn und Unsinn von Hainetzen. Und beim erneuten Betrachten des Films lasen wir die Textzeile unter dem Filmfenster und nahmen wahr, dass es auch im Film hieß: "Taucher der Küstenwache und Rettungsschwimmer..." Zu sehen waren aber nur Schlauchboote und Helfer mit blauen T-Shirts und Helmen mit der Aufschrift "Sea World".

Das hat uns neugierig gemacht und es ist tatsächlich so, dass auch diese gute News eine Kehrseite hat, denn die ehrenwerte Gesellschaft, die den Wal aus seiner prekären Lage befreite, war ein Team vom Sea World Theme Park, einem riesigen Freizeitpark in Southport südlich von Brisbane. Und dort gibt es Unterhaltung satt. Wilde Bahnen, Wasserspektakel und natürlich auch Aquarien. Haie, Delfine, Rochen, hier kann man es hautnah haben und für 199,99 australische Dollar gibt es sogar ein "Deep Water Adventure" mit lustigen Flippern (Leih-Neopren und Rettungsweste inklusive). Für einen Stundenlohn von 2.500 € führen Trainer maximal 14 Gäste in das Reich der Delfine – eine "once in a lifetime experience".

Jetzt nur keine erneute Diskussion über Aquarienhaltung und Volksbelustigung mit gefangenen Tieren. Nur, wie geht man mit Unternehmen um, die offenbar bemüht sind anders zu sein, als viele andere, im Grunde aber dieselben Praktiken vollziehen, nur eben etwas... "menschlicher"?


Delfine (© WDCS)

Sea World

Sea World unterhält ein Research & Rescue Programm, gründete die SWRRFI (SeaWorld Research & Rescue Foundation). Das Team, das den Buckelwal jetzt aus dem Hainetz befreite gehört zu dieser Truppe und im Beirat dieser gemeinnützigen Foundation findet man lauter honorige Namen, Professoren, Doktoren, Fachleute.

Tue Gutes und sprich darüber, scheint hier das Motto zu sein und so findet man im Research & Rescue Bereich von Seaworld noch weitere rührende Stories. Da kann man Nari's Story lesen, vom Delfin, der bei einem Haiangriff im Meer verletzt worden war und ins "SeaWorld-Hospital" verlegt und geheilt wurde. Oder vom Delfin Kingy, der sich die Flosse schwer verletzt hatte, als er sich verzweifelt aus einem Hainetz zu befreien versuchte, in dem er sich verfangen hatte. Auch Kingy wurde gerettet und geheilt und wieder in die Freiheit entlassen.

Aufbau Hai-Netz  Aufbau Drumline
Shark-Net und Drumline (Klick auf Bilder für Originalgrafik)

Und da ist  auch schon das nächste Thema: Die Vernetzung großer Teile des australischen Kontinents  nicht mit dem "www." sondern mit Hainetzen ist der Grund für den qualvollen Tod zahlreicher Wale, die zu dieser Zeit zu Tausenden zur Geburt des Nachwuchses an den Küsten von Queensland vorüberziehen, zahlloser Delfine die qualvoll in den Netzen ersticken und natürlich auch von Haien, die in den für sie gestellten Netzen ebenso elend verenden.

Und so schließt sich der Kreis einer News und der dahinter befindlichen Fakten mit einen Blick auf die Seite des Queensland Government, Department of Agriculture, Fisheries and Forestry:

Hier wird das "Shark Control Program" vorgestellt. Sehr detailliert und mit Verhaltenstipps für Schwimmer, mit Fangzahlen von Haien, die im Rahmen des Shark Control Programs gefangen wurden (übrigens 753 in 2012) und mit Karten über die "vernetzten" Gebiete auch von der Gold Coast um Brisbane, an der, wie wir nun wissen, nicht alles Gold ist, was glänzt.