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Wenn tropische Haie nordwärts wandern
Ende Juli angelten die Brüder Nate und Nelson Rouette vor Falmouth, Massachusetts, einen jungen Tigerhai – ein Fang, mit dem die erfahrenen Sportfischer nicht gerechnet hatten. Sie hatten eigentlich auf gewöhnlichere Braunhaie gehofft. "Ich sah diese horizontalen Streifen und wusste sofort: Das ist ein Tigerhai", erzählte Nate Rouette, der als Social-Media-Manager beim Magazin On The Water arbeitet, der Nachrichtenagentur AP. Die Brüder setzten das rund 1,50 Meter lange Jungtier nach kurzer Zeit wieder frei.
Tigerhaie zählen zu den größten Raubhaien überhaupt – ausgewachsene Tiere erreichen bis zu 4,6 Meter Länge und über 600 Kilogramm Gewicht. Ihr eigentliches Zuhause sind deutlich wärmere Gewässer: die Karibik, das Rote Meer, der Golf von Mexiko, die Küsten Floridas und Brasiliens sowie tropische Regionen vor Australien, Südafrika, Madagaskar, Indien und Südostasien. Dass ein Jungtier so weit nördlich vor Neuengland auftauchte, ist alles andere als alltäglich.
John Chisholm, Meeresbiologe am New England Aquarium in Boston, ordnet den Fund als Teil eines größeren Trends ein: Junge Tigerhaie werden in den vergangenen Jahren zunehmend häufiger in nördlichen Gewässern gesichtet. Die steigenden Temperaturen der Weltmeere hätten den Atlantik vor Neuengland für die eigentlich wärmeliebenden Tiere zunehmend attraktiv gemacht.
Das deckt sich mit einer NOAA-Studie vom Januar 2026, die zeigte, dass Tigerhaie durch die Ozeanerwärmung früher und weiter nach Norden wandern als früher – mit der Folge, dass sie dort auch stärker der Fischerei ausgesetzt sind. Auch Jon Dodd vom Atlantic Shark Institute beobachtet die Entwicklung seit Jahrzehnten: "Ich bin seit 40 Jahren dabei – vor 20, 15 Jahren sah man sie hier nicht. Dass sie jetzt mit größerer Regelmäßigkeit auftauchen, ist schon etwas beunruhigend."
Tigerhaie sind dabei nicht die einzige Art, die es zunehmend weiter nach Norden zieht: Auch Weiße Haie werden vor Cape Cod immer häufiger gesichtet, was Forscher unter anderem auf ein größeres Robbenvorkommen zurückführen, sowie andere Meeresbewohner wie der Schwarze Umberfisch, die ebenfalls in wärmer werdenden Gewässern neue Lebensräume erschließen.
Für die Rouette-Brüder war der Fang sicher ein aufregendes Erlebnis, doch Nate Rouette erkennt darin auch ein Zeichen der Zeit: "Man sieht definitiv immer mehr Arten, die genau das anzeigen" – gemeint ist die fortschreitende Erwärmung der Meere.
Weitere Informationen:
https://fortune.com/.../climate-change-is-making-cape-cod-a-tiger-shark-habitat/
https://www.boston.com/news/.../tiger-shark-massachusetts-warming-waters/