Tauziehen um besseren Schutz für Wale

Teile:
22.10.2022 20:54
Kategorie: News

Trotz eines dramatischen Showdowns hält die IWC das Moratorium aufrecht und macht einen schüchternen Schritt in Richtung einer stärkeren Walschutzagenda

Vertreterinnen und Vertreter der 88 Mitgliedsländer der Internationalen Walfangkommission (IWC) trafen sich ab letztem Montag (17.10.22) im slowenischen Badeort Portoroz zu ihrer Jahrestagung. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit Meeressäugetieren wie Walen und Delfinen, für deren kommerziellen Fang seit 36 Jahren ein im Prinzip weltweites Verbot gilt. Der Schutz der Meeressäuger wurde und wird immer löchriger, weil etliche Vorbehalte und Ausnahmebestimmungen bestehen bzw. neu hinzukommen.

Gallery 1 here

Das Plenum der bis zum 21. Oktober dauernden IWC-Jahrestagung erörtert unter anderem einen Antrag mehrerer afrikanischer und karibischer Länder, der darauf abzielt, Walfang als – wie es heißt – „Beitrag zur Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit für viele Menschen auf der Welt“ zu etablieren. Dieser eigentlich komplett absurde Vorschlag wurde wohl von den Walfangländern wie z.B. Japan (die aber seit 2019 aus dem IWC ausgetreten sind und sich keinen weltweit gültigen Regeln zum Walfang beugen wollen) ins Leben gerufen und über die vorab genannten Länder in das Plenum eingebracht. Eine wenigstens einigermaßen fundierte wissenschaftliche Grundlage, dass der Walfang die Ernährungssicherheit der Menschheit stabilisieren könnte, fehlt natürlich. Auch logisch, denn diese Annahme ist nichts als eine Nebelbombe um weiter dem sinnlosen Wal-Abschlachten zu frönen.

Walschutz ist essentiell für die Welt

Durch die Industrialisierung der Schifffahrt und der Jagd hatte der Walfang vor allem ab ca. 1850 rasant zugenommen. Walfang war aufgrund der aus den Walkadavern gewonnenen Produkte, sehr lukrativ. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Populationen verschiedener Walarten dadurch auf einen Bruchteil der ursprünglichen Menge dezimiert.

Mit der zurückgehenden wirtschaftlichen Bedeutung des Walfangs kam es vor genau 40 Jahren, 1982, zum Walfangmoratorium. Nach Jahrzehnten würden sich nun die Bestände etwa von Finnwalen langsam erholen und es scheint, dass sie an Orte zurückkehren, aus denen sie fast verschwunden waren.

Natur- und Walschutzorganisationen wie der WDC oder OceanCare verweisen auf die wichtige Rolle, die Wale im Ökosystem der Meere spielen. Sie sorgen für eine ausbalancierte Nährstoffzirkulation, eine gesündere Fischpopulation und vor allem helfen sie doppelt bei der CO2-Speicherung: Einerseits, indem sie mit ihren Darmausscheidungen das Wachstum von Plankton, das selbst in riesigen Mengen CO2 speichert, fördern.

Ein großer Wal speichert zudem selbst im Laufe seines Lebens viele Tonnen an CO2. Der Wal sinkt nach seinem Tod auf den Meeresboden, das CO2 dringt somit nicht in die Atomsphäre. Laut Schätzungen hat ein durchschnittlicher Wal eine ähnliche Klimawirkung wie Hunderte Bäume und bindet rund 30 Tonnen CO2.

Showdown auf der Plenarsitzung

Die IWC erlebte auf der Plenarsitzung einen Showdown zwischen naturschutzorientierten Ländern und Befürwortern des Walfangs, als eine Abstimmung über ein Walschutzgebiet im Südatlantik von 17 Befürwortern des Walfangs durch Verlassen der Plenarsitzung verhindert wurde. Die südamerikanischen Länder und mehrere andere Mitglieder drückten ihre Bestürzung über diesen diplomatischen Affront aus. „OceanCare bedauert zutiefst, dass Walfangnationen das Treffen blockiert haben, indem sie nicht in den Konferenzraum zurückgekehrt sind, wodurch eine Abstimmung über das Schutzgebiet verhindert wurde. Es ist fair, dies als diplomatischen Skandal und Erpressung von Mitgliedern eines internationalen Abkommens zu bezeichnen“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare.

Allerdings erlitten auch die Walfangnationen eine Niederlage und mussten ihre beiden umstrittenen Vorschläge, den zur Aufhebung des Moratoriums und den zur Ernährungssicherheit, zurückziehen, als klar wurde, dass sie eine Abstimmung verlieren würden. „Die Arbeit an der Ausrottung des Hungers ist für die Weltgemeinschaft von größter Dringlichkeit, aber zu glauben, dass der Walfang irgendetwas zum Erreichen dieses Ziels beitragen könnte, ist nichts als töricht. Die Rücknahme der Resolution ist ein konsequenter Schritt, aber man kann sicher sein, dass das Pro-Walfang-Lager weiter an diesem Narrativ  arbeiten wird, und es beim nächsten Treffen wieder versuchen wird“, sagt Nicolas Entrup, Direktor Internationale Zusammenarbeit OceanCare.

Er fügt hinzu: „Es ist großartig, dass auch die Initiative zur Aufhebung des Moratoriums für den kommerziellen Walfang zurückgezogen wurde, womit das Verbot des kommerziellen Walfangs verteidigt wurde. Aber das bedeutet nicht, dass die Bedrohung verschwunden ist. Wir sind besorgt, dass die Pro-Walfang-Nationen weitermachen und es beim nächsten IWC-Treffen wieder versuchen werden, da es Teil einer Strategie ist, die IWC davon abzuhalten, sich auf die Entwicklung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen zu konzentrieren.

Als weitere positive Entwicklung wurde die vierte Resolution zur Plastikverschmutzung im Konsens angenommen, was von OceanCare begrüßt wird: „Ein besseres Verständnis und auch bessere Maßnahmen, um Walen und Delphinen zu helfen, in einer Meereswelt zu überleben, die von massiver Plastikverschmutzung betroffen ist. Das ist das Hauptziel, das die IWC in der Resolution beschlossen hat“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare.

Insgesamt ein gemischtes Ergebnis“, sagt Nicolas Entrup, „trotz verzweifelter und skandalöser Taktiken von Pro-Walfang-Nationen, die eindeutig von Japan gelenkt wurden, gelang der IWC ein kleiner Schritt nach vorne in Richtung einer stärker am Walschutz orientierten Organisation und – was am wichtigsten ist – sie hielt das Moratorium auf kommerziellen Walfang aufrecht.

Weitere Informationen:
OceanCare
WDC Whale and Dolphin Conservation