Tauchmedizin mal ganz anders

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03.11.2008 12:37
Kategorie: News
Vom 24-26. Oktober 2008 fand in Innsbruck zum 6. Mal der Barakuda Tauchmedizinworkshop statt. Dieses bereits über die österreichischen Grenzen bekannte Seminar des ITC Barakuda Clubs Innsbruck findet alljährlich an der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin I (Direktor O.Univ.Prof.Dr. J. Patsch) unter der Leitung von Oberarzt Dr. Frank Hartig statt. Frank ist langjähriger Taucherarzt, Barakuda Course Director und Internist an der Innsbrucker Uniklinik. Gemeinsam mit seiner Partnerin und Molekularbiologin Dr. Andrea Köhler hat Frank auch dieses Mal wieder spannende Themen zum „Anfassen“ präsentiert. So wurden die pathophysiologischen Grundlagen auf der Anatomie am Präparat veranschaulicht und auch das weltberühmte Anatomische Museum besichtigt. Hier waren aus tauchmedizinischer Sicht vor allem die Nieren- und Wachstumsfugenpräparate sowie ein "PFO-Herz" sehr spannend. Uns allen war danach ganz klar welche Gefahren in den fragilen Wachstumsfugen lauern und wie unglaublich schnell so ein Nierengewebe ist. Übrigens basteln die beiden Wissenschaftler an einem Urintest für DCS-Erkennung der schnellen Gewebe.
Nach einer Besichtigung der Schockräume und der zentralen medizinischen Notfallaufnahme ging es weiter zu den Grundlagen der Reanimation und deren sinnvolle Umsetzung im Rahmen eines Tauchunfalls. In einer gemütlichen Gruppe von 8 Teilnehmern wurden real gespielte Erste Hilfe Szenarien mittels Videoanalysen untersucht. Beim Thema Airtrapping wurden Videos von Patienten mit deren Lungengeräuschen und Lippenpressatmungen präsentiert. Auch die Luftinjektionen unter die Haut und Tasten des „Mediastinalemphysems“ darf bei Franks Seminaren nicht fehlen. So gelang es, die theoretischen komplexen Zusammenhänge durch einfache Experimente schnell zu verstehen. Am nächsten Tag folgten dann die Grundlagen über Tauchmedizin und die 3 Säulen der Dekompressionslehre. Auch hier fanden wieder unzählige praktische Demonstratioenen und Versuche zu Blasentheorien, Gewebesättigungen und vielem Mehr statt. Frank und Andrea lieben es heilige Kühe zu schlachten und überzeugen durch einerseits geballtes Fachwissen, andererseits durch ihre Erfahrung in den Bereichen Tauchen und Tauchmedizin. „Man sollte vielmehr darüber reden was man erlebt hat anstatt darüber zu reden, was man gehört hat“ war der Leitsatz.
Als Höhepunkt folgten dann die Ultraschall- und Doppleruntersuchungen an zwei Tauchern, die direkt nach einem 40m Tauchgang im Achensee zu uns in die Klinik kamen. Wir konnten die Blasen in deren Gefäßen sehen und hören. Messungen vor Sauerstoff, nach Sauerstoff, nach Bewegung und mit und ohne Infusion machten deutlich, welche Risikofaktoren deutlich zum Dekompressionsstress beitragen.

Auch Pausenausflüge ins Reich der Geschichte der Dekompression oder gefährliche Meerestiere oder erlebte Tauchunfallberichte von Frank und Andrea zeugten von der Erfahrung der beiden. Frank und Andrea präsentierten hautnah spannende Experimente aus der Grundlagenforschung und erklärten in ihrer gewohnt hunmorvollen und emotionalen Art selbst diese schwierigen Sachverhalte mit Beispielen aus unserem Alltag. Alle Teilnehmer sind sich einig: Das war das beste tauchmedizinische Seminar in 2008 und als solches absolut einzigartig. Leider nur viel zu kurz, man will einfach mehr.