Stellungnahme Bauer zum Tauchunfall auf der Baani Adventurer

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20.06.2008 10:27
Kategorie: News
Es war kein klassischer Tauchunfall, den 11 Gäste der M/Y Baani Adventure erlitten. Für einen 41-jährigen russischen Divemaster, endete der Tauchgang am 22. Mai 2008 tödlich. Die anderen Tauchgäste wurden mit Vergiftungserscheinungen nach Male ins Hospital gebracht. Bereits einige Tage zuvor stellten Gäste und ein maldivischer Tauchguide nach den Tauchgängen heftige Kopfschmerzen fest. Die Untersuchungen der maldivischen Polizei zum Unfall auf der "Baani Adventurer" sind noch nicht abgeschlossen.

Von Bauer  Kompressoren erhielten wir eine Stellungnahme zum Ablauf des Unfalls:

Hochreine Atemluft ist der elementare Ausrüstungsbestandteil des Tauchequipments.

Weil Atemluft unsichtbar in Tauchflaschen verborgen und damit nur schwer greifbar ist, sind sich viele Taucher und Befüllstationen oft nicht bewußt, daß Gesundheit und – wie sich jetzt auf den Malediven gezeigt hat,  letztlich auch das Leben von der Qualität der eingeatmeten Luft abhängt.
BAUER KOMPRESSOREN ist sich als Marktführer und Technologieführer im Bereich der Atemlufterzeugung der ungeheuren Verantwortung bewußt, die das Unternehmen mit der Herstellung von Atemluftkompressoren trägt und unternimmt alle erdenklichen Maßnahmen um bei der erzeugten Atemluft ein Höchstmaß an Sicherheit und Qualität zu garantieren:
  • Alle Atemluftkompressoren von BAUER KOMPRESSOREN sind mit seit Jahrzehnten bewährten Filtersystemen ausgerüstet ( TRIPLEX , P-Filtersysteme), die die ohnehin schon strengen Grenzwerte der DIN EN 12021 erfüllen und sogar teils erheblich unterschreiten.
  • Die  SECURUS-Filterüberwachung  von BAUER KOMPRESSOREN ist das weltweit einzige Gerät, welches die Standzeit der Filterpatrone durch Messung mittels eines Sensors im Inneren der Filterpatrone permanent überwacht und so rechtzeitig vor Sättigung der Filterpatrone warnt und die Anlage dann abschaltet. Und das 100%ig zuverlässig – in jeder Patrone ist ein neuer Sensor enthalten, der gegenüber dem Wettbewerb immer neu ist und  bei Sensordefekt den Kompressor abschaltet. Demgegenüber verwendet der Wettbewerb fragwürdige Sensoren die in kurzen Abständen teuer Rekalibriert werden müssen und deren Messwertzuverlässigkeit nicht überprüfbar ist, geschweige das sie im Gefahrenfall den Kompressor abschalten.Das Aktivkohlebett in der Patrone, welches Stoffe wie Öl und andere Schadstoffe ausfiltert, bietet eine Sicherheitsreserve, die noch weit über die Sättigungsgrenze der Patrone hinausreicht.
  • Für Kompressoren, die mit Verbrennungsmotoren betrieben werden oder die  Umgebungen  Abgase aus Verbrennungsmotoren enthalten könnte, ist ein Ansaugen der kontaminierten Luft möglichst zu vermeiden (siehe Hinweise zu Aufstellung/Ansaugverlegung weiter untern). Falls dies nicht zu 100% vermeidbar ist,  hat BAUER KOMPRESSOREN Filterpatronen mit einem speziellen Katalysator  entwickelt, die das gefährliche Kohlenmonoxid (CO) in ungefährliches CO2 umwandeln.
  • Die umfangreiche Anlagendokumentation, die jeder Anlage beiliegt, behandelt alle Sicherheitsaspekte wie die richtige Aufstellung und  den sicheren Betrieb der Anlage. Zusätzlich bietet BAUER KOMPRESSOREN im eigenen Werk und durch seine Partner ein breites Schulungsprogramm an, welches interessierte Kursteilnehmer auf den sicheren und verantwortungsvollen Betrieb und Wartung der Anlage vorbereitet.
Fazit:
Bei korrektem Anlagenbetrieb ist eine Gefährdung von Leben und Gesundheit durch  schlechte Atemluftqualität ausgeschlossen.
Der tragisch verlaufene Tauchunfall auf den Malediven zeigt exemplarisch und in aller Deutlichkeit, wie durch schlampigen und rein profitorientierten Anlagenbetrieb in Verbindung mit schlechter Ausbildung des Basenpersonals unter Außerachtlassung aller denkbaren Sicherheitsvorkehrungen der „worst case“, der Tod eines Tauchers und die schwere gesundheitliche Beeinträchtigung von weiteren neun Tauchern eintreten kann:

Die Untersuchungen der maledivischen Polizei sind noch nicht abgeschlossen. Aber nach allen zusammengetragenen Informationen kann folgender Ablauf als gesichert gelten:

Mit einem Tauchboot  „baani adventurer“ des Veranstalters „Touring Maledives“, auf dem sich der Unfall am 28.Mai 2008 ereignete, wurden in den Tagen davor bereits mehrere Ausfahrten statt. Einige der Teilnehmer klagten nach den Tauchgängen über Kopfschmerzen.
An Bord befanden sich mehrere Anlagen von unterschiedlichen Herstellern, die alle über Verbrennungsmotoren betrieben wurden.  
Wenige Tage vor dem Unfall versagte bei einem der Kompressoren  der Antriebsmotor des Fabrikats HONDA. Ein herbeigerufener Motorenmechaniker, der für die Wartung  des HONDA Motors ausgebildet war, untersuchte den Motor und stellte fest, daß der Motor aufgrund fehlenden Services mangels Öl einen Totalschaden erlitten hatte. In diesem Zusammenhang untersuchte er den Luftansaugfilter des Kompressors und stellte fest, daß dieser  total verkokt war. Normalerweise färben sich die Papierlamellen des Filters im Laufe des Betriebes durch die in der Luft enthaltenen Luftpartikel grau, bis dieser sich zugesetzt hat und getauscht werden muß. Die enthaltenen massivem Verkokungen  konnten aber  nicht durch normale Luftverschmutzung entstanden sein, sondern beruhten auf  der Ansaugung von Russpartikeln aus (nach dem Verkokungsgrad des Luftfilters zu schließen in massiver Menge) angesaugten Abgasen, die  von den Abgasschwaden des Schiffsdiesels und/oder den Verbrennungsabgasen der anderen Kompressoren  stammten.

Werden Kompressoren mit Verbrennungsmotor betrieben, muß die Luft so angesaugt werden, daß eine Belastung durch Verbrennungsabgase ausgeschlossen ist. Dies wird entweder durch ein Ansaugteleskop oder einen Ansaugschlauch bewerkstelligt, bei der die Öffnung entsprechend positioniert werden muß.

Fotos, die nach dem Unfall aufgenommen wurden, zeigen zudem, daß die Ansaugschläuche defekt und an zahlreichen  Stellen mit Klebeband notdürftig geflickt waren. Die Schlauchenden und die defekten Schlauchpassagen lagen im  Abgasstrom der Verbrennungsmotoren der anderen Kompressoren und des Schiffsantriebs. Zudem wollen nach unbestätigten Meldungen Teilnehmer beobachtet haben, daß die Ansaugschläuche kompressorseitig gar nicht angeschlossen waren.

Betreiberversagen 1:  Die Ansaugluft war durch schlecht gewartete Anlagen und falsch positionierte, defekte Schläuche hochgradig mit dem potentiell tödlichen Kohlenmonoxid  und mit Kohlendioxid belastet.
Untersuchungen der maledivischen Polizei ergaben, daß zudem entgegen der eindeutigen Anweisung in den Betriebshandbüchern der Anlage der falsche Filterpatronentyp verwendet wurde: Statt der Filterpatrone für Kompressoren mit Verbrennungsmotor, deren zusätzlicher Katalysator Kohlenmonoxid neutralisiert, wurde eine Filterpatrone verwendet, die nur für Anlagen mit emissionsfreiem Elektroantrieb zugelassen wird.
Ob es sich bei der Fehlverwendung um ein Versehen oder eine Sparmaßnahme handelte, bleibt Spekulation. Nach Informationen von lokalen Szenekennern handelt es sich – soweit nicht die Patronen ohnehin unsachgemäß selbstbefüllt wurden - bei ca. 90 % der gekauften Patronen um solche, die nur für den Betrieb von Elektromotoren zugelassen sind, obwohl ein hoher Anteil der Anlagen auf den Malediven mit Verbrennungsmotoren betrieben wird. Als Grund wird der (wegen des teuren CO-Katalysatormaterials ) höhere  Preis der Filterpatronen vermutet. Daß bis zum jetzigen Unfall auf den Malediven keine derartigen Unfälle passiert sind, kann unter den geschilderten Rahmenbedingungen als Glücksfall gelten.
Die Luftmessungen, die anläßlich des Unfalls an den beschlagnahmten Atemluftflaschen der verunfallten Tauchern vorgenommen wurden, wiesen dementsprechend so hohe Belastungen von CO auf, daß die verwendeten Prüfröhrchen komplett durchschlugen. Der maximale Meßbereich beträgt 150 ppm CO. Der zulässige Obergrenzwert liegt mit 15 ppm CO aber um den Faktor 10 unterhalb des maximal mit dem Prüfröhrchens meßbaren und darstellbaren Bereichs von 150 ppm. Das bedeutet, daß die CO Belastung in der Luft des getöteten Tauchers um ein mindestens das 10fache über dem zulässigen Grenzwert gelegen haben muß.
Bei den anderen Tauchern  betrug die Belastung durchschnittlich 80 ppm, damit das 5-6fache des zulässigen oberen Grenzwerts.
Betreiberversagen 2: Infolge der Verwendung der falschen Filterpatrone konnte die CO belastete Ansaugluft ungehindert in die Tauchflasche gelangen und durch Atmen der hochgradig mit CO / CO2 belasteten Luft zum Tod bzw den Gesundheitsschäden der betroffenen Taucher führen.

Wie können solche  Unfälle in Zukunft verhindert werden?
Verfügbare Originalersatzteile, Schulungen, Zertifizierungen von Kompressorbetreibern. Bei der Konstruktion, Produktion und weit darüber hinaus (Fachwartungen, weltweit schnell AIR Zertifikat) unternimmt BAUER KOMPRESSOREN alle erdenklichen Maßnahmen, um für die Erzeugung von hochreiner Atemluft - besser als DIN EN 12021 - zu sorgen.
Die Möglichkeiten der Einflußnahme enden dort, wo – wie jetzt auf den Malediven geschehen – die schwarzen Schafe unter den Betreibern mangels technischer Kompetenz, aus Gründen der Schlamperei und/oder Sparsamkeit elementare Sicherheitsvorschriften mißachten.
Dieses Problem kann nur durch die Wachsamkeit von Reiseveranstaltern, Fachpublikationen und nicht zuletzt des sensibilisierten und informierten Endkunden, des Tauchers, erreicht werden, die auf unseriöse Betreiber Druck ausüben, gefährliche Praktiken beim Umgang mit Atemluft einzustellen. Für Reiseveranstalter ist dies nach dem neuen Grundsatzurteil des BGH aus dem Jahr 2007 zum Reiserecht (, das den Veranstaltern bei den Partnern vor Ort strenge Kontrollpflichten auferlegt hat) sogar schlichte Pflicht und Notwendigkeit um einer eigenen Haftung zu entgehen.
Der Endkunde, Besucher der Tauchbasis hat natürlich mangels mitgeführten Luftmessgeräts nur eingeschränkte Möglichkeiten, die Luftqualität zu bewerten.
Aber er hat das Recht auf eine mängelfreie Ausrüstung, deren wichtigster Bestandteil  reine Atemluft ist. Und durch Aufmerksamkeit und gezielte Fragen an den  Reiseveranstalter und/oder  vor Ort an den Tauchbasenbetreiber kann er als Kunde am ehesten den notwendigen Druck aufbauen, um den unseriös operierenden Betreiber aus Angst vor ausbleibenden Kunden zu einer Verhaltensänderung zu zwingen:

Als Anhaltspunkte zur Beurteilung der Luftqualität bieten sich an:

  • Fragen nach vorrätigen Originalfilterpatronen und Wechselintervallen. ( Selbstfüller!) Seriöse Veranstalter führen über die Patronenwechsel ein Logbuch oder verfügen über eine ständige Filterüberwachung wie SECURUS. Hartnäckig sein, nicht mit pauschalen Allgemeinplätzen abspeisen lassen!
  • Steht der Kompressor in einer stickigen Ecke, irgendwo im Schiffsboden? Wenn ja: Saugt der Kompressor Frischluft an,  wo enden die Ansaugschläuche?
  • Macht die Füllanlage und der Füllraum einen sauberen, gut gewarteten Eindruck ( Sagt nicht alles, ist aber ein Indiz)?
  • Treten nach dem Tauchen Kopfschmerzen auf, die sich nicht anders erklären lassen oder schmeckt die Luft schlecht / bzw nach Öl. Alarmzeichen!!
  • Bietet der Betreiber Tauchgänge zu ortsunüblich niedrigen Preisen an. Der Wettbewerb unter den Tauchschulen ist an manchen Orten extrem hart. Gespart wird dann nicht selten, da wo man es nicht sieht, zum Beispiel an der Wartung und den Verbrauchsmaterialien des Kompressors. Qualität bekommt man selten zum Discountpreis.
Das Unternehmen BAUER KOMPRESSOREN wird angesichts dieses gleichermaßen tragischen wie vermeidbaren Tauchunfalls seine Anstrengungen hinsichtlich der Aufklärung der Betreiber und Endkunden verstärken und die Zertifizierung von Tauchbasen vorantreiben.