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20 Millionen Dollar für die Region
Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.) zählen neben Zyklonen und Korallenbleiche zu den größten Bedrohungen für das Great Barrier Reef. Die bis zu 80 Zentimeter großen, giftstachelbewehrten Räuber fressen sich bei Massenausbrüchen durch ganze Riffabschnitte, indem sie ihren Magen über Steinkorallen stülpen und das verdaute Gewebe aufnehmen.
Seit 1962 gelten solche Ausbrüche als eine der Hauptursachen für den Korallenverlust am Riff. Um die Populationen einzudämmen, injizieren Taucher den Tieren gezielt eine tödliche Lösung aus Essig oder Gallensalz. Die Methode ist aufwändig, aber sicher und das Riff selbst bleibt unversehrt.
Aus Naturschutz wird Wirtschaftsfaktor
Eine neue, im Fachjournal Marine Policy veröffentlichte Studie hat nun erstmals durchgerechnet, was ein solches Kontrollprogramm der Region wirtschaftlich einbringt. Das 5,5 Millionen Dollar teure Programm in der Region Cairns erzeugte 2024/25 eine wirtschaftliche Gesamtleistung von rund 20 Millionen Dollar in Far North Queensland – aufgeteilt in 10,5 Millionen Dollar direkte Effekte, 4,9 Millionen Dollar über Zulieferer und 4,8 Millionen Dollar über Konsumausgaben. Zusätzlich sicherte das Programm 61 Vollzeitstellen, davon 34,4 direkt im Wassereinsatz, 13,5 bei Zulieferern und 13,4 über Konsumeffekte.
"Dieses Programm schützt nicht nur die Korallen am Great Barrier Reef – es beschäftigt junge Arbeitskräfte und erzeugt echte finanzielle und arbeitsplatzschaffende Folgeeffekte für die Allgemeinheit", erklärt Dr. Rickard Abom vom Reef and Rainforest Research Centre, Co-Autor der Studie und Manager des Seestern-Programms. Die Ergebnisse zeigten, dass Investitionen in Naturschutz mehrere positive und messbare Effekte für die Gemeinschaft erzeugten.
Dr. Henry Bartelet, der die Forschung als Fellow am Cairns Institute der James Cook University leitete, betont, wie überfällig eine solche Analyse war: "Wenn es um Rohstoffprojekte wie Kohleminen ginge, wäre diese Art der Untersuchung Standard. Aber für Riff-Interventionen wurde diese Art der wirtschaftlichen Analyse in Australien bislang noch nicht durchgeführt." Man habe wissen wollen, wie viel von dem ausgegebenen Geld tatsächlich in der Region hängen bleibt.
Die Studie zeigt: Der größte Teil der Gelder fließt direkt an die Arbeitskräfte im Wasser, hinzu kommen Ausgaben für Treibstoff, Verpflegung und Getränke sowie Verwaltungspersonal an Land. Auch die Wartung der eingesetzten Boote erfolgt lokal und unterstützt damit den Bootsbau-Sektor in Cairns. Co-Autor Professor Stewart Lockie ergänzt, das Programm liefere "den wirtschaftlichen Nachweis, dass solche Programme Beschäftigungsperspektiven für Menschen schaffen".
Für die Berechnungen nutzte das Forschungsteam ein etabliertes Input-Output-Modell, wie es auch in anderen Wirtschaftsbereichen zur Analyse regionaler Effekte eingesetzt wird. Finanziert wurde die zugrunde liegende Studie über eine Partnerschaft aus dem australischen Reef Trust und der Great Barrier Reef Foundation, an der Untersuchung selbst waren neben der James Cook University auch das Reef and Rainforest Research Centre sowie INLOC beteiligt.
Das Riff selbst bleibt unter Druck
Bei aller positiven wirtschaftlichen Bilanz bleibt die eigentliche ökologische Herausforderung bestehen: Die Studie bewertet ausschließlich die regionalwirtschaftliche Wirkung des Bekämpfungsprogramms, nicht den generellen Zustand des Riffs.
Dornenkronenseesterne bleiben ein wiederkehrendes Problem, dessen Ausbrüche vermutlich durch mehrere Faktoren gleichzeitig begünstigt werden, darunter erhöhte Nährstoffeinträge und der Rückgang natürlicher Fressfeinde durch Fischerei.
Die Injektionsmethode selbst ist im Übrigen selektiv genug, um für Taucher und andere Riffbewohner ungefährlich zu bleiben – anders als der Kontakt mit den Giftstacheln der Seesterne selbst, der bei Menschen zu Übelkeit, Lähmungserscheinungen und starken Schmerzen führen kann.
Weitere Informationen:
Oceanographic Magazine
Deutsche Stiftung Meeresschutz