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Bund kippt umstrittene Gebührenpläne
Gute Nachrichten für den Schutz der Ostsee: Das Bundesverkehrsministerium hat beschlossen, dass die Anpflanzung von Seegraswiesen in der Ostsee künftig kostenlos möglich sein wird – sofern die Maßnahme im öffentlichen Interesse liegt. Damit findet ein Konflikt sein Ende, über den wir bereits berichtet hatten.
Ausgangspunkt war, kurz gesagt, Behördenlogik zum Kopfschütteln: Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes wollte für das Anpflanzen von Seegras Nutzungsgebühren für den Meeresboden verlangen – Summen, die laut Medienberichten im fünf- bis sechsstelligen Bereich lagen. Zu den Betroffenen gehörte das Forschungsprojekt Zobluc am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, das die Rolle von Seegraswiesen als CO₂-Senken untersucht und aus dem Bundesprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ sechs Millionen Euro an Fördermitteln erhält.
Das eigentliche Anpflanzen erfolgt von Hand: Freiwillige Taucher graben einzelne Seegrasbüschel aus gesunden Spenderwiesen aus, sortieren sie an Land zu Bündeln und pflanzen sie an anderer Stelle wieder ein. Die Freiwilligen werden von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd in Abstimmung mit dem Landes-Tauchverband Schleswig-Holstein geschult. Etwa 130 Freiwillige hatten sich bereits für die diesjährige Saison angemeldet und sich freigenommen, um zwischen zwei und vier Hektar neue Seegraswiesen anzulegen – und damit eine erfolgreiche Kampagne aus dem Vorjahr fortzusetzen, bei der rund 100.000 Setzlinge gepflanzt wurden.
Die Gebührenzahlungspflicht drohte, diese Arbeit zum Erliegen zu bringen. Kritik kam unter anderem vom GEOMAR selbst sowie von Umweltorganisationen wie BUND und NABU, die dies als „Fall für eine Satire-Fernsehsendung“ bezeichneten: Ausgerechnet ehrenamtlicher Klima- und Naturschutz sollte als kommerzielle Nutzung des Meeresbodens behandelt werden. Daraufhin unterzeichneten über 5.000 Menschen eine Petition an das Bundesverkehrsministerium.
Warum Seegraswiesen so wichtig sind
Seegraswiesen gehören zu den wertvollsten Ökosystemen der Ostsee. Sie binden CO₂, wirken der Eutrophierung entgegen, schützen Küstengebiete vor Erosion und dienen unter anderem als wichtige Aufzuchtgebiete für Dorsch und Hering. In der Ostsee vor der Küste Schleswig-Holsteins sind die Seegrasbestände in den letzten Jahrzehnten aufgrund von Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft, Schiffsankern und anderen menschlichen Einflüssen stark zurückgegangen – die Wiederansiedlung ist daher ein langfristiges Projekt.
Mit der Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums ist nun die finanzielle Hürde aus dem Weg geräumt. Antragsteller müssen zwar weiterhin die technischen Anforderungen erfüllen und das öffentliche Interesse an ihrem Projekt nachweisen, doch die drohenden Kosten stellen kein Problem mehr dar. Für Sea Shepherd, GEOMAR und die vielen ehrenamtlichen Taucher bedeutet dies, dass die geplanten zwei bis vier Hektar neuer Seegraswiesen noch in diesem Jahr wie vorgesehen angelegt werden können.