Schillerlocken wieder im Handel

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26.06.2013 15:12
Kategorie: News

Schillerlocken (Dornhai) wieder an den Fischtheken

Dornhai (Helmut Debelius)
Rewe, Penny, Delinero.de, aber auch andere Anbieter, verkaufen seit einiger Zeit wieder Dornhai in Form von Schillerlocken. Die weltweiten Bestände sind stark bedroht und müssen dringend geschützt werden.

Wegen des Konsums von „Schillerlocken“, die aus den Bauchlappen des Dornhais gewonnen werden, steht diese Hai-Art sprichwörtlich am Abgrund. Die Fangmengen in der Nordsee waren aufgrund der massiven Ausbeutung während mehr als 30 Jahren exzessiven Fangs um 96 Prozent zurückgegangen. In den Gebieten der EU ist der Dornhai mittlerweile konsequent geschützt.

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass die von Rewe und anderen Unternehmen aktuell wieder angebotenen Schillerlocken nicht aus den ehemaligen Fanggebieten der EU stammen, sondern aus legalen Fanggebieten im Westatlantik. Die dieser Tage im Angebot befindlichen Schillerlocken sind aus MSC zertifizierter Fischerei „gefertigt“.

Aktuelle Ergänzung (26.6.2013/17:55 Uhr)


Der Pressesprecher der REWE Group, Andreas Krämer, hat uns soeben mitgeteilt, dass PENNY aktuell keine Schillerlocken im Sortiment hat (in einigen Märkten werden noch Restbestände abverkauft) - es gab allerdings kurze Zeit ein zeitlich befristetes Testangebot. Aufgrund der darauf erfolgten Kundenreaktionen werden die PENNY Märkte in Zukunft keine Schillerlocken (auch keine MSC zertifizierten) mehr anbieten.



Das Umweltsiegel des MSC steht für die Zertifizierung durch eine unabhängige Stelle und bedeutet, dass der Fang aus nachhaltigem Fischfang stammt. Im Zusammenhang mit dem MSC Siegel ist aber durchaus die Frage erlaubt, wie sinnvoll ein „Umweltsiegel“ ist, welches bei einer generell stark gefährdeten Haiart erlaubt, diesen in begrenzten Gebieten zu fangen, nur weil dort der Bestand noch nicht am Ende ist...

MSC (Marine Stewardship Council) - Hintergründe


Gegründet wurde das MSC (Marine Stewardship Council) 1997 vom Unilever-Konzern, zu dem bis 2006 unter anderem die Marke Iglo gehörte, und der Umwelt- und Naturschutzorganisation Worldwide Fund for Nature (WWF). Der MSC wurde 1999 von Unilever und dem WWF unabhängig. Obwohl es hohe Auflagen für das Fisch-Siegel gibt, wollen immer mehr Fischverarbeiter ihre Produkte damit zieren.

Das renommierte Kieler Geomar-Institut überprüfte rund 130 vom MSC zertifizierte Fisch-Bestände. Fischereibiologe Rainer Froese: "Etwa ein Drittel der MSC-zertifizierten Fischbestände war zu klein und wurde gleichzeitig zu hart befischt, sodass sich die Bestände nicht erholen können und schrumpfen." Nur zwei der 31 Kriterien für das MSC-Siegel beschäftigen sich mit der Frage, wie es den Fischen geht, moniert Froese in einem Geomar Bericht. Trotzdem sollten die Verbraucher weiterhin auf die Siegel achten, "weil trotz aller Fehler der Anteil gesunder Bestände hier höher ist als bei nicht-zertifizierter Ware", so Froese.

Siehe auch: Geomar: Überfischt und trotzdem aufgetischt!


Giftig bleibt er trotz allem

Schillerlocke, Dornhai - extrem belastet durch Methylquecksilber
Untersuchungen belegen eindeutig, dass gerade Haie (auch Schillerlocke = Dornhai), die ja die Spitze der marinen Nahrungskette bilden, extrem starke Belastungen an Methylquecksilber aufweisen und daher zum menschlichen Verzehr völlig ungeeignet sind.

Methylquecksilber ist ein Killer“, so der Toxikologe Dr. Hermann Kruse von der Universität Kiel. „Es ist eines der biologisch aktivsten und gefährlichsten Gifte für den Menschen. Dazu kommt, dass Methylquecksilber ein „Trojanisches Pferd“ ist, das mühelos jede Schutzbarriere des menschlichen Organismus passieren kann, was anderen Giften meist nicht gelingt.

Es schädigt das Gehirn sowie andere Organe des vergifteten Menschen oft lang anhaltend. Auch die diaplazentare Schranke, der Trennmechanismus zwischen dem Blut der werdenden Mutter und dem embryonalen Blut des Fötus, wird direkt in voller Konzentration passiert. Missbildungen, Entwicklungsschäden und neurologische Defizite, sowie Nierenschäden können die Folge sein. Eine giftbedingte Einschränkung der Zeugungsfähigkeit wurde bei Menschen nachgewiesen.

Entsprechende Konzentrationen vorausgesetzt, wirkt Methylquecksilber tödlich. Dass Haiprodukte mit diesem Hintergrund überhaupt noch im Handel zum menschlichen Verzehr angeboten werden, wird von Hai- und Verbraucherschützern gleichermaßen als Skandal bezeichnet. „Es ist mehr als schizophren, wenn wir etwas aus Essgelüsten ausrotten und uns damit gleichzeitig hochgradig vergiften“ so Gerhard Wegner von Sharkproject.


Petition: Stoppt den Verkauf von Dornhai

Über Stop-Finning

Die Gruppe -  Stop Finning - Initiatoren der Petition, gibt es seit 2006. Der Start des Projektes war die Idee, die Menschen ausführlich über das Thema Finning aufzuklären. Seit Anfang 2012 ist die Gruppe dabei das Projekt zu einer vollwertigen Organisation zu machen.

Mittlerweile hat sich die Organisation Stop Finning zur Aufgabe gemacht, den Absatzmarkt von Haiprodukten in Deutschland einzudämmen. Es geht um die Durchsetzung eines Verkaufsverbots für Haifischprodukte in Deutschland. Durch Events im Jahr 2013 plant Stop Finning den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern und wird noch in diesem Jahr eine e.V. Gründung bewerkstelligen. Aktuell besteht die Gruppe aus fünf aktiven Mitgliedern. Wer sich der Idee anschließen will, oder einfach nur die Hintergründe wissen will, erfährt mehr auf der Seite Stop-Finning.com.