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Tauchgang unter polizeilicher Aufsicht
Im Normalfall frage ich nicht lange nach, wenn ich plane, ein Gewässer taucherisch zu erkunden. In diesem speziellen Fall habe ich mir allerdings vorsorglich eine behördliche Genehmigung eingeholt. Das Gewässer befindet sich nämlich in einem Natura 2000 Schutzgebiet, in den Karpaten in Rumänien.
Bericht von Nick Niederlande
Mit den rumänischen Autoritäten wollte ich definitiv nicht in Konflikt geraten! Wie sich herausstellt, ist dies eine sehr gute Entscheidung, denn ich werde vor Ort tatsächlich kontrolliert!
Aber von vorne: Bei meinen zahlreichen Besuchen in Rumänien bin ich auf einen wunderschönen Gebirgssee gestoßen. Der Balea See, auf Rumänisch „Lacul Balea“, ist ein reiner Gletschersee, auf 2034 m zwischen den beiden höchsten Bergen der Karpaten, dem Negoiu und dem Moldoveanu gelegen. Bei den Besuchen in den Jahren vor meinem Tauchgang, hat er sich mir immer in wunderschönem Blau und mit glasklarem Wasser präsentiert. Aber dazu später…
Auf der Transfagarasan Richtung Ziel
Auf unserer Fahrt von Kronstadt (Brasov) zum Lacul Balea passieren wir idyllische Dörfer und entdecken auf gefühlt jedem zweiten Strommast ein Storchennest. Unser Weg führt uns über Landstraßen, auf denen wir nicht nur motorisierten Gefährten begegnen, sondern auch Pferdefuhrwerken, die allesamt rechts ranfahren, um uns passieren zu lassen. Ja, die Rumänen sind freundliche und hilfsbereiten Menschen. Wir erreichen die Stadt Fagaras und fahren hier vorbei an der wunderschönen Orthodoxen Kathedrale Sfantul Ioan Botezatorul, deren goldene Kuppeln mit der Sonne um die Wette strahlen. Ein toller Anblick! Und ab jetzt wird es richtig interessant: Wir nähern uns einer ganz außergewöhnlichen Passstraße, der Transfagarasan.
Viele Aspekte machen diese Passstraße einzigartig, einer davon ist die Tatsache, dass sie in nur 4 Jahren von 1970 bis 1974 erbaut wurde. Eine sehr große Anzahl von Ingenieuren, Bergleuten und Soldaten haben sie geplant und erbaut. Sie ist 151 km lang und verbindet das Olt-Tal mit dem Arges-Tal. Oft wolkenverhangen, wird sie von Einheimischen auch „Straße in den Wolken“ genannt. Die Transfagarasan ist tatsächlich ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen und da sie für so manches Auto eine Herausforderung ist, liegt an gewissen Stellen der Passstraße ein latenter Geruch von glühenden Bremsscheiben und verbrannten Kupplungsbelägen in der Luft. Aber sie ist ein Traum und es wird behauptet, sie sei die schönste Passstraße der Welt!
Eine weitere Besonderheit ist, dass sie nur vier Monate im Jahr auf der gesamten Strecke befahrbar ist, die Höhenlagen sind bis Juni vom Schnee bedeckt. Im Winter ist sie quasi nicht vorhanden und liegt unter einer Skipiste. Aber auch Wanderer kommen hier auf ihre Kosten, denn von der Passhöhe aus kann man wunderschöne Wanderungen, fern ab von dem bei uns üblichen alpinen Massentourismus, unternehmen.
Zurück zu meinem Tauchausflug: Wir passieren die zahllosen Serpentinen der Transfagarasan und die zahlreichen Imbissbuden am Straßenrand kündigen uns an, dass uns nur noch wenige hundert Meter von der Passhöhe trennen. Auch am Parkplatz gibt es unzählige Imbissstände, aber und das ist eine weitere Besonderheit, es gibt hier weit und breit keine Mülleimer!
Müllproblem im Naturschutzgebiet
Ich schäume nun auf dem Parkplatz meinen Opencell Neo ein, ziehe mich um, schultere meinen Bleigurt, klemme mir meine Flossen unter den Arm und starte meinen Fußmarsch zum Lacul Balea. Die Touristen hier sind so in den Genuss der kulinarischen Köstlichkeiten vertieft, niemand nimmt zur Kenntnis, dass ich hier im Tauchanzug an ihnen vorbeilaufe. Aber einem aufmerksamen Mitarbeiter der Bergwacht falle ich auf, der umgehend die Gebirgspolizei alarmiert. Zwei Beamte der Politia Montana rücken postwendend an und sagen mir freundlich aber unmissverständlich, dass ich hier nicht tauchen darf, da der See Teil des Naturschutzgebietes ist. Aber darauf bin ich ja vorbereitet und ziehe meinen Joker, also meine Tauchgenehmigung (und meinen Personalausweis) hervor. Ein kurzer Anruf bei der entsprechenden Behörde und der Gebirgspolizist erlaubt mir, in den See zu steigen. ABER! Nur unter einer Auflage! Ich darf nichts aus dem See mitnehmen.
Ja nun, das Einzige, was ich aus diesem See hätte mitnehmen können, wäre jede Menge Müll gewesen! Auf dem größten Teil des Seebodens gibt es nämlich keinen einzigen Quadratmeter ohne Müll.
Und so ergibt sich die folgende witzige Szene: Einer der Gebirgspolizisten hat mich bei meinen ersten Tauchgängen vom Ufer aus beobachtet. Nach einiger Zeit winkt er mich dann zu sich und frägt mich, was ich da im Wasser bzw. am Grund so sehe. Ich sage ihm „Müll“, nichts außer jeder Menge Müll. In dem Gespräch biete ich ihm eine Säuberungsaktion an, da ich hier Urlaub mache und in den nächsten Tagen mehrfach wiederkommen könnte. Mein Vorschlag wird allerdings mit der Begründung abgelehnt, man wisse dann nicht, wohin mit dem ganzen Müll. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, aber bei Lichte betrachtet ist es doch sehr traurig. Da befindet man sich in einem Naturschutzgebiet und den See darf man nicht betauchen, aber es wird an den Imbissbuden tonnenweise Müll produziert, der dann, mangels Mülleimern, in der Natur landet.
Im südwestlichen Bereich des Sees, dessen Ufer nicht so bequem zugänglich ist, ist der Seegrund nicht so extrem vermüllt, sodass ich dort einen schönen Tauchgang habe. In meinem Film zeige ich auch nur diesen Bereich. Die tiefste Stelle des Lacul Balea liegt ein einem stark verschmutzen Abschnitt. Bei meinem Tauchgang an dieser Stelle habe ich bis zum Erreichen des Seebodens 0,0 Sicht. Schade um den schönen See, der sich mir in den Jahren zuvor glasklar präsentiert hat. Er verschmutzt zusehends und der Wasserstand sinkt langsam aber stetig. Ich vermute, nicht zuletzt, durch die Entnahme seiner winterlichen Eisdecke zugunsten des Baus eines Eishotels.
Ein besonderer und schöner Tauchausflug geht zu Ende: Rumänien ist ein Land, das man unbedingt besucht haben sollte!
Videos und youTube Channel:
Video Scufundare libera in Lacul Balea | Apnoe (youTube)
youTube Channel Nick Niederlande