Rückschlag für den Schutz von Kleinwalen: Schweiz zieht eigene Resolution zurück

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03.10.2026 13:28
Kategorie: News

Rückzug von Resolution trotz möglicher Mehrheit im Plenum

Bei der 70. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Hobart, Australien, hat die Schweiz am 1. Oktober überraschend ihre eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurückgezogen, noch bevor es zur Abstimmung kam.

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Der Entwurf mit dem Titel "Small Cetacean Directed Takes Linked to Commercial Fisheries" sollte gezielte Tötungen von Delfinen und anderen Kleinwalen im Zusammenhang mit kommerzieller Fischerei sowie deren Nutzung als Fischköder sichtbarer machen, bestehende Datenlücken schließen und Mitgliedsstaaten stärker in die Pflicht nehmen.

Besonders bemerkenswert am Rückzug: Nach eigenen Angaben der Schweizer Delegation hatte sich im Plenum durchaus eine Mehrheit für die Resolution abgezeichnet, konstruktive Änderungsvorschläge lagen bereits auf dem Tisch, und die eigentliche Verhandlungsrunde war schon terminiert. Als Begründung für den dennoch erfolgten Rückzug verwies die Delegation darauf, eine Resolution sei nur so gut wie ihre tatsächliche Umsetzung, und äußerte Zweifel an den vorhandenen Kapazitäten der IWC, sich dem Thema angemessen anzunehmen.

Die Tierschutzorganisation WDC Deutschland bezeichnete den Schritt als katastrophales Signal, das die Tür für stärkeres Engagement der Kommission beim Schutz von Kleinwalen und Delfinen vorerst fester verschließen dürfte. "Gerade bei Themen, die die Jagd auf Wale und Delfine betreffen, ist die internationale Gemeinschaft auf die Expertise und den wissenschaftlichen Rat der IWC angewiesen", so die Organisation.

Kampagnen-Leiterin Katrin Matthes forderte die Mitgliedsstaaten auf, stattdessen die Kapazitäten von Wissenschaftsausschuss und Komitees zu stärken, anstatt drängende Fragen aus vermeintlichen Kapazitätsgründen unbearbeitet zu lassen. Auch die Organisation Pro Wildlife äußerte scharfe Kritik an dem Rückzug.

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Eine Lücke im Schutzsystem

Der Vorgang verweist auf eine strukturelle Besonderheit der IWC: Während für Großwale seit 40 Jahren ein Moratorium gegen kommerziellen Walfang gilt, existiert für Kleinwale und Delfine kein vergleichbares, verbindliches Schutzregime, obwohl sich die Kommission bereits seit Jahren auch mit dieser Tiergruppe befasst. Eine Resolution wie die nun zurückgezogene hätte daran zwar grundsätzlich nichts geändert, da IWC-Resolutionen rechtlich nicht bindend sind, aber zumindest ein politisches Signal gesetzt und Grundlagen für künftige Datenerhebung und Regierungsverantwortung geschaffen.

Nicht alle Themen der Tagung endeten mit einem Rückschlag für den Artenschutz: Resolutionen zum globalen Handel mit Fischmagen und dem damit verbundenen Beifang bedrohter Wale, zu Schiffskollisionen sowie zu Strandungen als übergreifender Priorität der IWC wurden von den Mitgliedsstaaten breit unterstützt und angenommen.

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Die sogenannte Hobart-Erklärung, die anlässlich des 80. Jahrestags des Walfang-Abkommens verabschiedet wurde, erhielt ebenfalls einen Konsens. Ein erneuter Vorstoß für ein Walschutzgebiet im Südatlantik scheiterte hingegen zum wiederholten Mal an der notwendigen Dreiviertelmehrheit.

Weitere Informationen:
WDC Germany – Rückschlag für den Schutz von Kleinwalen und Delfinen
wildbeimwild.com – IWC Hobart: Schweiz zieht eigene Delfin-Resolution zurück
Oceanographic Magazine – South Atlantic Whale Sanctuary Bid Fails a Second Time at IWC
International Whaling Commission – IWC70 Meeting Agenda