Kategorie: News
Ein Taucher, ein Felsen – und ein Sensationsfund
Rund drei Seemeilen vor der Küste von Mazara del Vallo im Westen Siziliens liegt seit über 2.000 Jahren ein Stück Handelsgeschichte auf dem Meeresgrund. Anfang August wurde das Wrack entdeckt – nach Einschätzung des italienischen Kulturministers Alessandro Giuli eine der bedeutendsten Unterwasser-Archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre.
In rund 46 Metern Tiefe liegt ein römisches Handelsschiff, das laut ersten Datierungen zwischen dem 2. und 1. Jahrhundert vor Christus gesunken sein dürfte – also zur Zeit der späten Römischen Republik. An Bord: Hunderte Amphoren, größtenteils ein für diese Epoche typisches Gefäß, das vor allem für den Weintransport genutzt wurde. Zusätzlich fanden die Taucher zwei bleierne Ankerschäfte sowie ein weiteres schweres Objekt aus Blei am Fundort.
Entdeckt wurde das Wrack nicht durch systematische Forschung, sondern durch einen Hinweis von Privatpersonen. Nach ersten Medienberichten, wonach ein Fischer den Fund gemacht habe, stellte sich heraus: Der italienische Taucher Giacomo De Mola war es, der bei einem Tauchgang zunächst einen gewöhnlichen Felsen zu erkennen glaubte – bis er darunter die große Ansammlung von Amphoren entdeckte. Er informierte daraufhin die zuständige Soprintendenza del Mare der Region Sizilien.
Die anschließende Erkundung war eine gemeinsame Aktion mehrerer Behörden: das Nucleo Carabinieri Tutela Patrimonio Culturale (die auf Kulturgüterschutz spezialisierte Einheit der Carabinieri) aus Palermo, die Soprintendenza del Mare sowie die Carabinieri-Taucheinheit aus Messina, unterstützt von einem Streifenboot der Carabinieri aus Trapani. Mit Überwachungstechnik und Unterwasserkameras dokumentierten und vermaßen die Teams den Fundort.
Eine der wichtigsten antiken Seerouten
Das Wrack wurde bislang lediglich lokalisiert und fotografisch erfasst, nicht vollständig ausgegraben. Ein Großteil seiner Geschichte liegt also weiterhin unter 46 Metern Wasser verborgen. Erst weitere Untersuchungen sollen klären, woher das Schiff kam, wohin es unterwegs war und welche Umstände zu seinem Untergang führten.
Das Wrack liegt in der Nähe einer der wichtigsten antiken Seerouten, die die italienische Halbinsel mit Nordafrika verband – ein Gebiet, das in der Römerzeit zentral für den Handel im westlichen Mittelmeer war. Funde wie dieser liefern wertvolle Anhaltspunkte über Handelswege, Warenströme und die Wirtschaft der römischen Antike.
Mazara del Vallo ist dabei kein Neuling in der Unterwasserarchäologie: Bereits 1998 wurde vor der Stadt der berühmte "Tanzende Satyr" gefunden, eine griechische Bronzestatue, die heute als eines der bedeutendsten antiken Kunstwerke Siziliens gilt. Der neue Fund reiht sich in eine lange Liste antiker Schätze ein, die das Meer rund um Sizilien – darunter auch vor den Ägadischen Inseln, Pantelleria und Capo Passero – im Laufe der Jahre freigegeben hat.
Für Taucher ist das Wrack aktuell nicht zugänglich: Der Fundort steht unter behördlichem Schutz, während die Soprintendenza del Mare weitere Dokumentations- und Schutzmaßnahmen vorbereitet. Ob und wie der Fundort langfristig für die archäologische Forschung oder womöglich sogar für begleitete Tauchgänge erschlossen wird, ist bislang offen.
Quellen
Ministero della Cultura: offizielle Pressemitteilung
Zeitungsmeldung: La Sicilia