Riffgeräusche und lebende Beschichtung

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16.10.2026 08:49
Kategorie: News

Wie Korallenlarven zum Bleiben gelockt werden sollen

Ein Riff zu retten beginnt oft ganz klein, nämlich mit einer Koralle, die sich auf dem Meeresboden festsetzt. Forscher der Scripps Institution of Oceanography in Kalifornien haben vor Hawaii zwei Werkzeuge dafür getestet: die Geräusche eines gesunden Riffs und eine Beschichtung aus lebenden Bakterien.

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Die Studie ist am 8. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Communications Biology erschienen. Sie betrifft nur diesen ersten Schritt, die Ansiedlung der Larven, und noch kein nachgewachsenes Riff.

Warum die Ansiedlung so wichtig ist

Korallen beginnen ihr Leben als winzige, frei schwimmende Larven. Sobald sie einen geeigneten Platz gefunden haben, setzen sie sich fest und wachsen zur Kolonie heran. Auf geschädigten Riffen fehlen oft sowohl die Larven als auch die Signale, die ihnen sagen, dass hier ein guter Ort zum Bleiben ist. Genau da setzt der Versuch an.

Ein gesundes Riff ist nämlich nicht still. Fische, Knallkrebse und andere Krebstiere erzeugen einen dichten Geräuschteppich, der auf geschädigten Riffen deutlich dünner ausfällt. Die Forscher wollten wissen, ob sich Larven von diesem Klang anlocken lassen.

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Lautsprecher, Tonmodule und Bakterienfilm

Für den Feldversuch nahmen die Forscher zunächst über einen ganzen Mondzyklus die Geräusche eines gesunden Riffs vor Oʻahu auf. Im Juli 2024 spielten sie diese Aufnahmen in der Kāneʻohe Bay in 4,5 Metern Tiefe über einen Unterwasserlautsprecher ab, zwei Wochen lang jeweils von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Rund um den Lautsprecher lagen 37 künstliche Strukturen, in einem Abstand von 1 bis 42 Metern. Darunter waren 19 Ansiedlungsmodule für Korallen.

Die zweite Zutat heißt BRINK („Bacterial Reef Ink“) also Riff-Tinte aus Bakterien. Es handelt sich um ein lichtgehärtetes Gel, in dem zwei Bakterienarten leben, die Korallenlarven zur Ansiedlung anregen sollen. Entwickelt wurde es unter anderem von Natalie Levy und Daniel Wangpraseurt. Im Labor hat BRINK die Ansiedlung der Art Montipora capitata nach einer früheren Studie in PNAS Nexus um mehr als das Fünffache gesteigert. Im Meer war das bisher nicht gezeigt. Einige der Strukturen im Feldversuch waren mit BRINK beschichtet, andere nicht.

Gezählt wurde der Nachwuchs von Montipora capitata, einer in Hawaii häufigen Steinkoralle. Taucher kontrollierten die Strukturen ein und zwei Wochen nach Neumond, in der Laichzeit der Art. Beim Zählen arbeiteten sie mit blauem Licht und einem gelben Filter.

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Am meisten Larven siedelten sich auf den Strukturen in der Nähe des Lautsprechers an. Am besten schnitten die Strukturen ab, die mit BRINK beschichtet waren. Auch die Bauform der Module spielte eine Rolle. Die Autoren halten die Kombination der drei Ansätze für aussichtsreich genug, um größere Folgeversuche zu rechtfertigen.

Die Autoren bleiben allerdings vorsichtig. Die Nähe zum Lautsprecher beweist nicht, dass der Schall die Larven angelockt hat. Ebenso könnten Zufall, Fische, die junge Korallen fressen, oder die Lage der Strukturen am Meeresboden die Verteilung erklären. Der Versuch lief mit einem Lautsprecher an einem Standort in einer Laichsaison. Offen ist, wie sich das Ganze bei stärkerer Strömung, in anderen Jahreszeiten oder mit anderen Korallenarten verhält. Die Strukturen aus dem 3D-Drucker wurden außerdem nur mit Schall, nicht mit BRINK getestet. Für künftige Versuche empfehlen die Forscher, beides zu kombinieren.

Auch Fischlarven reagierten

Parallel erschien in Scientific Reports eine zweite Studie des Teams um die Doktorandin Océane Boulais. Selbst gebaute Kameras zählten Fischlarven an einem beschallten Standort und an einem Vergleichsstandort. Am Standort mit Riffgeräuschen kamen insgesamt bis zu vierzehnmal mehr Fischlarven an. Das Ergebnis blieb auch bestehen, als die Lautsprecher vertauscht wurden.

Ein Riff aus Technik und Natur

Hinter beiden Studien steht ein Förderprogramm der US-Forschungsagentur DARPA mit dem Namen R3D, kurz für „Rapid Resilient Reefs for Coastal Defense“. Es geht also darum, mit Riffen die Küste zu schützen. Als nächsten Schritt plant das Programm vor Oʻahu ein 50 Meter langes Hybridriff aus künstlichen Strukturen und Korallen. Laut Scripps soll es rund 22 Millionen US-Dollar kosten. Die Korallen sollen Ende 2026 oder Anfang 2027 ausgebracht werden.

Ob sich Riffe mit Klang und Biomaterial tatsächlich schneller erholen, werden erst mehrjährige Beobachtungen zeigen. Der Hawaii-Versuch liefert dafür einen Anfang. Wie belastbar der Effekt der Geräusche ist, müssen weitere Versuche mit passenden Vergleichsgruppen klären.

Weitere Informationen:
Pressemitteilung UC San Diego / Scripps Institution of Oceanography 
Originalstudie in Communications Biology, DOI 10.1038/s42003-026-10932-3