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Eine neue Art mit Zorro-Maske
Wie viele Rochenarten tatsächlich in den Gewässern der Fidschi-Inseln leben, weiß bis heute niemand genau. Laut Literatur sollen es rund 19 Arten sein; eine unglaubliche Vielfalt. Doch fast 70 Prozent der bislang dokumentierten Fidschi-Rochen gelten als in ihrem Bestand gefährdet. Ein deutliches Signal, wie dringend hier Forschung und Schutz nötig sind.
Genau hier setzt ein Projekt der Deutschen Stiftung Meeresschutz an, geleitet von der Meereswissenschaftlerin Kerstin Glaus (ETH Zürich).
Der bislang größte Erfolg des Projekts: Im Juni 2025 beschrieben Glaus und Kollegen im Journal of Fish Biology eine völlig neue, nur auf Fidschi vorkommende Rochenart – den Fidschi-Maskenrochen (Neotrygon romeoi n. sp.). Damit erhöht sich die Zahl bekannter Maskenrochen-Arten der Gattung Neotrygon auf 17. Sein deutscher Name verrät bereits das auffälligste Merkmal: ein Muster, das an die Maske Zorros erinnert.
Der Fidschi-Maskenrochen sticht durch zwei ausgeprägte Flecken hinter den Augen, sowie eine sehr ausgeprägte Dornenreihe auf dem Rücken heraus. Namensgeber der Art ist übrigens Romeo Glaus, der verstorbene Vater der Erstautorin.
Mit bis zu 40 Zentimetern Durchmesser ist der Fidschi-Maskenrochen die am häufigsten gefischte Rochenart des Archipels. Über seine Fortpflanzung ist wenig bekannt: Wie andere Maskenrochen ist er vermutlich aplazental lebendgebärend mit histotropher Ernährung der Embryonen über Gebärmuttersekrete. Die weiblichen Rochen bringen vermutlich nur ein bis maximal vier Jungtiere zur Welt – eine extrem niedrige Reproduktionsrate. Ein mögliches weiteres Problem: in der 2026 veröffentlichten Folgestudie unter Glaus' Betreuung, fanden die Forscher zudem bei mehr als 71 Prozent der untersuchten Tiere Mikroplastik im Magen-Darm-Trakt.
„Für mich gibt es keine unscheinbaren Arten. Der Fidschi-Maskenrochen ist der wohl häufigste Rochen Fidschis. Er ist nicht gerade klein, lebt in Küstennähe und wurde trotzdem erst 2025 als eigene Art beschrieben. Es gibt noch viel zu sehen, wenn wir genauer hinschauen. Und jede neu beschriebene Art liefert ein weiteres Puzzleteil, um die faszinierende Evolution und Biogeografie der Maskenrochen zu verstehen,“ meint Kerstin Glaus.
Um die Artenvielfalt möglichst umfassend zu beschreiben, kombiniert das Projekt mehrere nichtinvasive Methoden. eDNA-Analysen weisen genetische Spuren nach, die Tiere in ihrer Umgebung hinterlassen, ohne dass ein einziges Exemplar gefangen werden muss – so gelang bereits der Nachweis von Gitarrenrochen-DNA bei Nasoata und Savusavu und in Votua.
Beköderte Unterwasserkamerasysteme (BRUVs) dokumentieren zusätzlich Verhalten und Häufigkeit von Rochen und Haien, während morphologische Untersuchungen von Fängen auf lokalen Fischmärkten weitere Daten liefern. Ziel ist es, Licht in die sogenannte "dunkle Diversität" zu bringen – Arten, die fehlen oder vermeintlich fehlen, weil der Nachweis mit klassischen Methoden bislang nicht gelang.
Von Zwergrochen bis zum drei Meter langen Geigenrochen
Das Artenspektrum der Fidschi-Rochen umfasst eine große Vielfalt an Formen und Lebensweisen. Der erst 2016 wissenschaftlich beschriebene Ozeanien-Fächerrochen misst gerade einmal rund 22 Zentimeter und lässt sich anhand seiner individuellen Musterung sogar einzeln wiedererkennen und katalogisieren. Der Rosa Peitschenrochen dagegen erreicht knapp 1,50 Meter Durchmesser und ist für rätselhafte Ansammlungen von bis zu 25 Tieren am Meeresboden bekannt, deren Zweck bislang nicht geklärt ist. Am anderen Ende der Größenskala steht der bis zu drei Meter große Weißfleck-Geigenrochen, eine stark gefährdete Art der sogenannten "Rhino Rays", bei der Forscher ebenfalls von möglichen endemischen Unterarten ausgehen. Der stark gepanzerte Igelrochen wiederum trägt zwar keinen Stachel, dafür aber eine mit Dornen gespickte Haut, die ihn selbst vor Speerfischern weitgehend schützt.
Neustart mit Fokus auf Drawaqa und die Yasawa-Inseln
Das Projekt läuft seit Dezember 2021 fortlaufend und wird nach Angaben der Stiftung im kommenden Jahr mit einem Schwerpunkt auf der Insel Drawaqa und den südlichen Yasawa-Inseln neu aufgesetzt – Regionen, die bereits jetzt zu den zentralen Forschungsgebieten zählen. Verantwortlich für die Durchführung des Projekts ist der Drawaqa Marine Conservation Trust.
Die gewonnenen Daten sollen auch praktisch wirken: Neu beschriebene, endemische Arten wie der Fidschi-Maskenrochen können in den Fidschi Endangered and Protected Species Act aufgenommen werden, was Handel und Schutz der Tiere gesetzlich regeln würde.
Langfristig soll die Forschung zudem helfen, sogenannte „Important Shark and Ray Areas“ zu identifizieren und lokale Schutzgebiete einzurichten – ein Beitrag zum international vereinbarten 30x30-Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meeresflächen wirksam zu schützen.
Weitere Informationen:
Deutsche Stiftung Meeresschutz
Drawaqa Marine Conservation Trust