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Was ich nach vielen Haitauchplätzen weltweit an Südafrikas Ostküste besonders finde
Ich bin nicht zu Protea Banks gefahren, weil ich unbedingt noch einen weiteren Haitauchplatz auf meiner persönlichen Liste brauchte. Eigentlich dachte ich, nach vielen Jahren und zahlreichen Reisen wüsste ich ungefähr, was mich erwartet.
Bericht von Jannik Reisberg
Ich hatte Haie unter anderem in Indonesien, auf den Galápagos-Inseln, in Costa Rica, Kenia, auf den Philippinen, in Französisch-Polynesien, Thailand, Mexiko, Mosambik und Fidschi erlebt. Dazu kamen die Weißen Haie vor Südafrika. Jeder dieser Orte hatte seinen eigenen Charakter.
Was hat mich bei Protea Banks dann so überrascht? Nicht die Begegnung mit einer einzelnen Haiart. Sondern die Kombination aus offenem Ozean, unterschiedlichen Haiarten und der schieren Anzahl von Tieren, die während eines Tauchgangs auftauchen können.
Nicht „ein Hai kommt vorbei“
Das erste, was ich an Protea Banks anders empfinde, ist die Dynamik.
Bei vielen Hai-Tauchgängen wartet man gespannt auf den Moment, in dem ein Tier auftaucht. Bei Protea Banks kann sich diese Situation komplett drehen: Plötzlich sind mehrere Haie gleichzeitig da – und man versucht nicht mehr, überhaupt einen Hai zu entdecken, sondern herauszufinden, wohin man zuerst schauen soll.
Bullenhaie, Ocean Blacktips und Ragged-Tooth Sharks (Sandtigerhai) gehören zu den Begegnungen, die möglich sind. Dazu kommen je nach Bedingungen und Jahreszeit Hammerhaie und mit etwas Glück Tigerhaie.
Besonders die Hammerhaie sind für mich ein Erlebnis für sich. Wenn eine Gruppe aus dem Blau auftaucht und nicht nur ein einzelnes Tier an einem vorbeizieht, bekommt man einen völlig anderen Eindruck von diesen Tieren.
Ich habe irgendwann einfach nur noch gedacht:
„Da sind so viele Haie gleichzeitig – ich weiß gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen soll.“ So ein Problem nehme ich beim Haitauchen jederzeit gerne in Kauf!
Protea Banks: nicht mit einem klassischen Rifftauchgang zu vergleichen!
Protea Banks liegt rund zehn Kilometer vor Shelly Beach im offenen Indischen Ozean. Das spürt man vom ersten Moment ...
Schon die Ausfahrt mit dem Schlauchboot durch die Brandung gehört zum Gesamterlebnis. Unter Wasser ist man dann nicht in einer geschützten Lagune unterwegs, sondern in einem Offshore-Gebiet, in dem die Bedingungen den Charakter des Tauchgangs bestimmen.
Genau deshalb würde ich Protea Banks nicht als Ziel für Taucher auswählen, die einen entspannten unkomplizierten Urlaubstauchgang suchen.
Man sollte Erfahrung mitbringen, sich im Freiwasser wohlfühlen und seine Ausrüstung sicher beherrschen. Strömung, Tiefe und die Dynamik des offenen Ozeans gehören hier dazu.
Ist das ein Nachteil? Für mich ganz im Gegenteil – genau darin liegt der Reiz.
Ein Teil der Faszination entsteht gerade darin, dass man merkt, wie klein man selbst in diesem Lebensraum ist.
Haie verändern ihre Wirkung, wenn man ihnen länger begegnet
Was ich beim Haitauchen besonders spannend finde, ist die Veränderung der eigenen Wahrnehmung. Am Anfang konzentriert man sich auf den Hai selbst: Wie groß ist er? Wie nah kommt er? Welche Art ist es?
Nach einer Weile beobachtet man andere Dinge: Wie schwimmt das Tier? Ändert es seine Richtung? Wie reagieren mehrere Haie aufeinander? Wie ruhig bewegt sich ein Tier, obwohl man selbst vielleicht gerade voller Adrenalin ist?
Diese längeren Beobachtungen haben meine Einstellung zu Haien verändert. Ich habe nicht irgendwann beschlossen, dass Haie „nicht gefährlich“ sind. Das ist meiner Meinung nach auch der falsche Ansatz. Wildtiere bleiben Wildtiere. Aber aus einer diffusen Angst kann Wissen entstehen. Und aus Wissen wird Respekt!
Und genau deshalb engagiere ich mich heute bei SharkVoice für den Schutz der Haie.
Scented Dive – für mich eine besondere Form der Beobachtung
An Protea Banks werden auch sogenannte Scented Dives angeboten. Dabei werden die Haie nicht gefüttert. Stattdessen wird eine Duftspur ins Wasser eingebracht, um Tiere aus der Umgebung aufmerksam zu machen und näher an den Tauchplatz zu bringen.
Für mich ist dabei entscheidend, dass man versteht, was man tut und warum. Vor dem Tauchgang gibt es entsprechende Briefings zu Verhalten und Positionierung.
Ich persönlich empfinde gerade die Möglichkeit, Haie über längere Zeit aus nächster Nähe beobachten zu können, für besonders interessant. Nicht, weil es spektakulär aussehen soll, sondern weil man dadurch Gelegenheit bekommt, sich tatsächlich mit dem Verhalten der Tiere auseinanderzusetzen.
Und natürlich gibt es Tauchgänge, bei denen die Tiere ganz anders auftauchen als erwartet! Und genau das macht das Erlebnis für mich aus!
Der vielleicht größte Unterschied: Man weiß nie genau, was kommt
Das klingt zunächst banal. Für mich ist es aber einer der wichtigsten Punkte. Wer nach Protea Banks fährt und eine bestimmte Haiart auf seiner persönlichen Checkliste abhaken möchte, könnte enttäuscht werden. Es gibt keine Garantie, dass genau der gewünschte Hai auftaucht. Aber gerade das finde ich sehr spannend und gut.
Bei einem Tauchgang können Bullenhaie und Ocean Blacktips die Hauptrolle spielen. Beim nächsten sind es vielleicht Ragged-Tooth Sharks. Dann plötzlich Hammerhaie – oder mit etwas Glück ein Tigerhai. Und manchmal kommt etwas völlig anderes dazu.
Bei einem Tauchgang erlebe ich beispielsweise neben den Haien auch eine Gruppe von etwa 20 Delfinen in rund 20 Metern Tiefe. Gerade solche Begegnungen lassen sich nicht bestellen oder planen!
Für wen lohnt sich Protea Banks?
Aus meiner Sicht vor allem für Taucher, die nicht nur einen weiteren warmen Rifftauchgang suchen.
Wer gerne im offenen Wasser taucht, mit Strömung umgehen kann, seine Ausrüstung sicher beherrscht und sich auf ein dynamisches Tauchgebiet einlassen möchte, findet hier ein außergewöhnliches Ziel.
Wer dagegen gerade mit dem Tauchen begonnen hat oder sich bei Tiefe und Strömung noch nicht sicher fühlt, sollte zunächst Erfahrung sammeln.
Und dann gibt es noch eine zweite Gruppe, für die Protea Banks besonders interessant sein kann: Taucher, die bereits viele Haitauchplätze kennen und glauben, sie hätten ungefähr verstanden, was sie erwartet. Gehörte ich selbst zu dieser Gruppe? Ja, über viele Jahre. Ich habe bereits viele der bekannten Namen auf meiner persönlichen Liste. Und trotzdem bin ich sehr überrascht.
Haie unter Wasser, Afrika über Wasser
Ein weiterer Grund, warum ich immer wieder nach KwaZulu-Natal zurückkehre, liegt außerhalb des Wassers.
Protea Banks lässt sich mit weiteren Erlebnissen in der Region verbinden. Nach einem Tag mit Haien im Indischen Ozean kann am nächsten Tag eine Safari folgen.
Giraffen, Elefanten und Nashörner statt Bull Sharks und Hammerhaie.
Genau dieser Wechsel macht die Region für mich so besonders. Die Reise fühlt sich nicht wie ein reiner Tauchurlaub an, sondern wie eine Kombination aus zwei völlig unterschiedlichen Naturerlebnissen.
Nach über 20 Jahren Tauchen dachte ich, ich hätte schon viele Überraschungen erlebt. Protea Banks hat mir gezeigt, dass das Meer noch immer wieder neue bereithält.
Über den Autor
Jannik Reisberg ist PADI Divemaster, Autor des Reisebuchs „Gefühlsachterbahn – 422 Tage, 27 Länder, 6 Kontinente“ und deutschsprachiger Ansprechpartner von Dive In Adventure Tours in Südafrika. Seit 2025 reist er regelmäßig nach Protea Banks und engagiert sich bei SharkVoice für den Schutz der Haie.