Pottwale ändern ihre Rufe, wenn Schiffe in der Nähe sind

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10.08.2026 12:12
Kategorie: News

Schiffsgeräusche beeinflussen die Sprache der Wale

Pottwale gelten als die größten Zahnwale der Erde – und offenbar auch als erstaunlich anpassungsfähige Kommunikatoren. Eine neue Studie zeigt: Sobald Schiffsgeräusche im Wasser zu hören sind, verändern die Tiere ihre charakteristischen Klicklaute messbar.

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Ein Team um David Gruber vom gemeinnützigen Project CETI (Cetacean Translation Initiative) wertete über 1.000 sogenannte Codas aus – kurze, unverwechselbare Klickfolgen, mit denen sich Pottwale untereinander verständigen. Die Daten stammen von 13 markierten Tieren, die vor der Karibikinsel Dominica mit akustischen Sendern ausgestattet waren. Per Hintergrundgeräuschen und Schiffsverkehrsdaten ließ sich feststellen, wann Schiffe in der Nähe waren.

Im Zentrum der Analyse standen zwei Klickmuster, sogenannte A- und I-Codas, deren akustische Eigenschaften an die Vokale "a" und "i" der menschlichen Sprache erinnern. Das Ergebnis: War Schiffslärm zu hören, nutzten die Wale deutlich häufiger A-Codas, und die Abstände zwischen den Klicks wurden kürzer. Dieses Interklick-Intervall ließ sich so zuverlässig messen, dass die Forscher allein anhand der Klickmuster vorhersagen konnten, ob sich ein Schiff in der Nähe befand.

Sprechen die Wale über die Schiffe – oder leidet nur die Verständigung?

Genau das ist die spannende, bislang offene Frage. Möglich wäre, dass die Tiere aktiv auf die Geräusche reagieren und diese quasi in ihre Kommunikation einbeziehen. Ebenso denkbar ist, dass der Lärm ihre Verständigung schlicht stört und die veränderten Klickmuster eine akustische Anpassung an schwierigere "Hörbedingungen" sind – vergleichbar damit, wie Menschen in lauter Umgebung automatisch lauter oder deutlicher sprechen.

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Ein Hinweis in diese Richtung: Bei Schiffslärm fiel es dem Forschungsteam selbst schwerer, die Coda-Typen eindeutig zu unterscheiden. Das deutet darauf hin, dass auch die Wale untereinander Schwierigkeiten haben könnten, sich bei Lärmbelastung zuverlässig zu verstehen.

Ein wachsendes Problem unter Wasser

Die Ergebnisse reihen sich in eine Entwicklung ein, die vielen Tauchern aus eigener Erfahrung vertraut ist: Unterwasserlärm durch Schifffahrt nimmt seit Jahrzehnten zu, mit spürbaren Folgen für Meeressäuger – von Stressreaktionen bis zu Veränderungen bei Nahrungssuche und Fortpflanzung. Unabhängige Fachleute bewerten die Studie als wichtigen Baustein: Sie zeigt erstmals sehr detailliert, wie tief Schiffslärm bis in die feinste Struktur der Wal-"Sprache" hineinwirkt.

Wer regelmäßig in Gewässern mit Pottwal-Vorkommen unterwegs ist, etwa in der Karibik oder im Mittelmeer, bekommt mit dieser Studie einen weiteren Grund, das Thema Unterwasserlärm im Blick zu behalten. Leisere Boote, angepasste Routen und Rücksichtnahme beim eigenen Bootsverkehr sind kleine, aber wirksame Hebel, um die akustische Lebenswelt dieser hochsozialen Tiere zu schützen – und damit auch die Begegnungen, die Taucher und Schnorchler mit ihnen so besonders finden.

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Studie / Quelle: Smithsonian Magazine