Plattwürmer: Lila Tiefseesocken ohne Gehirn

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24.02.2016 07:08
Kategorie: News

Forscher beschreiben vier primitive Plattwürmer

Die Tiefsee ist voll von seltsamen und wenig bekannten Würmern. Eine Studie, deren Koautor Molekularbiologe Robert Vrijenhoek vom MBARI (Monterey Bay Aquarium Research Institute) ist, beschreibt vier neu benannte Arten von Plattwürmern der Gattung Xenoturbella. Diese Würmer haben zwar Münder aber weder Augen, ein Gehirn, einen Magen oder einen Anus. Eine detaillierte DNA-Analyse der neuen Arten zeigt, dass sie einige der primitivsten Tiere mit bilateraler Symmetrie – einem Körper mit mehr oder weniger symmetrischem Aufbau - sind.

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Die erste und einzige bisher bekannte Xenoturbella-Art wurde in den Gewässern vor Schweden im Jahre 1950 entdeckt. Dem Biologen schien das Tier so seltsam, dass er nicht einmal entscheiden konnte, welchem Tierstamm es angehörte. Frühe DNA-Studien legten nahe, dass es sich um ein primitives Weichtier handelte. Jedoch zeigte eine erneute Analyse der Daten, dass dieses Ergebnis zur DNA der Muscheln gehörte, dass das Tier aß. Die Forscher, die die erneute DNA-Analyse durchgeführten, schlugen vor, dass die Kreaturen Teil einer Gruppe von Tieren sein könnten, zu denen auch Eichelwürmer und Seesterne gehören. Dieses Ergebnis implizierte, dass der Körperbau von Xenoturbella im Laufe der Zeit einfacher geworden war, da dieser viele Körpermerkmale nicht aufweist, die bei Tieren innerhalb dieser Gruppe zu finden sind.

Die jüngste Studie, die kürzlich in der Zeitschrift Nature erschienen ist, basiert auf der Analyse von 1.200 verschiedenen Genen. Sie ordnet Xenoturbella und eine weitere Gruppe von Plattwurm ähnlichen Tieren  als nächsten Verwandte zu allen anderen Tiere mit bilateraler Symmetrie ein. Dies bedeutet, dass sie nicht einen einfacheren Körperplan entwickelt haben, sondern dass diese Tiere nie Gehirne oder anderen Organe entwickelten. Das bedeutet, so Vrijenhoek: "Diese ungewöhnlichen Würmer geben einen Einblick in eine der frühesten Baupläne in der  Tierevolution." Der federführende Autor der neuen Studie war Greg Rouse von der Scripps Institution of Oceanography. Koautoren waren Vrijenhoek, Jose Carvajal von Scripps und Nerida Wilson vom Western Australian Museum.

Lila Socken am Meeresgrund

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Rouse sammelte und beobachtete die Würmer mithilfe von ROVs bei Tauchgängen in der Monterey Bay und dem Golf von Kalifornien. Alle Würmer wurden in der Tiefsee in der Nähe kalter Quellen und  Hydrothermalquellen gefunden. Dort ernähren sie sich vermutlich von Muscheln und anderen Weichtieren.

Die „tiefste“ der neuen Wurmarten, Xenoturbella profunda, wurde in einer Tiefe von 3.700 Metern in einer Hydrothermalquellen in Guaymas-Becken im Golf von Kalifornien entdeckt. Eine zweite Wurmart wurde an einer kalten Quelle in über 1.700 Meter Tiefe gefunden. Die Forscher nannten sie Xenoturbella churro, weil sie sie an ein mexikanisches Gebäck erinnerte.

Die Forscher fanden zwei weitere Arten von Xenoturbella in den Tiefen des Monterey Canyons. Wie alle von den Forschern entdeckten Arten waren sie violett-grau. "Als Greg (Rouse) diese Würmer durch ein Muschelfeld in der Monterey Bay gleiten sah, nannten wir sie scherzhaft lila Socken", so Vrijenhoek.

Weil sie am am Anfang des Baums des Lebens stehen, können die neu beschriebenen Würmer zu neuen Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie führen.
 
Obwohl den Würmern innere Organe fehlen, können sie den Forschern helfen zu verstehen, wie sich diese im Laufe der Zeit entwickelt haben: kein schlechtes Schicksal für eine Kreatur, die einer verlorenen Socke ähnelt …