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"Die Tiere waren schon krank, bevor sie verlegt wurden"
Es sollte die größte Rettungsaktion für Meeressäuger in Gefangenschaft werden, die es je gab: Nach der Schließung des kanadischen Freizeitparks Marineland bei Niagara Falls im Jahr 2024 organisierte ein internationales Konsortium aus Aquarien die Verlegung von 30 Belugas und vier Delfinen in neue Einrichtungen in den USA und Spanien.
Seit die Transporte im Juli 2026 begannen, sind mindestens fünf der verlegten Tiere gestorben – zuletzt der Delfin Echo im Oceanogràfic Valencia.
Marineland bei Niagara Falls galt jahrelang als größte Einrichtung mit Belugas in Gefangenschaft weltweit, geriet aber wiederholt wegen Tierschutzvorwürfen in die Kritik. Nachdem der Park 2024 für Besucher geschlossen hatte, drohten die Betreiber im Herbst 2025, die verbliebenen 30 Belugas und vier Delfine aus Kostengründen einschläfern zu lassen, sollten keine neuen Einrichtungen gefunden werden.
Ein Konsortium akkreditierter Aquarien einigte sich daraufhin auf eine gemeinsame "Rettungsaktion": Zwischen Juli und Ende August 2026 wurden die Tiere in mehreren Wellen per Lkw und Frachtflugzeug auf fünf Standorte verteilt – das Shedd Aquarium in Chicago, SeaWorld San Antonio und San Diego, das Georgia Aquarium in Atlanta sowie das Oceanogràfic Valencia in Spanien. Ein zwischen der US-Meeresbehörde NOAA und den amerikanischen Einrichtungen im Juni 2026 unterzeichnetes Abkommen enthielt dabei keinerlei Einschränkungen für eine spätere Zucht der Tiere.
Die Todesfälle im Überblick
Bereits am 25. August starb die Beluga Peekachu im Shedd Aquarium, keine zwei Wochen nach ihrer Ankunft – Bluttests zeigten laut Aquarium eine schwere Dehydrierung. Am 2. September folgte ein zweiter verlegter Beluga, Rain, sowie – unabhängig von der Marineland-Verlegung – die bereits langjährig im Shedd lebende Beluga Beethoven. Am 17. September starb die Beluga Jelly Bean im Oceanogràfic Valencia nach tagelangen Fütterungsproblemen trotz intensivmedizinischer Betreuung. Am 22. September folgte mit Osiris ein viertes Todesopfer im Shedd Aquarium – das Tier hatte laut Aquarium von Anfang an als "klinisch besorgniserregend" gegolten. Zuletzt starb der Delfin Echo im Oceanogràfic Valencia; das Tier sei mit schweren Sehproblemen und weiteren Vorerkrankungen in Valencia angekommen.
Nicht alle verlegten Tiere zeigen Probleme: Die beiden ins Georgia Aquarium gebrachten Belugas Balor und Zephyr integrierten sich laut Aquarium gut in die bestehende Gruppe, auch wenn Zephyr zuletzt verminderten Appetit zeigte und Balor nicht so stetig an Gewicht zunahm wie erhofft. Im Oceanogràfic Valencia gelten die verbliebene Beluga Cleopatra sowie vier weitere Delfine aus Marineland nach Angaben der Einrichtung weiterhin als wohlauf.
"Eine Katastrophe"
Der frühere Marineland-Tiertrainer Phil Demers, der jahrelang öffentlich auf Missstände im Park hingewiesen hatte, zeigte sich von den Todesfällen nicht überrascht. Sie seien eine Folge der schlechten Lebensbedingungen im Park gewesen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP: "Die Tiere waren schon krank, bevor sie verlegt wurden. Es ist eine Katastrophe." Laut kanadischen Presseberichten verendeten zwischen 2019 und 2025 im Park mindestens 20 Tiere, darunter allein 19 Belugas.
Auch unabhängige Meeressäugerforscherinnen hatten bereits vor den Transporten Bedenken geäußert. Eine an der Diskussion beteiligte Wissenschaftlerin aus British Columbia sagte gegenüber CBC News, sie befürchte, dass manche Tiere im Zuge der Verlegung schwer erkranken oder sterben könnten. Sie hatte sich stattdessen dafür eingesetzt, die Belugas zunächst länger in Marineland zu belassen, bis ein geplantes Walschutzgebiet im kanadischen Port Hilford (Nova Scotia) einsatzbereit wäre – Pläne für dieses Schutzgebiet verzögerten sich jedoch wiederholt. Rückblickend bezeichnete sie die gewählte Lösung als "das Beste einer schlechten Situation".
Das Shedd Aquarium selbst betonte nach dem Tod von Osiris die Unsicherheit, mit der die Rettungsaktion von Beginn an verbunden gewesen sei: "Als das Shedd gebeten wurde, bei dieser Rettung zu helfen, war uns klar, dass diese Tiere mit erheblichen Vorbelastungen ankommen würden und dass das Ergebnis für jedes einzelne Tier nicht garantiert werden konnte." Beide betroffenen Einrichtungen – Shedd Aquarium und Oceanogràfic Valencia – untersuchen die jeweiligen Todesursachen derzeit im Detail.
Quellen:
CBC News – 4 Marineland belugas, 1 dolphin, died after being transferred
CBC News – Another Marineland beluga died after moved to Chicago aquarium
Chicago Sun-Times
Mongabay – As Canada's captive belugas arrive in the US, questions linger about their future
Wikipedia – Marineland of Canada