Kategorie: News
Kein Ölfilm an den derzeit genutzten Tauchplätzen der befragten Anbieter
Seit Monaten geraten Tanker in der Straße von Hormus ins Kreuzfeuer des Kriegs zwischen den USA und dem Iran – Angriffe auf Schiffe sowie Drohnen- und Raketeneinsätze gegen den Verkehr durch die Meerenge. Der Name Khasab, der touristische Hauptort der omanischen Halbinsel Musandam, taucht dabei in vielen Meldungen immer wieder auf. Das erweckt bei vielen Lesern den Eindruck, die Vorfälle spielten sich direkt vor der Küste ab.
Tatsächlich betreffen die sicherheitsrelevanten Vorfälle in erster Linie die kommerziellen Schifffahrtsrouten in und um die Straße von Hormus. Inzwischen gab es zwar auch bestätigte Vorfälle relativ nahe an Khasab – gleichzeitig laufen die Tauchplätze, die von den kontaktierten Anbietern vor Ort derzeit genutzt werden, nach deren Angaben weiterhin normal. Khasab wird in Berichten häufig auch deshalb genannt, weil es der nächstgelegene benannte Ort auf der Karte ist.
Nach übereinstimmenden Angaben der kontaktierten Tauchbasen hat sich am Betrieb bislang nichts geändert: Die Boote fahren wie gewohnt hinaus, die von diesen Anbietern derzeit genutzten Tauchplätze bleiben zugänglich, zusätzliche Sperrzonen oder Sonderregeln gibt es nicht. An den von ihnen genutzten Tauchplätzen wurde bislang kein Ölfilm beobachtet. Ob und in welchem Ausmaß andernorts in der Region Ölrückstände treiben, lässt sich davon unabhängig nicht pauschal beurteilen.
Ein Krieg, der die Buchungen trifft
Spürbare Auswirkungen gibt es dennoch – wirtschaftlicher Natur: Das Geschäft der Tauchbasen brach mit Kriegsbeginn merklich ein, da Berichte über Angriffe in der Region viele potenzielle Gäste verunsichern. Hinzu kommt, dass der Sommer in Musandam ohnehin die schwächere Reisezeit ist – hohe Temperaturen sorgen saisonal für weniger Besucher. Zur bevorstehenden Hauptsaison rechnen Betreiber wieder mit anziehender Nachfrage, sofern sich die Lage nicht weiter verschärft.
| Wir haben Ahmed Al Dhuhuri (Eigner von The Vision, Safariboot Musandam) befragt; seine Einschätzung: Aus unserer Sicht als Reiseveranstalter gehen das Leben und der Tourismus weiter. Wir führen nach wie vor regelmäßig lokale Ausflüge durch, auch an den Wochenenden, und bisher haben wir keine Ölverschmutzung an den Tauchplätzen festgestellt, die wir derzeit nutzen. Selbstverständlich nehmen wir sowohl die ökologische als auch die regionale Situation sehr ernst und beobachten die Entwicklungen weiterhin. Ich kann nur über das sprechen, was wir während unserer Touren tatsächlich beobachten, und ich würde nicht versuchen, vorherzusagen, wie sich die Situation oder die Ausbreitung eines Ölteppichs entwickeln könnte. Seit dem Beginn der Krise haben wir unsere längere Reiseroute angepasst. Derzeit vermeiden wir es, mit der „The Vision“ durch die Straße von Hormuz in Richtung des nördlichen Teils von Musandam zu fahren. Stattdessen konzentrieren wir unsere Route weiter südlich, wodurch wir mehr Abstand zu den Gebieten gewinnen, die von der aktuellen regionalen Lage am stärksten betroffen sind. Wir haben uns zudem mit dem Tourismusminister und dem Gouverneur von Musandam getroffen, um die Lage und die Auswirkungen auf den Tourismus zu besprechen. Sie sind sich bewusst, dass unsere Branche zu den am stärksten betroffenen gehört, insbesondere aufgrund der internationalen Wahrnehmung der Region, und wir haben ihre volle Unterstützung erhalten. Wir stehen weiterhin in Kontakt mit den zuständigen Behörden und werden unseren Betrieb bei Bedarf entsprechend den Entwicklungen und offiziellen Vorgaben anpassen. Nächsten Monat werde ich persönlich eine internationale Reise an Bord der „The Vision“ leiten. Ich halte dies gerade jetzt für besonders wichtig. Ich möchte, dass unsere Gäste und Partner sich selbst ein Bild von der Lage machen, Musandam so erleben, wie es heute ist, und ihre eigenen Fotos, Videos und Erfahrungen teilen. Ich glaube, dass Erfahrungen aus erster Hand von Menschen, die tatsächlich vor Ort sind, dazu beitragen können, ein umfassenderes Bild zu vermitteln als die Nachrichten allein. |
Für alle, die eine Reise nach Musandam planen: Fjorde, Sichtweiten und Bedingungen vor Ort entsprechen nach Angaben der kontaktierten Anbieter bislang dem gewohnten Bild. Die sicherheitsrelevanten Vorfälle betreffen in erster Linie die Schifffahrtsrouten in und um die Straße von Hormus. Wer sich unsicher ist, sollte sich möglichst kurzfristig vor Abreise direkt bei der jeweiligen Tauchbasis erkundigen – aktuelle Informationen vor Ort sind verlässlicher als mehrere Wochen alte Schlagzeilen.
Quelle: Örtliche Tauchanbieter in Musandam, darunter Ahmed Al Dhuhuri (The Vision)