MSC-Label für delphintödlich gefangenen Thunfisch?

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29.08.2017 09:44
Kategorie: News

Thunfischerei in Mexiko nimmt Tod von Delphinen in Kauf

Das Label des Marine Stewardship Council (MSC) steht für nachhaltigen Fischfang. Doch nun soll die Auszeichnung einer Thunfischerei in Mexiko zugutekommen, bei der der Tod von jährlich mehreren Hundert Delphinen billigend in Kauf genommen wird.

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Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) verurteilt diese Entscheidung des MSC aufs Schärfste: "Wie kann eine Fischerei als nachhaltig betrachtet werden, bei der riesige Delphinschulen absichtlich gejagt und mit Netzen eingefangen werden, um den darunter schwimmenden Thunfisch zu fangen? Obwohl die Delphine wieder freigelassen werden müssen, sterben bei der tierquälerischen Prozedur jedes Jahr mehrere Hundert Tiere. Unglaublich, aber offiziell erlaubt wären sogar mehrere Tausend Delphine im Jahr", kritisiert GRD-Projektleiterin Ulrike Kirsch.

Unterstützt vom Earth Island Institute (EII), der Humane Society of the US und der staatlichen US Marine Mammal Commission hatte der WWF formalen Einwand beim MSC erhoben, der jetzt aber zurückgewiesen wurde. Die Umweltschützer hatten Beweise vorgelegt, die zeigten, dass für die Beurteilung der Nachhaltigkeit dieser Fischereien bewusst falsche Zahlen über die tatsächlich zu Tode gekommenen Delphine herangezogen wurden.

MSC unterstützt das Jagen und Töten von Delphinen
Mit der Entscheidung werde auch gegen eigene Vorschriften verstoßen, wie Dave Phillips vom EII erklärt: "Gemäß den MSC-Bedingungen für eine Zertifizierung ist es einer zertifizierten Fischerei ausdrücklich verboten, gezielt Meeressäuger zu jagen. Tatsache jedoch ist, dass bei besagter Fischerei gezielt Delphine gejagt werden, und damit hätte eine Zertifizierung von vornherein überhaupt nicht in Erwägung gezogen werden dürfen."

Massenvernichtung von Meeressäugern beim Thunfischfang
Über 7 Millionen Delphine wurden seit den 1960er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre beim Thunfischfang im tropischen Ostpazifik getötet. Es ist weltweit das bisher größte Delphinmassaker im Zusammenhang mit einer Fischereimethode. Bis heute haben sich die Delphinpopulationen nicht erholt und mindestens zwei Arten wurden auf kritische Bestandszahlen dezimiert.

Fischerei mit Todesquoten für Delphine
"Eine Fischerei als nachhaltig zu zertifizieren, bei der Todesquoten für Delphine vergeben werden, bei der Delphine, mitunter mehrmals täglich von Schnellbooten in die Netze gehetzt und eingefangen werden, bei der Aktion sterben oder verletzt und traumatisiert werden, Delphinmütter von ihrem Nachwuchs getrennt werden, ist zynisch und an Greenwashing kaum zu übertreffen. In jeder Region und jedem Land, in dem Delphine unter Schutz stehen, ist es strengstens verboten, Delphinen hinterherzujagen oder sie in sonstiger Weise in ihrem natürlichen Verhalten zu stören", klagt Ulrike Kirsch an. Gemeinsam mit vielen anderen NGOs forderte die GRD den MSC auf, die Entscheidung zurückzunehmen.

SAFE – wichtiger denn je
Mehr denn je zeigt sich, wie wichtig das Internationale Kontrollprogramm für delphinsicheren Thunfisch SAFE des EII ist, das in Deutschland seit 1991 von der GRD durchgeführt wird.

Unter SAFE ist diese delphintödliche Methode, neben anderen, verboten. Weltweit haben sich bis heute über 95 % der Thunfischfirmen dem Programm angeschlossen und verpflichtet, keine delphintödlichen Fangmethoden anzuwenden beziehungsweise keinen delphintödlich gefangenen Thunfisch zu kaufen oder verkaufen. Dank SAFE bleiben jedes Jahr Hunderttausende Delphine vom grausamen Beifangtod im Netz der Thunfischer verschont.

Wer als Verbraucher sichergehen will, dass für seinen Thunfisch keine Delphine gehetzt, gefangen und getötet wurden, der sollte unbedingt auf das Logo SAFE achten.