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Korrigierte Messungen erhöhen Zahl der Betroffenen deutlich
Neue Forschung zeigt, dass der Meeresspiegel entlang vieler Küsten deutlich höher liegt als in den meisten Risikoabschätzungen angenommen. Ein Team um Philip Minderhoud und Katharina Seeger kommt in Nature zu dem Ergebnis, dass besonders Regionen in Südostasien und im Indopazifik um etwa 1 bis 1,5 Meter vom bisher gerechneten Niveau abweichen und stärker belastet sind als bisher gedacht.
Ursache ist die gängige Praxis, als Referenz Geoidmodelle zu nutzen, die den globalen Meeresspiegel theoretisch aus Gravitation und Rotation ableiten. Diese Modelle berücksichtigen jedoch nicht lokale Faktoren wie Winde, Meeresströmungen, Gezeiten sowie Temperatur- und Salzgehaltsschwankungen, die den tatsächlichen küstennahen Meeresspiegel beeinflussen. Die Forschenden verglichen Landhöhen mit satellitengestützten Meeresspiegelmessungen weltweit und analysierten 385 Studien; mehr als 90 Prozent nutzten keine direkten Meeresspiegelmessungen.
Die korrigierten Berechnungen zeigen: Bei einem relativen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter würden 37 Prozent mehr Fläche und 68 Prozent mehr Menschen - bis zu 132 Millionen - unter das Meeresspiegelniveau fallen als zuvor angenommen. Das bedeutet, dass Folgen und Zeitrahmen für Anpassungsmaßnahmen in vielen Regionen dringlicher sind.
Das Team stellt seine Methode und weltweite, bereits korrigierte Küstenhöhendaten zur Verfügung und fordert, diese Vorgehensweise zum neuen Standard zu machen, um Gefährdungen präziser zu bewerten und Schutzmaßnahmen gezielter zu planen.
Zur Originalstudie: https://doi.org/10.1038/s41586-026-10196-1
Video zum Thema: https://vimeo.com/1162103411/bf1308bb65