Kanada: Größtes Robbenschlachten seit Jahrzehnten

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15.04.2004 09:22
Kategorie: News
Gegen die Proteste von Tierschützern haben Jäger in Kanada die größte Robbenjagd seit Jahrzehnten begonnen. Mit Genehmigung der kanadischen Regierung begannen die Robbenfänger ihre Streifzüge durch die Eislandschaft von Neufundland. Die Behörden hatten die Zahl der in diesem Jahr für die Jagd freigegebenen Tiere auf 350.000 erhöht, im vergangenen Jahr waren 300.000 getötet worden.

Vor allem die zwischen Grönland und Neufundland lebenden Sattelrobben können gejagt werden. Die Jagdsaison endet Mitte Mai. Bis Ende kommenden Jahres sollen insgesamt rund eine Million Robben getötet werden.


Hintergrund ist die starke Zunahme der Robbenpopulation seit den in den 80er Jahren erlassenen Einschränkungen der Jagd. Nach Angaben des kanadischen Amtes für Fischerei und Ozeane erhöhte sich die Zahl der Sattelrobben von 1,8 Millionen im Jahr 1970 bis heute auf 5,2 Millionen. Wenn die Jagdquote von 975.000 erfüllt werde, werde es 2006 noch 4,6 Millionen Sattelrobben geben. Fischereiminister Robert Thibault hatte die Tiere bei der Ankündigung der neuen Jagdquote im vergangenen Jahr als "natürliche Ressource" bezeichnet, die rund 12.000 Robbenfängern ein geregeltes Einkommen sichere. Robben gelten zudem als Bedrohung der Fischbestände.

Tierschutzorganisationen sprachen vom größten Robbenschlachten seit 1960; Aktivisten filmten die Jagd auf dem Eis. "Das ist das größte und grausamste Massaker an Meeressäugern auf unserem Planeten", sagte Rebbecca Altworth von der Organisation International Fund for Animal Welfare (IFAW). "Wir dachten, wir hätten in den 80er Jahren gewonnen, aber jetzt hat die Jagd wieder zugenommen."

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält sich dagegen inzwischen mit Kritik zurück. "Die Spezies ist im Gegensatz zu anderen Meeressäugern, für die wir uns einsetzen, nicht bedroht", sagte Steven Guilbeault der kanadischen Zeitung "Le Devoir".