Kanada: Bis zu einer Milliarde Meerestiere tot

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08.07.2021 17:50
Kategorie: News

Hitzewelle führt zu Massensterben im Meer

Die westliche Provinz Kanadas, Britisch-Kolumbien, wurde in den vergangenen Wochen von einer Hitzewelle heimgesucht. Der Temperaturrekord mit knapp 50 Grad Celsius in der Ortschaft Lytton führte zu einem Großbrand der die gesamte Stadt zum Opfer fiel. In der Provinz starben 500 Menschen. In den Wäldern wüteten Hunderte Feuer. Aber auch an der Küste wurden Temperaturen nahe der 45-Grad Marke gemessen…

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Die Auswirkungen der Hitzewelle in den küstennahen Gewässern sind nach ersten Untersuchungen dramatisch. Nach Ansicht von Fachleuten hätten die hohen Temperaturen ein Massensterben in den Gewässern Britisch-Kolumbiens ausgelöst. Laut dem Meeresbiologen Christopher Harley von der University of British Columbia dürften bis zu eine Milliarde Meereslebewesen verendet sein.

Harley berichtete dem „Guardian“ über einen Spaziergang an der Küste nahe der Großstadt Vancouver: „Der Gestank der verrottenden Muscheln ist überwältigend gewesen, der Strand übersät mit leeren Schalen. Im flachen Wasser faulten die Überreste von Schnecken, Seesternen und Venusmuscheln vor sich hin.“ Kollegen hätten ihm auch von abgestorbenen Seeanemonen, Felsenfischen und Austern berichtet.

Folgen für die Wasserqualität

Während die Lufttemperatur in Vancouver 30 Grad Celsius betragen habe, hat sich das felsige Ufer auf bis zu 50 Grad aufgeheizt, so der Wissenschaftler.

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Muscheln hielten Temperaturen von bis zu 30 Grad aus, Seepocken überlebten sogar bis zu 40 Grad über einen gewissen Zeitraum, sagte Harley, „aber wenn die Temperaturen über diesen Bereich steigen, werden die Bedingungen lebensfeindlich. Eine Muschel am felsigen Ufer ist in gewisser Weise wie ein Kleinkind, das an einem heißen Tag im Auto zurückgelassen wird. Sie sitzen dort fest, bis das Elternteil zurückkommt, oder in diesem Fall, die Flut zurückkommt, und es gibt sehr wenig, was sie tun können. Sie sind der Gnade der Umwelt ausgeliefert. Und am Samstag, Sonntag, Montag, während der Hitzewelle, wurde es einfach so heiß, dass die Muscheln verendeten.

Das Massensterben der Schalentiere wirkt sich direkt auf die Wasserqualität aus“, sagte Harley. „Sie halten das Wasser sauber, sodass das Sonnenlicht das Seegras erreiche. Die Muschelkolonien bildeten zudem den Lebensraum für Dutzende andere Spezies.

Ohne Klimakrise undenkbar

Die Extremhitze der vergangenen Tage im Westen Nordamerikas mit Temperaturen bis knapp 50 Grad wäre einer Studie zufolge ohne die Klimakrise so gut wie unmöglich gewesen. Einer hochrangig besetzten internationalen Gruppe von Klimaforschenden zufolge habe die durch Treibhausgase verursachte Erwärmung der Erde die Hitzewelle in Kanada und den USA 150-mal wahrscheinlicher gemacht.

Der Auslöser für dieses Extremwetter ist ein sogenannter Hitzestau. Auch in den kommenden Tagen soll sich über dem Westen der USA wieder ein Hochdruckgebiet aufbauen, das sich zu einem »Heat Dome«, einer Wärmekuppel, auswächst. Dabei sorgen Höhenwinde, auch Jetstream genannt, derzeit für eine Stabilisierung dieser für den Menschen extremen Wetterlagen.

Nach Wochen der Hitze ist es momentan im Westen Kanadas wieder kühler. Die Pause währt allerdings nur kurz: Bereits am Wochenende wird die nächste Hitzewelle erwartet.