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Fischer und Forscher schlagen Alarm
Vor der portugiesischen Küstenstadt Sines breitet sich seit zwei bis drei Jahren eine invasive Braunalge in beunruhigendem Tempo aus. Rugulopteryx okamurae, ursprünglich aus dem nordwestlichen Pazifik (Japan, Korea, China), wurde in der Region um die Marina von Sines bereits vor rund zehn Jahren erstmals nachgewiesen.
Seit dem ersten Nachweis gab es laut Joaquim Parrinha von der Universität Coimbra und dem Meeresforschungszentrum MARE konstante Sichtungen. Erst in den letzten zwei bis drei Jahren wuchs der Bestand jedoch explosionsartig an.
Ein Import mit Umweg über Frankreich
Nach Europa gelangte die Art bereits 2002 – vermutlich unbeabsichtigt mit Pazifischen Austern, die in die Lagune von Thau in Südfrankreich importiert wurden. Über ein Jahrzehnt blieb sie dort eine kleine, unauffällige Population, ehe sie sich ab 2015 rasant über die Mittelmeerküste Spaniens bis zur Straße von Gibraltar ausbreitete. Von dort aus gelangte sie sowohl weiter ins westliche Mittelmeer als auch in den Atlantik – entlang der spanischen und portugiesischen Atlantikküste, wo sie sich zunächst an der Algarve festsetzte und anschließend weiter nach Norden bis in die Region um Sines vordrang.
Die Alge erreichte zudem auch die Atlantikinseln Azoren, Kanaren und Madeira, wo sie inzwischen auch als etabliert gilt. Die EU führt die Art zudem als Art von unionsweiter Bedeutung, deren Ausbreitung eingedämmt werden soll.
Wenn der Meeresgrund unter Algen verschwindet
Besonders betroffen ist der Küstenabschnitt zwischen Melides und Azenha do Mar, mit dichten Beständen vor allem bei São Torpes und der Ilha do Pessegueiro. Starker Seegang reißt die Algenmatten vom Untergrund, Südost-Wind spült sie an die Strände. Allein in diesem Jahr durchlief die Alge nach Angaben Parrinhas bereits drei vollständige Fortpflanzungszyklen – Forscher rechnen daher mit weiterem Wachstum in den kommenden Jahren.
Unter Wasser legt sich die Alge bevorzugt in flacheren Bereichen auf Fels und in Mulden und blockiert dort Licht und Sauerstoffaustausch. Einheimische Algenarten bleichen unter der dichten Decke aus, viele Tiere weichen in tiefere, noch unbedeckte Zonen aus. Bis in etwa zwölf Meter Tiefe kann der Meeresgrund nahezu vollständig bedeckt sein, darunter lichtet sich der Bewuchs meist deutlich.
Betroffen ist auch die lokale Fischerei: Netze verfangen sich zunehmend in der Alge, während sich Fisch- und Oktopus-Bestände laut Fischern von den am stärksten befallenen Küstenabschnitten zurückziehen.
Ausrotten unrealistisch, Kontrolle das Ziel
Eine vollständige Entfernung der Alge gilt unter Experten als praktisch unmöglich. Mehrere portugiesische Küstengemeinden, darunter auch Sines, beteiligen sich daher an einem Förderprojekt im Rahmen des Programms Algarve 2030, das gemeinsam mit Forschungseinrichtungen wie MARE und der Universität Minho Strategien zur Eindämmung entwickeln soll. Der Plan reicht von der regelmäßigen Räumung befallener Bereiche über wissenschaftliches Monitoring bis zur wirtschaftlichen Nutzung der anfallenden Biomasse, etwa für Dünger oder biotechnologische Anwendungen.
Für Taucher, die die Region besuchen möchten, bedeutet das vor allem: Wer flache Felsplätze ansteuert, sollte sich vorab bei der örtlichen Tauchbasis erkundigen, wie stark der jeweilige Spot aktuell betroffen ist – die Situation kann sich von Bucht zu Bucht deutlich unterscheiden.
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