Inseln Tiran und Sanafir wieder zu Saudi Arabien

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13.04.2016 14:59
Kategorie: News

Tauch-Aus in der Straße von Tiran?

Von der Tauchszene fast unbemerkt hat es nach sechsjährigen Verhandlungen zwischen Ägypten und Saudi Arabien eine Vereinbarung gegeben, nach der die in der Straße von Tiran im Südsinai liegenden Inseln Tiran und Sanafir von Ägypten wieder unter Saudi Arabische Hoheit gestellt werden sollen. Die Vereinbarung wurde jüngst auf höchster Ebene getroffen und bedarf nur noch der Absegnung durch das ägyptische Parlament, die aber als sicher gilt. Das „Aus“ für das Sporttauchen in der Straße von Tiran?

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Die Inselgruppe gehört originär zu Saudi Arabien, das sie 1949 Ägypten „überließ“ um sie für Verteidigungszwecke zu nutzen und vor fremden Zugriff zu schützen. Im Sechstagekrieg von 1967 wurden die strategisch bedeutsamen Inseln, von denen aus die Zufahrt in den Golf von Aqaba und zum israelischen Hafen Eilat kontrolliert werden kann, von Israel besetzt und erst 1982 wieder geräumt.

Seither haben die beiden mitten in der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Tiran liegenden Inseln einen regen Aufschwung für den Tauchtourismus bewirkt. Denn zahlreiche schöne Riffe, das Wrack des 1956 bei Al Gharqana gestrandeten deutschen Frachters MS „Maria Schröder“ und die im Nabq Nationalpark liegenden nördlichsten Mangrovenwälder der Welt, machen den touristischen Reiz dieser Region aus. Der Tauchtourismus lockt viele tausend Taucher jährlich in den Südsinai – zumindest in den vergangenen Jahren.

In der Bevölkerung und in oppositionellen Kreisen regt sich Widerstand gegen die Vereinbarung der Rückgabe, denn hier würde die nationale Sicherheit verletzt, die Tirangruppe müsse daher bei Ägypten bleiben, heißt es aus Militär- und oppositionellen Kreisen. Ganz andere Töne, nämlich dass vitale Interessen der Tourismusindustrie im Südsinai dadurch schweren Schaden nehmen würden, kommen aus der betroffenen Küstenregion selbst. Ausflüge in den Nationalpark, mindestens 30 Tauchausfahrten täglich an die Inseln Tiran und Sanafir würden dann nicht mehr möglich sein, da sie dann in einem fremden Hoheitsgebiet liegen würden. „Damit würde der ohnehin schon beschädigte Zustand der ägyptischen Tourismusbranche im Südsinai sich von schlecht zu katastrophal verändern“, wird Salah El-Din Atef, Chef einer im Tauchtourismus tätigen Firma im Südsinai im ägyptischen Nachrichtenportal „Egyptian Streets“ zitiert.

Die Vereinbarung aber steht und wurde kürzlich bei einem Treffen des saudischen Königs Salman mit Ägyptens Präsidenten Al-Sisi in Kairo nochmals bekräftigt. Die unterzeichnete Vereinbarung regelt verschiedene Punkte im maritimen Grenzverlauf beider Länder und ordnet hierin die beiden Inseln wieder Saudi Arabien zu, wo sie historisch auch hingehören.

Kuschelkurs also zwischen Ägypten und Saudi Arabien auf höchster Ebene. Und das wird  von den Saudis auch honoriert, denn die beiden Staatsoberhäupter gaben zugleich bekannt, dass Saudi Arabien ein Milliarden schweres Brückenprojekt finanzieren werde, das die arabische Halbinsel mit der Sinaihalbinsel verbinden soll. Die Brücke werde nach König Salman benannt, der dann auch gleich noch mit dem „Order of the Nile“ dem höchsten ägyptischen Ehrenorden, ausgezeichnet wurde.
Wie es mit dem Tauchtourismus in der Straße von Tiran weiter geht, muss nun abgewartet werden. Wo so viel gekuschelt wird, sollten sich auch „Bagatellprobleme“ wie der Tauchtourismus regeln lassen... Oder? (hap)