Hasenmeyer erforscht wieder Blautopf

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16.09.2004 18:17
Kategorie: News
BIRKENFELD. Ein Jahr hat Jochen Hasenmayer gewartet. Noch im September setzt der Birkenfelder die Vorstöße ins Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb fort. Er will damit ein riesiges Heißwasservorkommen nachweisen.

Vom Blautopf aus wird sich Jochen Hasenmayer wieder unter Wasser über Kolkschwelle, Bunker und Lift in die Dunkelheit wagen. Er wird sein Mini-U-Boot durch die Kartoffeldüse fädeln und durch die hohle Gasse, eine Art "Treppenhausschacht ins obere Stockwerk", wie der Birkenfelder sagt, und weiter über U-Bahn und Tintenfass in den von ihm so getauften Mörike-Dom, eine Seehalle rund 1250 Meter tief im Gebirge. Dann will der quergeschnittsgelähmte Forscher sich weiter tasten durch einen Unterwasser-Ausgang tiefer ins Herz der Schwäbischen Alb.

Denn dass es weiter geht, viel weiter, davon ist der Birkenfelder überzeugt. Seine neuerliche Fahrt in die Tiefe soll neue Beweise für seine These liefern, dass er eine Flusshöhe älter als die Donau gefunden habe, die sich deshalb bis ins Alpenvorland erstrecke. Und dort, so Hasenmayers seit Jahren umstrittene Folgerung, gebe es tief in der Erde ein Heißwasservorkommen. Die Vision von einer "Höhlentherme", die Millionen von Menschen über Jahrhunderte die Wohnungen heizen könnten, lässt den Birkenfelder immer wieder neue Tauchgänge wagen. Vor einem Jahr hat er die letzte Expedition abgebrochen, als ein anderer Taucher im Blautopf tödlich verunglückt war. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat mittlerweile einen Tiefenrausch als Ursache des Unfalls ermittelt. Auch Hasenmayers Behinderung ist die Folge eines Tauchunfalls. Doch Angst vor dem Gang in die Tiefe hat der 63-Jährige keine. "Das wird eine sehr sichere Fahrt", sagt er.

Die lange Wartezeit hängt damit zusammen, dass zum Ende des Sommers der Grundwasserspiegel am niedrigsten ist. Zudem darf es längere Zeit rings um den Blautopf nicht zu heftig regnen. Sonst kann an den Engstellen in den Höhlen reißende Strömung entstehen, die das Spezial-U-Boot quer stellen und einklemmen könnte. Außerdem würde das Tauchen zum Blindflug.

Zwischen acht und zwölf Stunden veranschlagt Hasenmayer für die eineinhalb Kilometer in den Berg und zurück. Luft hat er für vier Tage dabei. Der Druckausgleich im U-Boot schützt vor dem Tiefenrausch. 16 Scheinwerfer helfen ihm durch die Finsternis. Die schluckt sogar die Laserstrahlen, mit denen Hasenmayer Höhlenhallen ausmisst. Ein weiterer spezieller Laser, Messgeräte im U-Boot, die von Turbinen angetrieben werden, ein elektronischer Tiefenmesser, Fotos und Filme sollen das Geologische Landesamt von Hasenmayers Altersbestimmung der Höhlen überzeugen. Nach dem Mörike-Dom locken neue Tropfsteinformationen, hat der Birkenfelder beim letzten Tauchgang bereits mit einem Blick erhascht. Dorthin zieht es ihn. "Ein paar hundert Meter weit ins Neuland", ist sein Ziel. Weiter soll es nicht gehen. "Ich muss meinen Rückweg sichern", sagt Hasenmayer.

Quelle: Pforzheimer Zeitung